Der ers­te Krat­zer in der Hoch­glanz-Kar­rie­re

Seit Ru­pert Stad­ler Au­di-Chef ist, ging es mit sei­nem Ruf und dem des Au­to­her­stel­lers steil berg­auf – bis er von ei­ner Ab­gas-Soft­ware nichts wuss­te

Schwabmuenchner Allgemeine - - Meinung & Dialog -

Wer als Au­di-Chef lang­fris­tig er­folg­reich sein will, be­nö­tigt ne­ben ei­nem tie­fen Ver­ständ­nis für Au­tos vor al­lem be­last­ba­re Be­zie­hun­gen nach Wolfsburg und ins Salz­bur­ger Land.

Ru­pert Stad­ler hat bei­des. Ob­wohl er Be­triebs­wirt­schaft stu­dier­te (üb­ri­gens an der Fach­hoch­schu­le Augs­burg), kennt er sich auch in den Mo­tor­räu­men der Au­di-Pro­duk­te er­staun­lich gut aus. Zu­min­dest wird ihm in In­gol­stadt be­stä­tigt, er ver­ste­he was von Tech­nik.

Auf der an­de­ren Sei­te ist der smar­te Ma­na­ger aus dem Land­kreis Eichstätt bes­tens ver­netzt – auch mit der grau­en Emi­nenz un­ter den Volks­wa­gen-Ei­g­nern, Fer­di­nand Piëch, der ober­halb von Salz­burg re­si­diert. Des­sen Bü­ro bei Volks­wa­gen hat er En­de der 90er Jah­re zur vol­len Zuf­rie­den­heit des „Al­ten“ge­lei­tet. Und so durf­te Stad­ler als ers­ter Nicht-Tech­ni­ker Herr der Rin­ge wer­den. Und: Er hat wohl nach wie vor gu­te Kar­ten, ir­gend­wann ein­mal das An­ge­bot zu be­kom­men, auch Mut­ter Volks­wa­gen zu len­ken.

Ge­nau ge­nom­men ist sei­ne Kar­rie­re ei­ne ein­zi­ge Er­folgs­ge­schich­te. Zwar be­fand sich Au­di schon auf der Über­hol­spur, als Stad­ler 2007 das Steu­er in In­gol­stadt von sei­nem Vor­gän­ger Mar­tin Win­ter­korn über­nahm. Aber in sei­ner Zeit ge­lang es ihm, dem Kon­zern wei­te­re Im­pul­se zu ge­ben. So setz­te Au­di 2007 bei ei­nem ope­ra­ti­ven Er­geb­nis von 2,7 Mrd. Eu­ro 33,6 Mil­li­ar­den Eu­ro um, heu­te sind es fünf Mil­li­ar­den und 53 Mil­li­ar­den. Wirt­schaft­li­che Re­kor­de pflas­tern sei­ne Zeit als Kon­zern­chef – bis un­er­war­tet die Sa­che mit der ver­bo­te­nen Soft­ware in den von Au­di ent­wi­ckel­ten 3-Li­ter-Mo­to­ren von den US-Um­welt­be­hör­den ans grel­le Licht der Öf­fent­lich­keit ge­zerrt wur­de.

Doch auch die­sen Skan­dal wird er nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten über­ste­hen, denn er de­fi­niert sich nun als die Speer­spit­ze der Auf­klä­rung und Pro­blem­lö­ser.

Privat wie im Be­rufs­le­ben kommt der 52-Jäh­ri­ge auf den ers­ten Blick eher zu­rück­hal­tend da­her. Er ist sehr höf­lich und wirkt meist ru­hig. Aber da­hin­ter steckt je­de Men­ge Ehr­geiz, was kei­ne Kri­tik sein soll. Denn oh­ne die­se Ei­gen­schaft wä­re Stad­ler nicht an die Spit­ze des Kon­zerns ge­langt. Er ist kein Schwät­zer, auch wenn er von Be­rufs we­gen die Wer­be­trom­mel für Au­di-Pro­duk­te manch­mal fast auf­dring­lich laut rührt.

Trotz sei­ner Po­si­ti­on wird Stad­ler nach­ge­sagt, er sei nicht ab­ge­ho­ben. Sei­ne Wur­zeln hat er nie ver­leug­net und auch nicht ver­ges­sen. Der Topma­na­ger stammt aus ei­ner Bau­ern­fa­mi­lie in Wa­chen­zell, ei­nem 957-See­len-Dorf bei Eichstätt, be­kannt für Do­lo­mit-Kalk­stein. Dort hat Stad­ler ge­lernt, was Ar­beit ist. Der Ma­na­ger be­tont das in Ge­sprä­chen ger­ne. Schon früh ha­be er auf dem el­ter­li­chen Hof mit­ge­hol­fen. Da­für lässt den drei­fa­chen Fa­mi­li­en­va­ter heu­te der Ter­min­ka­len­der aber kei­ne Zeit mehr. Jo­sef Karg

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