Über die sta­de Zeit

Schwabmuenchner Allgemeine - - Bayern - Zu den Weih­nachts­wo­chen jok@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Frü­her, in der Zeit, in der nach An­ga­ben der Groß­el­tern fast al­les bes­ser war, gal­ten die Wo­chen vor Weih­nach­ten als ei­ne be­schau­li­che An­ge­le­gen­heit. Drau­ßen lag me­ter­hoch der Schnee, drin­nen saß die Sip­pe samt Ges­in­de um den Wär­me spen­den­den Ka­chel­ofen und er­zähl­te sich schö­ne Ge­schich­ten. Und weil das Weiß au­ßer dem hei­se­ren Kräch­zen der in der Eis­land­schaft ver­lo­ren wir­ken­den Saat­krä­hen al­le Ge­räu­sche schluck­te, nann­te man sie im schö­nen Bay­ern­land: die sta­de Zeit. Zwar gab es sie nur in volks­tüm­li­chen Lie­dern, aber im­mer­hin!

Und heu­te? Aus be­sinn­li­chen Ta­gen sind sinn­freie Trink­ge­la­ge auf Win­ter­wen­de­par­tys ge­wor­den, wie man Weih­nachts­fei­ern oh­ne re­li­giö­se Ten­den­zen in­zwi­schen nennt. In all dem Tru­bel und Ter­ror fragt man ge­ra­de sich schon we­nig weh­mü­tig: Wo ist denn die gan­ze Ru­he hin? Ist sie viel­leicht zum Nord­pol ge­flo­hen oder gar heim­lich in ent­leer­te Län­der ge­schli­chen, aus de­nen all die Flücht­lin­ge kom­men?

Nix ist mehr wie frü­her. Weih­nach­ten wird ein Win­ter­fest wer­den und Flo­ri­an Sil­be­rei­sen der Ze­re­mo­ni­en­meis­ter. Und um Ve­ga­ner so­wie Tier­schüt­zer nicht zu ver­stim­men, müs­sen Ochs und Esel aus der Krip­pe wei­chen. Zum Schluss ver­su­chen wir, nach dem ach­ten Punsch am 24. bis zum Herz­in­farkt all die elek­tri­schen Lich­ter­ket­ten aus­zu­bla­sen. Tja, man lebt ge­fähr­lich. Fro­he Zeit!

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