Dem Tod auf der Spur

Welt-Aids-Tag Die B 8 ist ei­ne der wich­tigs­ten Fern­stra­ßen Na­mi­bi­as. Tru­cker brin­gen auf ihr nicht nur Wa­ren aus den afri­ka­ni­schen Bin­nen­län­dern zum Tief­see­ha­fen nach Wal­vis Bay. Sie ver­brei­ten HIV ent­lang der Stre­cke. Was Deutsch­land da­ge­gen tut

Schwabmuenchner Allgemeine - - Die Dritte Seite - VON LEA THIES

Run­du Der Tod ver­steckt sich hier an vie­len Or­ten. In den klei­nen Dör­fern et­wa, in de­nen übe­r­all Kin­der vor den stroh­ge­deck­ten Lehm­hüt­ten spie­len und kaum Er­wach­se­ne zu se­hen sind. In den Schu­len und an den Tank­stel­len. Auch an den aus Baum­stäm­men und schwar­zen Plas­tik­pla­nen zu­sam­men­ge­zim­mer­ten Sou­ve­nir­stän­den, an de­nen Frau­en ge­schnitz­te Holz­fi­gu­ren an­bie­ten. Höchst­wahr­schein­lich auch in ei­nem der Last­wa­gen, die ge­ra­de auf der As­phalt­spur der B8 durch die ro­te Land­schaft in Rich­tung Bots­wa­na fah­ren, vor­bei an ei­nem der Auf­klä­rungs­schil­der: „HIV/Aids has no bor­ders.“

Aids kennt kei­ne Gren­zen, we­der geo­gra­fi­sche noch so­zia­le – das be­kommt der Ca­pri­vi-Strei­fen im Nor­den Na­mi­bi­as zu spü­ren. In dem Land­zip­fel zwi­schen An­go­la, Bots­wa­na und Sam­bia gibt es ei­ne der höchs­ten HIV-Quo­ten der Welt. Über 40 Pro­zent der Be­völ­ke­rung ist hier mit dem tod­brin­gen­den Vi­rus in­fi­ziert – dop­pelt so vie­le wie im Rest des Lan­des. Die Dun­kel­zif­fer ist noch hö­her, weil sich vie­le nicht tes­ten las­sen. Be­son­ders groß ist die Neu­an­ste­ckungs­ra­te bei jun­gen Men­schen zwi­schen 15 und 25 Jah­ren, da­von sind über 60 Pro­zent Frau­en. Da­bei spielt die au­to­bahn­ähn­li­che B 8 ei­ne ent­schei­den­de Rol­le, mei­nen Aids­for­scher. Über die­sen Trans-Ca­pri­vi-High­way trans­por­tie­ren Fern­fah­rer Wa­ren vom na­mi­bi­schen Tief­see­ha­fen in Wal­vis Bay in die Bin­nen­län­der wie Sam­bia, Bots­wa­na, Sim­bab­we – und wie­der zu­rück. Ent­lang der Stre­cke ver­brei­ten sie auch HIV. Denn vie­le von ih­nen sind in­fi­ziert, heißt es. Da­mit die­ses Pro­blem ge­löst wird, wer­den auch deut­sche Steu­er­gel­der ein­ge­setzt.

Rei­se­lei­te­rin Ma­ri­on Sch­ne­gels­ber­ger fährt mit ih­rem Bus ge­ra­de über die B 8. Sie ist öf­ter im Ca­pri­vi­Zip­fel un­ter­wegs, trans­por­tiert Sa­fa­ri-Tou­ris­ten nach Bots­wa­na oder zu den Vic­to­ria­fäl­len. Hier ist das Afri­ka, wie es sich die meis­ten Frem­den vor­stel­len: tro­cke­ner, ro­ter Bo­den, Dör­fer aus Lehm­hüt­ten und wil­de Tie­re, die ge­müt­lich über die Stra­ße trot­ten. Foto! Ma­ri­on Sch­ne­gels­ber­ger kennt je­doch auch die Ge­schich­ten, die die meis­ten Tou­ris­ten­fo­tos nicht fest­hal­ten. Sie weiß um die Pro­ble­me und die Dra­men, die die meis­ten Frem­den nicht ah­nen. „Tru­cker su­chen hier abends ein Schä­fer­stünd­chen in den Dör­fern und lo­cken mit Geld. Die Leu­te sind arm, sie ha­ben nichts. Al­so las­sen sich Mäd­chen und jun­ge Frau­en dar­auf ein“, sagt die Frem­den­füh­re­rin und zeigt auf ei­nes der un­zäh­li­gen Dör­fer an der B 8.

Sie weiß auch, wie es dann häu­fig wei­ter­geht: Ist ei­ne Frau in­fi­ziert, steckt sie mög­li­cher­wei­se ih­ren Part­ner an. Da es tra­di­tio­nell üb­lich ist, dass ein Mann se­xu­el­le Be­zie­hun­gen zu meh­re­ren Frau­en hat und auch Frau­en meh­re­re Sex­part­ner gleich­zei­tig, ver­brei­tet sich das Vi­rus schnell wei­ter. Be­son­ders in die­ser be­völ­ke­rungs­rei­chen Ge­gend. Da sich vie­le Dorf­be­woh­ner ei­ne Fahrt zum nächs­ten Kran­ken­haus nicht leis­ten kön­nen, kom­men sie auch nicht an die kos­ten­lo­sen An­ti­re­tro­vi­ral-Me­di­ka­men­te her­an, die dort von der Re­gie­rung an In­fi­zier­te aus­ge­ge­ben wer­den. Bricht die Krank­heit aus, ster­ben die In­fi­zier­ten. HIV ist ei­ne der Haupt­to­des­ur­sa­chen in Na­mi­bia. Je­der kennt je­man­den, der in­fi­ziert oder so­gar dar­an ge­stor­ben ist.

Mit den Fol­gen hat auch Pe­ter Vai­no zu kämp­fen. Er ist Rek­tor an der Uv­hun­gu-Vhun­gu-Schu­le in Run­du, ei­ner 60 000-Ein­woh­ner­Stadt an der B 8. Der Groß­teil sei­ner knapp 400 Schü­ler sind Wai­sen, vie­le von ih­nen we­gen Aids. Ge­nau weiß es Vai­no nicht, weil die Kin­der und An­ge­hö­ri­gen nicht dar­über re­den und es kei­ne Do­ku­men­te da­zu gibt. Er weiß auch nicht, wie vie­le sei­ner Schü­ler in­fi­ziert sind.

Vai­no sieht aber täg­lich in der klei­nen, grün ge­stri­che­nen Schu­le die so­zia­len Fol­gen der HIV-Epi­de­mie: Sind die El­tern tot, klafft ein emp­find­li­ches Loch in den Fa­mi­li­en­struk­tu­ren. Groß­el­tern, Ver­wand­te oder gar min­der­jäh­ri­ge Ge­schwis­ter müs­sen ver­su­chen, die Kin­der zu er­näh­ren. Man­che Wai­sen sind auch ganz auf sich al­lein ge­stellt. „Kin­der kom­men mor­gens zu

Na­mi­bia Das Land ge­hört zu den Län­dern mit der höchs­ten HIV-Ra­te welt­weit. Rund 18 Pro­zent der Be­völ­ke­rung sind be­trof­fen. 53 000 Aid­sWai­sen gibt es in dem Land.

Afri­ka Fast 70 Pro­zent al­ler HIVNeu­in­fek­tio­nen welt­weit kom­men in Afri­ka süd­lich der Sa­ha­ra vor. Laut der UN-Or­ga­ni­sa­ti­on Unaids er­hal­ten 87 Pro­zent der Men­schen aus die­ser Re­gi­on, die ih­ren HIV-po­si­ti­ven Sta­tus ken­nen, Me­di­ka­men­te für ei­ne An­ti­re­tro­vi­ral-The­ra­pie, die den Aus­bruch von Aids ver­hin­dern soll. Die Im­mun­schwä­che­krank­heit ist bei Te­enagern Rek­tor, wir ha­ben Hun­ger. Sie wei­nen. Man­che kön­nen des­halb nicht schla­fen“, sagt Vai­no.

Nor­ma­ler­wei­se ge­be es Schul­spei­sun­gen, aber ge­ra­de ha­be die Schu­le vom Staat noch kein Mais­mehl er­hal­ten. „Das geht seit Jah­ren so. Wir kön­nen nichts ma­chen mit den Kin­dern, das ist au­ßer­halb un­se­rer Kon­trol­le“, sagt der Rek­tor und spricht ein wei­te­res Pro­blem sei­ner Schu­le an: „Vie­le Mäd­chen wer­den schwan­ger. Man­che von ih­nen ha­ben Geld für den Sex be­kom­men.“Ein paar Me­ter wei­ter, in den Klas­sen­zim­mern der äl­te­ren Schü­ler, hän­gen Auf­klä­rungs­pla­ka­te an der Wand: gif­ti­ge Tie­re, Be­völ­ke­rungs­ex­plo­si­on, Land­flucht. Ein HIV-Pla­kat hängt da nicht.

Es geht wei­ter auf der B8. Die Rei­se­lei­te­rin hält den Bus kurz an und ver­teilt die beim Pick­nick üb­rig ge­blie­be­nen Le­bens­mit­tel an Kin­der. Aus al­len Ecken des Dor­fes tau­chen sie auf, ver­su­chen ei­nen Ap­fel oder ei­ne Oran­ge zu er­gat­tern und rei­ßen sich um je­des Brot – egal ob an­ge­bis­sen oder nicht. Kei­ne Er­wach­se­nen weit und breit. „Man sagt: Das HIV-Pro­blem lässt sich nur über die Frau­en lö­sen“, sagt Ma­ri­on Sch­ne­gels­ber­ger. Es ge­be Afri­ka die häu­figs­te To­des­ur­sa­che. Vie­le wur­den als Ba­bys in­fi­ziert.

Eu­ro­pa Die Zahl der neu­en HIV-Dia­gno­sen hat 2014 in Eu­ro­pa ein Re­kord­hoch er­reicht. Im ver­gan­ge­nen Jahr sind 142 000 neue An­ste­ckun­gen re­gis­triert wor­den, be­rich­te­ten das zu­stän­di­ge Re­gio­nal­bü­ro der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) und das Eu­ro­päi­sche Zen­trum für die Prä­ven­ti­on und die Kon­trol­le von Krank­hei­ten. 2013 wa­ren es 136 000 Erst­dia­gno­sen. Be­son­ders hoch ist die In­fek­ti­ons­ra­te in Russ­land, wo al­lein 60 Pro­zent der Neu­in­fek­tio­nen re­gis­triert wur­den. schon Müt­ter, die auf ei­nen Mann ver­zich­ten, da­mit sie ge­sund blei­ben und für ih­re Kin­der da sein kön­nen.

Kurz vor der Grenz­stadt Ka­ti­ma Mu­li­lo häu­fen sich die Auf­klä­rungs­schil­der: „Kei­ne Kon­do­me, kein Sex“, „Es ist dein Le­ben, dei­ne Ent­schei­dung, aber wir sor­gen uns um dich. Be­nut­ze im­mer Kon­do­me, wenn du Sex hast“. Ein­fa­che Bot­schaf­ten, schwer zu ver­mit­teln.

Bei Äm­tern und in Kran­ken­häu­sern lie­gen kos­ten­lo­se Kon­do­me aus, den­noch wei­gern sich noch im­mer Män­ner und Frau­en, die­se beim Sex zu ver­wen­den. Man­che auch aus fa­ta­lem Irr­glau­ben: Kon­do­me ma­chen im­po­tent; HIV ist ei­ne Er­fin­dung der Ame­ri­ka­ner, da­mit sich die Afri­ka­ner nicht mehr fort­pflan­zen; un­ge­schütz­ter Ge­schlechts­ver­kehr mit ei­ner Jung­frau be­freit vor HIV; Kon­do­me sind nur et­was für Pro­sti­tu­ier­te, die Sex zum Ver­gnü­gen an­bie­ten.

„Und dann hat der süd­afri­ka­ni­sche Prä­si­dent Ja­cob Zu­ma noch ge­sagt, er ha­be nach dem Sex mit ei­ner HIV-po­si­ti­ven Frau ein­fach ge­duscht. Das hat die Auf­klä­rung um zehn Jah­re zu­rück­ge­wor­fen. Es ist schlimm, wenn Vor­bil­der sol­che Aus­sa­gen ma­chen“, schimpft Ma­r­i­mir:

Welt­weit Nach Schät­zun­gen der WHO sind welt­weit mehr als 35 Mil­lio­nen Men­schen mit dem HI-Vi­rus in­fi­ziert, das oh­ne Be­hand­lung zu ei­ner Aids-Er­kran­kung führt. 19 Mil­lio­nen Men­schen wis­sen nicht, dass sie das Vi­rus in sich tra­gen. Seit An­fang der 1980er Jah­re bis 2013 sind 39 Mil­lio­nen Men­schen an den Fol­gen der Krank­heit ge­stor­ben. Pro Jahr kommt es zu un­ge­fähr 2,1 Mil­lio­nen Neu­in­fek­tio­nen, da­von et­wa 240 000 bei Kin­dern. 16 Mil­lio­nen Men­schen wer­den laut WHO mit re­tro­vi­ra­len Me­di­ka­men­ten the­ra­piert. Die Ver­ein­ten Na­tio­in on Sch­ne­gels­ber­ger. Dass Kon­do­me ein schwie­ri­ges The­ma in Na­mi­bia sind, hat auch Car­men Pe­rez Sa­ma­nie­go fest­ge­stellt. „Sie schüt­zen nicht nur vor HIV, sie ver­hin­dern auch ei­ne Schwan­ger­schaft. Sex oh­ne die Mög­lich­keit, Kin­der zu krie­gen, kommt für vie­le Frau­en und Män­ner aber nicht in­fra­ge“, sagt die Lei­te­rin des HIV-Teams der Ge­sell­schaft für in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit (GIZ).

Im Auf­trag des deut­schen Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­te­ri­ums ist die Ärz­tin seit 2010 in Na­mi­bia und un­ter­stützt die na­tio­na­len Be­hör­den und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen da­bei, dass die HIV-Prä­ven­ti­on at­trak­ti­ver wird und mehr Men­schen er­reicht – vor al­lem jun­ge Leu­te und Män­ner. 8,5 Mil­lio­nen Eu­ro hat die Bun­des­re­gie­rung für die­ses Pro­jekt zur Ver­fü­gung ge­stellt, das 2016 aus­lau­fen wird.

„Die Be­völ­ke­rung weiß schon ziem­lich viel über die Epi­de­mie, die jün­ge­ren et­was we­ni­ger als der Rest. Aber das The­ma Auf­klä­rung bleibt wich­tig“, sagt Car­men Pe­rez Sa­ma­nie­go. Ziel sei, dass sich kei­ne Men­schen mehr mit HIV in­fi­zie­ren. Ei­ni­ge Er­fol­ge durch in­no­va­ti­ve An­sät­ze ge­be es be­reits. Zum Bei­spiel nen ha­ben sich das Ziel ge­setzt, bis 2030 die Aids-Epi­de­mie zu be­en­den. Welt­weit sind laut WHO die Neu­in­fek­tio­nen seit dem Jahr 2000 um 35 Pro­zent ge­fal­len, die Zahl der Aid­sTo­ten um 24 Pro­zent.

Deutsch­land In Deutsch­land le­ben laut der Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­li­che Auf­klä­rung rund 80 000 Men­schen mit HIV. Et­wa 30 000 sind bis­her an den Fol­gen von Aids ge­stor­ben. Die Zahl der Men­schen, die sich neu in­fi­ziert ha­ben, ist um sie­ben Pro­zent auf 3525 Men­schen an­ge­stie­gen.

Bay­ern In Bay­ern ha­ben sich im ver- im Ju­gend­be­reich. Bis­her sei­en haupt­säch­lich Frau­en und Kin­der in die Kran­ken­häu­ser ge­kom­men. Nun gibt es ne­ben den Kli­ni­ken auch Zen­tren für jun­ge Leu­te, in de­nen Sport­ak­ti­vi­tä­ten, Thea­ter und Kunst an­ge­bo­ten wer­den. „Die Leu­te sind in­ter­es­siert. Und dann heißt es dort auch: Lasst uns über das Le­ben re­den und dar­über, wie wich­tig es ist, dass ihr auf­pas­sen könnt. In ei­ner Kli­nik ist dar­auf­hin die Zahl der Ju­gend­li­chen, die sich tes­ten und be­ra­ten ließ, bin­nen ei­nes Jah­res um 240 Pro­zent an­ge­stie­gen“, er­klärt die Team-Lei­te­rin. Es sei wich­tig, ein Be­wusst­sein zu schaf­fen, da­mit sich das Ver­hal­ten än­de­re. Die GIZ hat sich auch da­für ein­ge­setzt, dass Braue­rei­en kos­ten­lo­se Kon­do­me in Bars ver­tei­len. „Kon­do­me müs­sen dort lie­gen, wo die Leu­te sind“, sagt die Ärz­tin.

Auch im Trans­port­sek­tor tut sich laut Car­men Pe­rez Sa­ma­nie­go et­was. Die Un­ter­neh­men kön­nen es sich nicht mehr leis­ten, dass ih­re Fach­kräf­te er­kran­ken oder gar ster­ben. Die GIZ hat sich da für Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen bei den Fir­men ein­ge­setzt. Wenn die Mit­ar­bei­ter nicht zu den HIV-Tests kom­men, müs­sen die Tests eben zu den Mit­ar­bei­tern ge­bracht wer­den. „Cir­ca 160 Un­ter­neh­men ha­ben das Ar­beits­platz­pro­gramm schon eta­bliert“, sagt Car­men Pe­rez Sa­ma­nie­go. Zu­dem wer­den im Ca­pri­vi-Zip­fel ers­te mo­bi­le Kli­ni­ken ein­ge­setzt. Die­se um­ge­bau­ten Klein­trans­por­ter fah­ren

Kin­der kom­men und sa­gen: „Rek­tor, wir ha­ben Hun­ger“

Zah­len und Fak­ten rund um das The­ma Aids: Auch in Deutsch­land ist die Zahl der Men­schen, die sich neu mit HIV in­fi­zie­ren, wie­der an­ge­stie­gen Es gibt Gra­tis­prä­ser­va­ti­ve zur Ein­rei­se

um­her, bie­ten Tests an und be­ra­ten. Mög­li­cher­wei­se ver­tei­len sie auch bald Me­di­ka­men­te.

Die GIZ-Ex­per­tin setzt zu­dem auf pri­va­tes En­ga­ge­ment in Na­mi­bia. Je­der ha­be ei­ne per­sön­li­che Be­zie­hung zu je­man­dem, der HIV-po­si­tiv ist. „Die Leu­te möch­ten aber mög­lichst nicht dar­über re­den. Sie ha­ben Angst vor ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung und Stig­ma­ti­sie­rung. Vie­le Leu­te möch­ten da­her auch nicht wis­sen, ob sie HIV-po­si­tiv sind. Das muss sich än­dern“, er­klärt die Ärz­tin. Es hät­ten sich be­reits ers­te Selbst­hil­fe­grup­pen ge­bil­det, die ih­re In­ter­es­sen in die re­gio­na­len und na­tio­na­len Gre­mi­en tra­gen.

Car­men Pe­rez Sa­ma­nie­go zieht zu­frie­den Bi­lanz: „Die GIZ hat da­zu bei­ge­tra­gen, dass die Men­schen sich nun bes­ser in­for­mie­ren, schüt­zen und auch tes­ten las­sen kön­nen.“Die HIV-Quo­te sei nach wie vor sehr hoch, aber sta­bil. „Das ist ein gu­tes Zei­chen“, sagt die Ex­per­tin, die ge­ra­de an der Nach­hal­tig­keit der Pro­jek­te ar­bei­tet. Na­mi­bia sei auf ei­nem gu­ten Weg. „Mei­ne per­sön­li­che Hoff­nung liegt auf der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on.“

Ngo­ma, die Gren­ze zu Bots­wa­na. Im Schal­ter­raum sind zwei Me­tall­be­häl­ter: der für her­kömm­li­che Kon­do­me ist leer. In dem an­de­ren lie­gen Plas­tik­ver­pa­ckun­gen, die wie Er­fri­schungstü­cher aus­se­hen. Es sind „fe­ma­le Con­doms“. La­tex­hül­len, die Frau­en in die Va­gi­na ein­füh­ren kön­nen, wenn sich ein Mann wei­gert, ein Kon­dom zu ver­wen­den. Gra­tis­prä­ser­va­ti­ve zur Ein­rei­se nach Bots­wa­na.

Der Bus fährt wei­ter. Die B8 ist jetzt die A 33. Das HIV-Pro­blem am Stra­ßen­rand bleibt. gan­ge­nen Jahr et­wa 400 Men­schen neu mit HIV in­fi­ziert. Ins­ge­samt le­ben im Frei­staat rund 10 000 HIV-po­si­ti­ve Män­ner und Frau­en, et­wa 1700 wis­sen nichts da­von.

Schwa­ben Das Zen­trum für Aids-Ar­beit Schwa­ben (ZAS) in Augs­burg ist ei­ne von zehn psy­cho­so­zia­len Aids-Be­ra­tungs­stel­len in Bay­ern. Nä­he­re In­fos un­ter www.zas-schwa­ben.de.

Welt-Aids-Tag Seit 1988 wird er jähr­lich am 1. De­zem­ber be­gan­gen, um auf die Krank­heit auf­merk­sam zu ma­chen und So­li­da­ri­tät mit den von HIV Be­trof­fe­nen zu zei­gen. (lea)

Foto: Imago

„Was ist HIV und Aids?“– sol­che Auf­klä­rungs­pla­ka­te hän­gen vie­ler­orts in Na­mi­bia. Am Trans-Ca­pri­vi-High­way im Nor­den des Lan­des klä­ren so­gar Stra­ßen­pla­ka­te über die Im­mun­schwä­che­krank­heit auf. Die HIV-Ra­te ist dort be­son­ders hoch.

Fotos: Lea Thies

Lehm­hüt­ten mit Stroh­dä­chern auf tro­cke­nem Bo­den – so se­hen die Dör­fer an der B 8 aus.

Die­ses Kind an der B 8 hat Über­res­te des Pick­nicks er­gat­tert und gleich ver­speist.

Ge­sund­heits­zen­tren und Kran­ken­häu­ser gibt es nur in den gro­ßen Or­ten des Ca­pri­vi-Strei­fens.

Vie­le Kin­der der Uv­hun­gu-Vhun­gu-Schu­le sind Wai­sen. Ei­ni­ge Kin­der lei­den Hun­ger, müs­sen für sich selbst sor­gen.

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