Der Groß­va­ter, der die Welt ret­ten will

Ban Ki Moon ist ein Di­plo­mat durch und durch. Doch wenn es um den Kli­ma­schutz geht, gibt der UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär sei­ne Zu­rück­hal­tung auf

Schwabmuenchner Allgemeine - - Meinung & Dialog -

Als Süd­ko­rea­ner kann Ban Ki Moon ziem­lich ge­nau ein­schät­zen, was der Kli­ma­wan­del und der stei­gen­de Mee­res­spie­gel für Mil­lio­nen von Men­schen schlimms­ten­falls be­deu­ten kön­nen: das Ver­sin­ken ih­rer Wohn- und Ar­beits­räu­me im Meer. Ein Er­folg des heu­te be­gin­nen­den Kli­ma­gip­fels ist für den Ge­ne­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Na­tio­nen al­lein schon des­halb al­ter­na­tiv­los: „Es gibt kei­nen Plan B, denn wir ha­ben auch kei­nen Pla­ne­ten B“, sagt er in ei­nem UN-Vi­deo. In Vor­be­rei­tung der Kon­fe­renz in Pa­ris reis­te er nicht nur in die Ark­tis, son­dern auch in In­sel­staa­ten wie Va­nua­tu, Ton­ga oder die Ma­le­di­ven, de­nen bei stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes der Un­ter­gang droht.

Sei­ne Mo­ti­va­ti­on er­läu­tert der drei­fa­che Va­ter und vier­fa­che Groß­va­ter Ban Ki Moon in ei­nem Gastbeitrag für Spie­gel Online: „Ich will, wie je­der Groß­va­ter, dass mei­ne En­kel die Schön­heit und Groß­ar­tig­keit ei­nes in­tak­ten Pla­ne­ten er­le­ben kön­nen. Und wie je­den Men­schen be­stürzt es mich, dass Flu­ten, Dür­ren und Brän­de im­mer schlim­mer wü­ten, dass In­sel­staa­ten ver­schwin­den und zahl­lo­se Tier­ar­ten aus­ge­rot­tet wer­den.“

Ban Ki Moon ist nicht frei von Ei­tel­kei­ten. So ließ er schon kurz nach der Amts­ein­füh­rung die vie­len Fotos sei­nes Vor­gän­gers Ko­fi Ann­an ab­hän­gen und durch Fotos von sich selbst mit den Gro­ßen die­ser Welt er­set­zen. Aus sei­nem Fens­ter im 38. Stock des re­no­vier­ten UNGe­bäu­des hat er ei­nen tol­len Aus­blick auf den East Ri­ver in New York. Die La­ge am Fluss­ufer ließ die Zen­tra­le der Ver­ein­ten Na­tio­nen den Kli­ma­wan­del schon dras­tisch spü­ren. Als Hur­ri­kan San­dy im Ok­to­ber 2012 wü­te­te, über­schwemm­te das fol­gen­de Hoch­was­ser ei­ne ge­ra­de frisch ein­ge­rich­te­te Dru­cke­rei in den Un­ter­ge­schos­sen.

Ban Ki Moon ist ge­prägt vom Ko­rea-Krieg der 50er Jah­re und der dar­aus re­sul­tie­ren­den Tei­lung sei­nes Hei­mat­lan­des. Auch des­halb strebt er jetzt ei­nen Be­such in Nord­ko­rea an. Der 71-jäh­ri­ge Di­plo­mat war süd­ko­rea­ni­scher Au­ßen­mi­nis­ter, bis er 2006 in das Amt des Ge­ne­ral­se­kre­tärs ge­wählt wur­de. Sein Stil ist von Höf­lich­keit, Di­plo­ma­tie und Vor­sicht ge­prägt.

Den fünf Stän­di­gen Mit­glie­dern des UN-Si­cher­heits­ra­tes war ein zu­rück­hal­ten­der Ge­ne­ral­se­kre­tär ganz an­ge­nehm, muss­ten sie doch nicht mit pro­vo­zie­ren­den Äu­ße­run­gen rech­nen, wie Ko­fi Ann­an sie häu­fi­ger vor­ge­bracht hat­te. Ban Ki Moon hat sie bis­her kaum ent­täuscht. Aber im Kli­ma­schutz sieht er ei­ne Mis­si­on, die nicht al­lein mit di­plo­ma­ti­schen Mit­teln zu be­wäl­ti­gen ist. Vor al­lem, wenn man dar­an denkt, dass vie­le Po­li­ti­ker nach wie vor die mensch­li­chen Ur­sa­chen des Kli­ma­wan­dels be­strei­ten, egal ob es sich um re­pu­bli­ka­ni­sche Spit­zen­kan­di­da­ten für die Prä­si­dent­schafts­wah­len in den USA han­delt, wie Do­nald Trump, oder um Po­li­ti­ker in Eu­ro­pa oder Asi­en, wie den frü­he­ren Staats­prä­si­den­ten Va­clav Klaus aus Tsche­chi­en. In Pa­ris muss Ban Ki Moon viel Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten. Ma­rie­le Schul­ze Berndt

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