War­um (fast) die gan­ze Welt die­ses Mal an ei­nem Strang zieht

Der An­schlag auf den rus­si­schen Ur­lau­ber­jet und die At­ten­ta­te von Pa­ris ha­ben ge­zeigt: Der IS-Ter­ror ist gren­zen­los. Des­we­gen muss er glo­bal be­kämpft wer­den

Schwabmuenchner Allgemeine - - Meinung & Dialog - VON WIN­FRIED ZÜF­LE w.z@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Wenn nicht jetzt, wann dann? Mit die­ser Fra­ge, in der die Ant­wort be­reits ent­hal­ten ist, hat es der bri­ti­sche Pre­mier Ca­me­ron auf den Punkt ge­bracht: Der Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS), die im Irak und in Sy­ri­en groß ge­wor­den, aber welt­weit ak­tiv ist, muss jetzt ge­führt wer­den. Sonst wird noch mehr Leid über die Welt kom­men.

Die ver­hee­ren­den An­schlä­ge von Pa­ris ha­ben be­reits die in­ter­na­tio­na­le Po­li­tik ver­än­dert. Vier Jah­re lang ha­ben Russ­land und Chi­na im Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen je­de Sy­ri­en-Re­so­lu­ti­on ver­hin­dert. Jetzt stimm­ten sie zu: Al­le Staa­ten der Welt wur­den auf­ge­for­dert, „al­le nö­ti­gen Maß­nah­men“im Kampf ge­gen den IS im Irak und in Sy­ri­en zu er­grei­fen.

Das kommt ei­nem UN-Man­dat na­he. Frank­reichs Prä­si­dent François Hol­lan­de prä­sen­tiert sich als Voll­stre­cker des Wil­lens der Völ­ker­ge­mein­schaft. Er sprach in den ver­gan­ge­nen Ta­gen mit Mer­kel, Ca­me­ron, Oba­ma und Pu­tin. Ge­lingt es, al­le von der Not­wen­dig­keit des ge­mein­sa­men Kamp­fes ge­gen den IS zu über­zeu­gen?

Vor ei­ni­gen Mo­na­ten hät­te man noch ge­sagt: aus­sichts­los. In Sy­ri­en ste­hen sich ver­schie­de­ne In­ter­es­sen dia­me­tral ge­gen­über. Russ­land und der Iran hal­ten zu Prä­si­dent As­sad. Die USA hin­ge­gen wol­len den Macht­ha­ber stür­zen und hel­fen der ge­mä­ßig­ten sun­ni­ti­schen Op­po­si­ti­on auch mit Luft­schlä­gen. Aus Sau­di-Ara­bi­en und den Golf­staa­ten da­ge­gen wird der ra­di­kal-sun­ni­ti­sche IS fi­nan­zi­ell un­ter­stützt. Auch das Ver­hält­nis der Tür­kei zu den Ter­ro­ris­ten war zu­min­dest zeit­wei­se am­bi­va­lent.

Doch dann hat der rus­si­sche Prä­si­dent Pu­tin die La­ge ver­än­dert, in­dem er mit sei­ner Luft­waf­fe in den Bür­ger­krieg ein­griff. Sei­ne Rück­kehr auf die Welt­büh­ne ver­band er mit ei­ner di­plo­ma­ti­schen Initia­ti­ve. Noch vor den An­schlä­gen von Pa­ris for­der­te er ein welt­wei­tes Bünd­nis ge­gen den IS. Zwi­schen Wor­ten und Ta­ten klaff­te frei­lich ei­ne Lü­cke: Statt den IS zu be­kämp­fen, ver­such­ten sei­ne Mi­li­tärs bis­her vor al­lem, As­sads ge­schrumpf­ten Herr­schafts­be­reich zu si­chern.

Mit den fei­gen At­ten­ta­ten in Frank­reich und, nicht zu ver­ges­sen, mit dem heim­tü­cki­schen An­schlag auf den rus­si­schen Ur­lau­ber­jet in Ägyp­ten wur­de sicht­bar, dass die Ter­ror­mi­liz IS der gan­zen Welt den Krieg er­klärt hat. Dies war der Wen­de­punkt. Im­mer mehr Staats­füh­rer ver­ste­hen seit­her, dass die Ge­fahr um­fas­send und nach­hal­tig ist: Weil der IS kei­ne Gren­zen für sei­ne ter­ro­ris­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten kennt. Weil er fi­nan­zi­ell po­tent ist dank mäch­ti­ger Un­ter­stüt­zer in der ara­bi­schen Welt und dank ei­ge­ner Steu­er­ein­nah­men und Öl­ver­käu­fen aus sei­nem Staats­ge­biet. Und weil es dem IS mit ei­ner per­fi­den Pro­pa­gan­da ge­lingt, im Wes­ten, aber auch in Russ­land Kämp­fer und At­ten­tä­ter zu re­kru­tie­ren.

Des­we­gen be­steht jetzt die Chan­ce, ei­ne fast welt­wei­te Ko­ali­ti­on ge­gen die Ter­ro­ris­ten und für ein En­de des sy­ri­schen Bür­ger­kriegs zu schmie­den. Auch Deutsch­land muss ei­nen mi­li­tä­ri­schen Bei­trag leis­ten. Die Vor­schlä­ge der Re­gie­rung, Tor­na­do-Auf­klä­rer und ei­ne Fre­gat­te zu schi­cken, sind sach­ge­recht und maß­voll. Auch wir pro­fi­tie­ren, wenn die Ter­ror­ge­fahr ge­min­dert wer­den kann.

Mit Luft­schlä­gen al­lei­ne wird der IS nicht zu be­sie­gen sein. Ent­schei­dend wird sein, dass zu­dem Bo­den­trup­pen ge­gen den IS ein­ge­setzt wer­den. Da­für kom­men – ob­wohl sie sich der­zeit noch ge­gen­sei­tig be­kämp­fen – auch die Kräf­te des As­sad-Re­gimes und die ge­mä­ßig­ten Re­bel­len in Fra­ge.

Wich­tig bleibt da­her das di­plo­ma­ti­sche En­ga­ge­ment. Zwi­schen den mo­de­ra­ten Kräf­ten muss ein Waf­fen­still­stand ver­mit­telt wer­den. Die Gunst der St­un­de muss ge­nutzt wer­den. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Deutsch­lands Bei­trag ist sach­ge­recht und maß­voll

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