Wie hält es die AfD mit dem „Rechts­pfos­ten“?

Par­tei­tag Die Rechts­par­tei ju­belt über die Um­fra­gen. Che­fin Pe­try weiß aber, das größ­te Ri­si­ko lau­ert in den ei­ge­nen Rei­hen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Politik -

Han­no­ver Als der heim­li­che Haupt­dar­stel­ler kommt, ist die Che­fin schon lan­ge fer­tig. Kaum hat Björn Hö­cke am Sams­tag­mit­tag die Kon­gress­hal­le in Han­no­ver be­tre­ten, ge­hört dem AfD-Frak­ti­ons­chef aus dem Thü­rin­ger Land­tag die Auf­merk­sam­keit des Bun­des­par­tei­tags. Da­ge­gen kann Frau­ke Pe­try, die Spre­che­rin der rechts­ge­rich­te­ten Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land, fort­an fast un­be­merkt durch die Hal­le wan­deln. We­ni­ge Mi­nu­ten zu­vor hat­ten ihr die 600 De­le­gier­ten noch laut­stark zu­ge­ju­belt. Zu­min­dest kurz. Hän­de­schüt­teln da, Er­in­ne­rungs­fo­to hier, Schul­ter­klop­fen dort – ob­wohl Hö­cke – wie im­mer ele­gant ge­klei­det im schwar­zen An­zug und mit der blau­en Kra­wat­te – gar kein De­le­gier­ter ist, strö­men nicht nur AfD­ler, son­dern auch zahl­rei­che Jour­na­lis­ten zu ihm.

Der 43-Jäh­ri­ge ist als Wort­füh­rer ei­ner Grup­pe rech­ter AfD-Mit­glie­der ei­ner der um­strit­tens­ten, aber zu­gleich auch meist­ge­frag­ten Köp­fe der Par­tei. „Hö­cke ist der Bes­te. Hö­cke ist ein Pa­tri­ot. Er ist nicht rechts“, fasst ein De­le­gier­ter aus Thü­rin­gen, der sei­nen Na­men nicht nen­nen möch­te, die Stim­mungs­la­ge in der Par­tei zu­sam­men. Der De­le­gier­te ist mit sei­ner Zu­stim­mung ge­gen­über dem „Rechts­pfos­ten“, wie ihn der nie­der­säch­si­sche AfD-Lan­des­chef Ar­min-Paul Ham­pel nann­te, nicht al­lei­ne.

„Das Um­fra­ge­hoch ha­ben wir Hö­cke zu ver­dan­ken“, be­tont ein De­le­gier­ter aus Nord­rhein-West­fa­len, der auch an­onym blei­ben möch­te. Hö­ckes Bot­schaft ist – wenn er da­nach ge­fragt wird – ein­mal mehr po­la­ri­sie­rend: Die eta­blier­ten Par­tei­en in Deutsch­land – von der Lin­ken bis zur CSU – hät­ten ei­ne „mul­ti­kul­tu­rel­le Re­vo­lu­ti­on von oben“zum Ziel, woll­ten Deutsch­land ab­schaf­fen. Die AfD müs­se dies ver­hin­dern und den „Deutsch­land-Ab­schaf­fern die Ro­te Kar­te zei­gen“. Ans Red­ner­pult darf Hö­cke, des­sen völ­ki­sche Re­den auf AfD-Kund­ge­bun­gen in Erfurt au­ßer­halb der Par­tei von vie­len als klar rechts­ra­di­kal be­wer­tet wer­den, aber nicht tre­ten.

Das ge­hört an die­sem Sams­tag Pe­try und dem Co-Vor­sit­zen­den Jörg Meu­then. Bei­de las­sen in ih­ren Re­den er­ken­nen, mit wel­chem Selbst­be­wusst­sein die AfD in Zei­ten von Um­fra­ge­wer­ten rund um die zehn Pro­zent und wach­sen­den Mit­glie­der­zah­len auf­tritt: „Tre­ten Sie zu­rück, Sie schaf­fen das“, ruft Pe­try an die Adres­se von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. Die CDU-Che­fin ha­be die Kon­trol­le ver­lo­ren. „Die Eu­rok­ri­se, die Kri­se der EU und auch die Mi­gra­ti­ons­kri­se sind letzt­end­lich Fol­ge ei­ner viel tie­fer ge­hen­den de­mo­kra­ti­schen Kri­se“, sagt Pe­try.

Pe­trys obers­tes Ziel ist ein­fach und schwie­rig zu­gleich: Jetzt bloß kei­nen Är­ger ris­kie­ren und die stei­gen­den Um­fra­ge­wer­te ge­fähr­den. „Wir sind ge­kom­men, um zu blei­ben, weil Deutsch­land uns braucht“, ruft Pe­try das gro­ße Ziel aus, erst­mals in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik ei­ne Par­tei rechts von der Uni­on zu eta­blie­ren. Tat­säch­lich ste­hen 2016 fünf Land­tags­wah­len an, 2017 hofft die AfD auf den Ein­zug in den Bun­des­tag.

Aber al­le wis­sen: Das geht nur, wenn die Flü­gel der Par­tei, von kon­ser­va­tiv bis scharf rechts, sich kei­ne of­fe­nen Kon­flik­te leis­ten. Und wenn die sich vor Flücht­lin­gen und Is­lam sor­gen­den Bür­ger mo­bi­li­siert wer­den kön­nen. „Wir brau­chen die Ängst­li­chen, um Mehr­hei­ten zu be­we­gen“, spricht Pe­try die Stra­te­gie ganz of­fen aus. In der Asyl­fra­ge muss sie je­doch ei­nen Dämp­fer hin­neh­men, ih­re Vor­la­ge un­ter­liegt ei­nem deut­li­cher for­mu­lier­ten An­trag aus Nord­rhein-West­fa­len. Da heißt es et­wa: „Das Asyl­recht muss und kann be­schränkt wer­den.“Die Si­cher­heit des Staa­tes dür­fe dem Asyl­recht nicht un­ter­ge­ord­net wer­den. Zu­dem sei das Recht auf Fa­mi­li­en­nach­zug zu be­schrän­ken oder ab­zu­schaf­fen. „Asyl-Ober­gren­zen sind recht­mä­ßig und not­wen­dig.“Das ist im De­tail schär­fer for­mu­liert als vom Vor­stand, aber da­mit kann Pe­try le­ben. Die Fra­ge ist nur: Wie kann sie den rech­ten Flü­gel auf Dau­er un­ter Kon­trol­le hal­ten. Die AfD bleibt ein Pul­ver­fass.

Am spä­ten Sonn­tag wird es aber dann doch laut. Der bran­den­bur­gi­sche AfD-Lan­des­chef Alex­an­der Gau­land for­dert un­ter dem Ju­bel der De­le­gier­ten ei­ne neue Nä­he zu Russ­land. Statt sich ab­hän­gig von Ame­ri­ka zu ma­chen, müss­ten die Na­to und der Wes­ten mit Russ­land ei­ne Al­li­anz ein­ge­hen. „Die Ab­hän­gig­keit von Ame­ri­ka muss er­setzt wer­den durch ei­ne klar na­tio­nal aus­ge­rich­te­te Po­li­tik“, be­tont er.

Foto: Swen Pfört­ner, dpa

AfD-Chefs Frau­ke Pe­try und Jörg Meu­then: „Wir brau­chen die Ängst­li­chen, um Mehr­hei­ten zu be­we­gen.“

Foto: dpa

Kreml­chef Wla­di­mir Pu­tin: Tür­ki­scher Wirt­schaft ent­ge­hen Mil­li­ar­den.

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