Weih­nachts­ein­kauf oder Ver­zicht?

Han­del Am heu­ti­gen Sams­tag ist Kauf-Nix-Tag. Ei­ne weit­ge­hend un­be­kann­te Ak­ti­on. Ob sie die Men­schen, die in bes­ter Kon­sum­lau­ne sind, über­haupt er­reicht, ist frag­lich. Zu wel­cher Stra­te­gie ein Um­welt­öko­nom rät

Schwabmuenchner Allgemeine - - Wirtschaft - VON DA­NIE­LA HUNGBAUR hu­da@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Der schnel­le Kaf­fee zum Mit­neh­men beim Bä­cker, die Ho­se aus dem Kauf­haus im Son­der­an­ge­bot, der Glüh­wein am Abend auf dem Weih­nachts­markt: Wer den Kauf-Nix-Tag un­ter­stüt­zen möch­te, soll­te auf all das an die­sem Sams­tag ver­zich­ten. Aus Pro­test ge­gen den Kauf­rausch soll der letz­te Sams­tag im No­vem­ber ei­ne klei­ne Aus­zeit vom Shop­ping-Wahn brin­gen. Al­ler­dings ist der seit 1997 mit ver­ein­zel­ten Ak­tio­nen in Deutsch­land be­gan­ge­ne Tag nur we­ni­gen be­kannt. Und die Kon­sum­freu­de der Deut­schen zur Weih­nachts­zeit scheint wei­ter aus­ge­prägt vor­han­den zu sein – trotz wach­sen­der Sor­gen um die Kon­junk­tur.

Rund 274 Eu­ro pla­nen die Ver­brau­cher im Schnitt nach Be­rech­nun­gen der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung (GfK) für Ge­schen­ke ein. Das sind zwar elf Eu­ro we­ni­ger als im Vor­jahr, al­ler­dings spen­de­ten die Men­schen in die­sem Jahr auch deut­lich mehr. We­gen der un­ge­bro­che­nen Zu­wan­de­rung von Flücht­lin­gen rech­nen vie­le Men­schen in den kom­men­den Mo­na­ten al­ler­dings auch mit mehr Ar­beits­lo­sen. Weil zu­gleich die Ein­kom­mens­er­war­tun­gen san­ken, fiel der mo­nat­li­che GfK-Kon­sum­kli­ma­in­dex mit 9,3 Punk­ten für De­zem­ber auf den nied­rigs­ten Stand seit Jah­res­be­ginn. Es war der vier­te leich­te Rück­gang in Fol­ge, für No­vem­ber hat­te die GfK 9,4 Zäh­ler er­rech­net. Die GfK be­fragt mo­nat­lich 2000 Ver­brau­cher zu ih­ren Er­war­tun­gen. Aus die­sen Um­fra­gen hat sich auch er­ge­ben, dass die Nei­gung zu grö­ße­ren An­schaf­fun­gen pünkt­lich zum Weih­nachts­ge­schäft ge­stie­gen ist. Sie wird vor al­lem auch als Fol­ge der Mi­ni­zin­sen ge­se­hen, die Spa­ren un­ren­ta­bel ma­chen.

Für den Han­del wird das Weih­nachts­ge­schäft al­so er­neut ein Um­satz­brin­ger sein: Rund 14,3 Mil­li­ar­den Eu­ro dürf­te das Fest nach GfK- Be­rech­nun­gen in die Kas­sen spü­len. Das wä­ren al­ler­dings knapp fünf Pro­zent we­ni­ger als ein Jahr zu­vor.

Ei­ne wich­ti­ge Sa­che für vie­le Händ­ler sind die ver­kaufs­of­fe­nen Ad­vents­sonn­ta­ge. Doch wäh­rend der Han­dels­ver­band kri­ti­siert, dass die ge­setz­li­che Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung für Shop­ping-Sonn­ta­ge von den Kom­mu­nen nicht voll aus­ge­nutzt wer­de, wür­de Um­welt­öko­nom Niko Pa­ech von der Uni Ol­den­burg die­se am liebs­ten ganz ab­schaf­fen. „Wir sind so reiz­über­flu­tet, wir lei­den un­ter Kon­sum­ver­stop­fung und Kon­sum-Burn-out“sagt er. La­den­öff­nungs­zei­ten zu ver­rin­gern be­deu­te ja nicht die Ab­schaf­fung des Kon­sums. „Man fängt so­gar an, den Kon­sum wie­der zu ge­nie­ßen“, meint Pa­ech.

Gre­en­peace sieht so­gar schon klei­ne Er­fol­ge. „Kon­sum­ver­zicht löst in­zwi­schen kein Ent­set­zen mehr aus“, sagt Gre­en­peace-Ak­ti­vis­tin Kirs­ten Brod­de. Ge­braucht statt neu, Qua­li­tät statt Quan­ti­tät, lei­hen, tau­schen, sel­ber ma­chen – das al­les sei­en mo­der­ne Mot­tos, die auch ih­re Un­ter­stüt­zer fän­den. Doch ist solch ein mi­ni­ma­lis­ti­scher, kon­sumar­mer Le­bens­stil mit Blick auf die Wirt­schaft auch mas­sen­taug­lich? Kri­ti­ker sa­gen: Wenn al­le Men­schen nur das kauf­ten, was sie zum Über­le­ben brau­chen, wür­de das eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­sys­tem nicht mehr funk­tio­nie­ren. Pa­ech meint da­ge­gen: „Un­ser Wirt­schafts­sys­tem bricht zu­sam­men, wenn wir wei­ter so kon­su­mie­ren wie jetzt.“Zu vie­le öko­lo­gi­sche Pro­ble­me sei­en un­ge­löst. „Al­le Res­sour­cen auf der Welt sind end­lich, und im Mo­ment ver­braucht die Wachs­tumsge­sell­schaft mehr, als da ist.“Beim Weih­nachts-Shop­ping rät er des­halb da­zu, nur das zu kau­fen, was man auch selbst re­pa­rie­ren kön­ne. Und am bes­ten: „Et­was schen­ken, was man selbst pro­du­ziert hat.“

Foto: Ralf Hirschberger, dpa

So klein wer­den die Päck­chen nicht aus­fal­len, glaubt man den Um­fra­gen der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung: Sie hat her­aus­ge­fun­den, dass die Ver­brau­cher rund 274 Eu­ro im Schnitt für Ge­schen­ke aus­ge­ben wol­len.

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