Herr Do­brindt, über­neh­men Sie!

Schwabmuenchner Allgemeine - - Geld & Leben - VON RU­DI WAIS rwa@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Die di­gi­ta­le Dia­spo­ra liegt mit­ten in Ber­lin. Ir­gend­wann im Früh­jahr be­fällt un­ser In­ter­net ei­ne rät­sel­haf­te Krank­heit. Lang­sam ist es vor­her schon, aber im­mer­hin ver­läss­lich lang­sam. Nun be­ginnt es spas­tisch zu zu­cken, mal sind wir im Netz, mal nicht – und wenn, dann noch lang­sa­mer als vor­her. Alex­an­der Do­brindt, un­ser In­ter­net­mi­nis­ter, ver­spricht bis zum Jahr 2018 je­dem Haus­halt ei­ne Ge­schwin­dig­keit von 50 Me­ga­bit pro Se­kun­de. Wir ha­ben drei, wenn wir Glück ha­ben. Das ist, als wür­den Sie mit ei­nem Trak­tor bei ei­nem For­mel1-Ren­nen star­ten. Zwei Häu­ser wei­ter hat die Sta­si zu DDR-Zei­ten aus­län­di­sche Di­plo­ma­ten ab­ge­hört. Das wa­ren noch Lei­tun­gen!

Be­son­ders gern zuckt und zickt das In­ter­net, wenn die Kin­der sky­pen, wenn zwei sich gleich­zei­tig im draht­lo­sen Netz­werk tum­meln oder wir ei­nen Film strea­men. Ge­nau­er ge­sagt: Ei­ne lo­se Fol­ge von Stand­bil­dern. Pa­pa, heißt es dann, kön­nen wir die Te­le­kom nicht ver­kla­gen? War­um zie­hen wir nicht in den Nach­bar­be­zirk, un­se­re Freun­de dort ha­ben al­le schnel­les In­ter­net? Du kennst den Do­brindt doch, kann der da nix ma­chen?

Ers­ter An­ruf bei der Te­le­kom im April. Nach 45 Mi­nu­ten in der War­te­schlan­ge mel­det sich ein ge­nerv­ter Mit­ar­bei­ter und fragt: Ha­ben Sie den PC mal neu ge­star­tet? Ist das Ka­bel drin? Als ob wir dar­auf nicht selbst ge­kom­men wä­ren. Nach dut­zen­den von Te­le­fo­na­ten en­det un­se­re Odys­see dann mit ei­ner für ei­ne Welt­stadt ver­nich­ten­den Aus­kunft: Die Lei­tun­gen in Ih­rem Vier­tel sind über­al­tert und über­las­tet, und lei­der, lei­der ist ein Aus­bau auch nicht vor­ge­se­hen. Neh­men Sie doch ei­nen Hy­brid-An­schluss!

Da­bei wird zu ei­nem schlap­pen Fest­netz­an­schluss ei­ne Han­dy­F­re­quenz da­zu ge­schal­tet, bei­des zu­sam­men soll ver­läss­li­che 16 Me­ga­bit brin­gen. Das ist zwar im­mer noch ziem­lich schlapp, aber im­mer­hin. Wir ent­schei­den uns für den Hy­brid. Er­geb­nis: vor­mit­tags und abends teil­wei­se gar kei­ne Ver­bin­dung mehr, sonst oft nur ein bis zwei Me­ga­bit. Um ein Spiel her­un­ter­zu­la­den muss un­ser Sohn sei­nen Rech­ner zwölf St­un­den lau­fen las­sen, sein Freund schafft es in 20 Mi­nu­ten. Die Te­le­kom misst wie­der ein­mal un­se­re Lei­tung oder tut zu­min­dest so, sie schickt ei­nen Tech­ni­ker und emp­fiehlt die Rück­kehr zum al­ten An­schluss. Ja, mit dem Hy­brid ge­be es noch Pro­ble­me ...

Am Frei­tag ha­ben wir bei der Te­le­kom ge­kün­digt. Herr Do­brindt, über­neh­men Sie!

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