Ge­stat­ten: „Herr Deh­ner“

Por­trät Al­bert We­bers Fa­mi­lie hat aus ei­ner Sä­me­rei­en-Hand­lung Eu­ro­pas größ­ten Gar­ten­cen­ter-Kon­zern mit ei­nem Jah­res­um­satz von über 660 Mil­lio­nen Eu­ro auf­ge­baut. Nun soll ex­pan­diert wer­den – nicht nur in Deutsch­land

Schwabmuenchner Allgemeine - - Wirtschaft - VON NI­CO­LE PRESTLE

Rain Der Fir­men­pa­tri­arch hält we­nig von Chef-Ges­ten: Vor sei­nem Bü­ro­schreib­tisch ste­hen drei Stüh­le. Wenn Gäs­te kom­men, nimmt er lie­ber mit ih­nen dort Platz, als auf sei­nem ei­ge­nen Ses­sel zu blei­ben. Ge­sprä­che auf Au­gen­hö­he, oh­ne die Dis­tanz ei­ner Tisch­plat­te, das ist Al­bert We­bers Cre­do – wenn er denn re­det. Denn zu­min­dest In­ter­views gibt der Se­ni­or­chef der Deh­ner Gm­bH & Co. KG so gut wie nie.

Das liegt we­ni­ger dar­an, dass er nicht stolz wä­re auf die Leis­tung sei­ner Fa­mi­lie, die aus ei­ner klei­nen Sa­men­hand­lung Eu­ro­pas größ­ten Gar­ten­cen­ter-Kon­zern auf­ge­baut hat. Es hat eher da­mit zu tun, dass We­ber nichts Be­son­de­res dar­an fin­det, wenn har­te Ar­beit auch Er­folg bringt. Und er­folg­reich kann er sein Un­ter­neh­men oh­ne Zwei­fel nen­nen: Die 112 Gar­ten­cen­ter in Deutsch­land und Ös­ter­reich wer­den am En­de des Jah­res rund 660 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz ge­macht ha­ben.

Das ope­ra­ti­ve Ge­schäft hat Al­bert We­ber längst an sei­nen Sohn über­ge­ben: Seit 2009 steht Ge­org We­ber an der Spit­ze des Un­ter­neh­mens, das am 1. Au­gust 1947 in Rain am Lech ge­grün­det wur­de. „Vier Wo­chen spä­ter kam ich zur Welt“, sagt Al­bert We­ber, als woll­te er da­mit un­ter­strei­chen, dass ihm das Un­ter­neh­mer­tum von Kind­heit an ver­traut war. Schon früh, sagt er, sei er ein „Freund der Wert­schöp­fung“ge­we­sen. Über­haupt ist dies ein Wort, das oft fällt im Ge­spräch. Un­ter an­de­rem, wenn We­ber er­zählt, wie er als Bur­sche Hühn­chen züch­te­te und sie vor dem Ver­kauf kas­trier­te, weil sie als so­ge­nann­te Ka­pau­ne mehr Geld ein­brach­ten.

We­ber stammt aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen: „Mei­ne Groß­el­tern leb­ten im Augs­bur­ger Het­ten­bach, es war das ab­so­lu­te Ar­men­vier­tel.“Ihr ein­zi­ger Sohn, We­bers Va­ter, ist ehr­gei­zig, ar­bei­tet sich zum Pro­ku­ris­ten ei­ner Ei­sen­hand­lung hoch. Als er sei­ne Che­fin ei­nes Ta­ges nach Rain am Lech fah­ren muss, lernt er dort sei­ne spä­te­re Frau Al­ber­ti­ne Deh­ner ken­nen. Mit ihr wird er sich in Rain am Lech nie­der­las­sen und die „Deh­ner & Co. Sa­men­zucht – Sa­men­groß­hand­lung“grün­den.

„Erst ver­kauf­ten sie ih­re Wa­re an Gärt­ne­rei­en, bis sie er­kann­ten, dass man sich an den End­ver­brau­cher wen­den muss“, er­zählt We­ber. Die ers­te Deh­ner-Fi­lia­le in der Augs­bur­ger An­na­stra­ße ent­stand. „Es war ein klei­nes Ge­schäft oh­ne Auf­zug. In den Fe­ri­en ha­be ich dort Wa­ren ge­schleppt.“Für Händ­ler war es ei­ne gu­te Zeit, die Nach­fra­ge in den Nach­kriegs­jah­ren war groß: „Je­der konn­te al­les brau­chen.“

Heu­te sieht das an­ders aus. „Wir sind ein Dis­count­volk ge­wor­den“, klagt We­ber über die Kon­kur­renz von Bil­lig­an­bie­tern und On­li­neVer­mark­tern, die das glei­che Sor­ti­ment wie Deh­ner an­bie­ten. Um be­ste­hen zu kön­nen, ging das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men vor zwei Jah­ren selbst online: „Wir ver­schi­cken zwar kei­ne Pflan­zen, aber man kann sich im In­ter­net al­les aus­su­chen und es am Tag dar­auf in der Deh­ner-Fi­lia­le ab­ho­len.“An­ders, sagt We­ber, gin­ge es nicht. „Wer als Händ­ler sagt, er nimmt am In­ter­net nicht teil, wird Markt­an­tei­le ver­lie­ren.“

So hat sich die Stra­te­gie des Un-

All­ge­mein Die Deh­ner Gm­bH & Co. KG hat ih­ren Sitz in Rain am Lech (Kreis Do­nau-Ries). Das Un­ter­neh­men wur­de 1947 von Ge­org und Al­ber­ti­ne We­ber ge­grün­det. Ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter ist seit 2009 Ge­org We­ber, wei­te­re Ge­schäfts­füh­rer sind Bern­hard Hö­nig und Dr. Hans­jörg Flas­sak. Deh­ner ist eu­ro­pa­weit Bran­chen­füh­rer bei den Gar­ten­cen­tern.

Zah­len Der Um­satz lag 2014 bei über 652 Mil­lio­nen Eu­ro, die­ses Jahr sind über 660 Mil­lio­nen an­ge­peilt. Er­wirt­schaf­tet wird er in 112 Gar­ten­cen­tern in ganz Deutsch­land und Ös­ter­reich. In Sin­del­fin­gen gibt es zu­dem ei­nen ei­gen­stän­di­gen Deh­ner-Zoo­Fach­markt. mit den Jah­ren im­mer wie­der ver­än­dert. Zu­nächst gab es nur Ge­schäf­te in In­nen­stadt­la­ge – bis We­bers El­tern in den 1960ern das ers­te Gar­ten­cen­ter in München er­öff­ne­ten. „Da hat man erst ge­se­hen, wer Geld hat.“Nach die­ser Er­fah­rung be­schlos­sen die Fir­men­grün­der, die Zen­tren zu ver­las­sen und auf der grü­nen Wie­se zu bau­en. Der Gar­ten­markt an der Augs­bur­ger Acker­mann­stra­ße ist der ers­te Deh­ner-Fach­markt, der so ent­steht. In­zwi­schen ist der Bau in die Jah­re ge­kom­men, er soll ab­ge­ris­sen und

Sor­ti­ment Es um­fasst rund 50 000 Ar­ti­kel in den Be­rei­chen Gar­ten, Zoo, Wohn- und Frei­zeit­ge­stal­tung.

Ent­wick­lung In Wi­en soll nächs­tes Jahr er­wei­tert wer­den, in Klagenfurt wird ein neu­es Gar­ten­cen­ter ent­ste­hen. Ins­ge­samt will Deh­ner sein An­ge­bot in Ös­ter­reich von zehn auf 25 Cen­ter er­wei­tern. In Deutsch­land ent­ste­hen eben­falls neue Cen­ter, ei­ni­ge wer­den sa­niert. Je­des Gar­ten­cen­ter hat laut Fir­men­an­ga­be min­des­tens 5000 Qua­drat­me­ter Flä­che. In der Schweiz ist Deh­ner ei­ne Han­dels­ko­ope­ra­ti­on mit Co­op ein­ge­gan­gen. Ei­ge­ne Deh­nerMärk­te gibt es dort bis­lang nicht.

Mit­ar­bei­ter Deh­ner hat knapp 5150 Mit­ar­bei­ter. Das Un­ter­neh­men bil­det neu ge­baut wer­den. Ge­plant ist ein mo­der­nes Gar­ten­cen­ter, des­sen Grün­flä­chen in die Grün­an­la­gen der be­nach­bar­ten Wohn­häu­ser über­ge­hen. Auch die Wohn­be­bau­ung wird Deh­ner fi­nan­zie­ren, bis zu 15 Pro­zent So­zi­al­woh­nun­gen sind ge­plant. „Der Deh­ner­park wird ein Wohn­ge­biet sein, in dem nicht nur Leu­te le­ben, die Koh­le ha­ben.“

We­ber ist trotz sei­ner 68 Jah­re täg­lich im Bü­ro. Einst war der tur­m­ähn­li­che Bau ein Koh­len­la­ger, „als Kind ha­be ich hier mor­gens vor der Schu­le ein­ge­heizt“. Nun fällt We­ter­neh­mens je­des Jahr über 230 Män­ner und Frau­en in 15 Be­ru­fen aus.

Gärt­ner­sied­lung In Rain am Lech be­treibt Deh­ner ei­ne Gärt­ner­sied­lung, ei­nen Zu­sam­men­schluss von sie­ben Pflan­zen­pro­du­zen­ten aus ganz Bay­ern, die an Deh­ner lie­fern. Auf 400 000 Qua­drat­me­tern wer­den dort Topf­pflan­zen ge­züch­tet.

Stamm­sitz Der Blu­men­park in Rain am Lech ist ein An­zie­hungs­punkt für jähr­lich bis zu zwei Mil­lio­nen Be­su­cher. Mit­ten im Gar­ten steht ein Mar­terl für Fir­men­grün­der Ge­org We­ber, das des­sen Sohn Al­bert ge­baut hat, auch ei­nen Na­tur­lehr­gar­ten gibt es. Ein VierS­ter­ne-Ho­tel ge­hört eben­falls zum An­ge­bot. (nip) bers Blick durchs Fens­ter auf den Park­platz des Rai­ner Stamm­sit­zes, den jähr­lich rund zwei Mil­lio­nen Men­schen be­su­chen.

Deh­ner ist in der Kom­mu­ne nicht ir­gend­ein Gar­ten­markt, Deh­ner ist ei­ne Se­hens­wür­dig­keit. Streift der Se­ni­or­chef durch den 30000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Schau­gar­ten, trifft er übe­r­all Men­schen, die ihn grü­ßen und mit ihm plau­dern wol­len. Das Ver­hält­nis zu den Mit­ar­bei­tern, sagt We­ber, sei gut – ob­wohl Deh­ner aus dem Ta­rif­ver­trag aus­ge­stie­gen ist. „Wir zah­len trotz­dem über­durch­schnitt­lich, die Fluk­tua­ti­on ist ge­ring. Vie­le Mit­ar­bei­ter sind 30 oder 40 Jah­re hier.“

Ei­ni­ge wer­den in den nächs­ten Jah­ren da­zu­kom­men: Deh­ner will ex­pan­die­ren, vor al­lem in Ös­ter­reich. „Dort ist der Wettbewerb durch Dis­coun­ter noch nicht so groß wie bei uns“, sagt We­ber. Angst vor der Ent­wick­lung hat er nicht. „Ich bin im­mer vol­les Ri­si­ko ge­gan­gen.“Und er hat ge­lernt, los­zu­las­sen. „Heu­te bin ich bei Deh­ner der durch­lau­fen­de Pos­ten“, sagt er la­chend und blickt dann doch noch auf die Sei­te des Schreib­ti­sches, an der er nor­ma­ler­wei­se sitzt. Dort ste­hen die Fa­mi­li­en­por­träts. We­ber hat mit sei­ner Frau zwei Töch­ter, ei­nen Sohn und vier En­kel, der fünf­te kommt im Fe­bru­ar. „Die Kin­der“, sagt Al­bert We­ber, „sind mein größ­tes Glück.“

Wis­sens­wer­tes über die Deh­ner-Gar­ten­cen­ter

Foto: Hel­ge Hei­ne­mann

Al­bert We­ber ist Se­ni­or­chef der Deh­ner Gm­bH & Co. KG mit 112 Gar­ten­cen­tern in Deutsch­land und Ös­ter­reich. In den kom­men­den Jah­ren wird das Un­ter­neh­men ex­pan­die­ren, vor al­lem in Ös­ter­reich. Dort ist die Kon­kur­renz ge­rin­ger.

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