Das Ge­schäft mit Er­do­gan

Schwabmuenchner Allgemeine - - Erste Seite - VON DETLEF DRE­WES dr@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Sie sind kei­ne di­cken Freun­de. Aber sie brau­chen sich: Eu­ro­pa und die Tür­kei ha­ben ih­rer ab­ge­kühl­ten Be­zie­hung not­ge­drun­gen neue Lei­den­schaft ge­ge­ben. Auch wenn der Schlüs­sel zur Lö­sung des Flücht­lings­pro­blems nicht al­lein in An­ka­ra liegt, so kann die Tür­kei doch viel da­zu bei­tra­gen, dass der Druck auf Eu­ro­pa nach­lässt.

Aber an­ders als noch vor we­ni­gen Wo­chen ist Prä­si­dent Er­do­gan das Er­pres­sungs­po­ten­zi­al ab­han­den­ge­kom­men. Seit dem Zer­würf­nis mit Russ­land we­gen des ab­ge­schos­se­nen Bom­bers muss das Land am Bo­spo­rus nicht nur mit den Fol­gen ei­nes ful­mi­nan­ten po­li­ti­schen Feh­lers kämp­fen, son­dern auch mit den Fol­gen der ab­seh­ba­ren wirt­schaft­li­chen Sank­tio­nen Mos­kaus.

Das macht die EU wie­der wich­ti­ger, weil die Tür­kei nicht mehr län­ger durch Ge­schäf­te mit Russ­land das aus­glei­chen kann, was ihr Eu­ro­pa ver­wei­gert. So kommt den An­ge­bo­ten aus Brüssel, die als Kom­pen­sa­ti­on für mehr Hil­fe ge­gen den Flücht­lings­strom ge­dacht sind, ei­ne gro­ße Be­deu­tung zu. Zwar bleibt An­ka­ra auch wei­ter auf meh­re­ren Mil­lio­nen Kriegs­op­fern sit­zen, muss die Las­ten aber nicht län­ger al­lei­ne tra­gen. Und die Tür­kei be­kommt ei­ne neue eu­ro­päi­sche Per­spek­ti­ve.

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