Land­wir­te schüt­zen das Grund­was­ser

Ge­sund­heit Die Stadt­wer­ke Augs­burg bie­ten Prä­mi­en, wenn bei der Be­wirt­schaf­tung von Feldern und Wie­sen Dün­ger und Pflan­zen­schutz­mit­tel re­du­ziert wer­den. War­um das ein Er­folg ist

Schwabmuenchner Allgemeine - - Bayern - VON DO­RO­THEA SCHUSTER

Augs­burg Sand­ha­fer und gen­frei­es So­ja – Jo­sef Wie­de­mann ex­pe­ri­men­tiert ger­ne auf sei­nen Feldern mit Zwi­schen­früch­ten. Und er hat Blüh­strei­fen für Bie­nen und Feld­vö­gel an­ge­legt. Es ist ein sechs Me­ter brei­ter Puf­fer am Öl­bach. Jetzt möch­te er ei­ne Hir­se-Art als Ener­gie­pflan­ze tes­ten. Wie­de­mann ist ei­ner von 60 Land­wir­ten, die mit den Stadt­wer­ken Augs­burg ei­nen Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag im Trink­was­ser­schutz­ge­biet ge­schlos­sen ha­ben.

Das „Augs­bur­ger Mo­dell“der frei­wil­li­gen Zu­sam­men­ar­beit fei­er­te jetzt sein 25-jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um. Un­längst war die Agrar­in­ge­nieu­rin Eva Sai­ler, An­sprech­part­ne­rin der Land­wir­te, zu ei­ner in­ter­na­tio­na­len Kon­fe­renz nach Pa­ris ein­ge­la­den. Sie soll­te über das er­folg­rei­che land­wirt­schaft­li­che Sa­nie­rungs­kon­zept und die heu­ti­ge Pra­xis be­rich­ten. Wenn sie jetzt durchs Trink­was­ser­schutz­ge­biet fährt, ist sie stolz: die Fel­der ih­rer Ver­trags­bau­ern sind auch im Win­ter­halb­jahr grün, nicht braun und nackt wie bei an­de­ren. Der Bo­den ist durch die Zwi­schen­frucht vor Ero­si­on ge­schützt. Tie­re fin­den Schutz und Nah­rung.

En­de der 1980er Jah­re war Augs­burg stark un­ter Druck. Die Grenz­wer­te für Schad­stof­fe wa­ren EU-weit ver­schärft wor­den. Der Ni­trat­ge­halt im Trink­was­ser war zu hoch. Es herrsch­te ab­so­lu­ter Hand­lungs­be­darf, sagt Dr. Franz Otil­lin­ger. Er ist für die Ver­sor­gung von in­zwi­schen über 310 000 Men­schen im Bal­lungs­raum Augs­burg ver­ant­wort­lich. Und er kann gu­ten Ge­wis­sens sa­gen: Sie be­kom­men ei­ne her­vor­ra­gen­de Was­ser­qua­li­tät. Er denkt im­mer wie­der an Ur­lau­be von Frank­reich bis Kroa­ti­en. Sei­ne Fa­mi­lie wei­gert sich, das Lei­tungs­was­ser zu trin­ken. Es schmeckt nach Chlor. Des­halb wird auf Fla­schen­was­ser zu­rück­ge­grif­fen.

Der Augs­bur­ger Trink­was­ser­ver­sor­ger, ei­ner der größ­ten in Bay­ern, kauf­te ab 1989 im Sü­den der Stadt land­wirt­schaft­lich in­ten­siv ge­nutz­te Flä­chen. Sie wur­den in Wie­sen ver­wan­delt, ver­pach­tet und wer­den heu­te ex­ten­siv be­wirt­schaf­tet. Auch ge­werb­li­che Grund­stü­cke wur­den er­wor­ben und rück­ver­wan­delt. Mit Schwer­me­tal­len be­las­te­ter Bo­den wur­de aus­ge­tauscht. In der en­ge­ren Was­ser­schutz­zo­ne darf nicht mit Gül­le oder Ähn­li­chem ge­düngt und ge­spritzt wer­den.

Doch das al­les reich­te nicht, um die Qua­li­tät des Trink­was­sers dau­er­haft zu ver­bes­sern. Die Land­wir­te au­ßer­halb der en­gen Schutz­zo­ne muss­ten für die Idee ge­won­nen wer-

In Bay­ern sind fünf Pro­zent der Lan­des­flä­che Was­ser­schutz­ge­bie­te. Sie müss­ten nach An­sicht von Franz Otil­lin­ger von den Stadt­wer­ken Augs­burg drin­gend aus­ge­wei­tet wer­den. In Ba­den-Würt­tem­berg bei­spiels­wei­se sind es 30 Pro­zent.

Das Augs­bur­ger Trink­was­ser­schutz­ge­biet ist rund 5200 Hekt­ar groß. 650 Hekt­ar sind bei den Stadt­wer­ken un­ter Ver­trag. Das sind über 70 Pro­zent der pri­va­ten land­wirt­schaft­li­chen Flä­che.

Das Trink­was­ser stammt aus dem Grund­was­ser­strom der Lechau­en süd­lich von Augs­burg. den, ih­re Fel­der um­welt­be­wusst und grund­was­ser­scho­nend zu be­ar­bei­ten. Es war an­fangs ein be­schwer­li­chen Weg. An so man­che Dis­kus­si­on denkt Otil­lin­ger heu­te noch mit Un­be­ha­gen. Doch die Hart­nä­ckig­keit lohn­te sich, wie sich an Wie­de­manns En­ga­ge­ment zeigt. Er ist von An­fang an da­bei.

In den wei­te­ren Schutz­zo­nen ist

Es gibt fünf Schutz­zo­nen. Die en­ge­re Schutz­zo­ne ist so groß, dass ein­strö­men­des Grund­was­ser von der äu­ße­ren Be­gren­zung bis zum Brun­nen min­des­tens 50 Ta­ge im Bo­den bleibt.

Von den 65 Brun­nen wer­den 25 bis 30 ge­nutzt. „Wir su­chen uns im­mer die bes­ten aus“, sagt Otil­lin­ger.

Es gibt 68 Grund­was­ser-Mess­stel­len. Je­des Jahr wer­den rund 400 Bo­den­pro­ben auf den land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen im Was­ser­schutz­ge­biet) ge­zo­gen. Da­zu kom­men zehn stich­pro­ben­ar­ti­ge Un­ter­su­chun­gen auf Pflan­zen­schutz­mit­tel. (do) die Re­du­zie­rung von Dün­ger und Pflan­zen­schutz­mit­teln frei­wil­lig, sagt Eva Sai­ler. Den um­welt­scho­nen­den Um­gang ho­no­rie­ren die Stadt­wer­ke mit ge­staf­fel­ten Prä­mi­en. Ein­mal im Jahr wer­den Bo­den­pro­ben ge­zo­gen. Je we­ni­ger Ni­trat ge­fun­den wird, des­to mehr Geld gibt es für Wie­de­mann und sei­ne Kol­le­gen. Be­zahlt wird auch für den An­bau von Zwi­schen­früch­ten und den Ver­zicht auf To­tal­her­bi­zi­de. Im Jahr zah­len die Stadt­wer­ke den Ver­trags­bau­ern rund 200 000 Eu­ro.

Das Augs­bur­ger Mo­dell ei­nes in­te­grier­ten Trink­was­ser­schut­zes hat bei vie­len klei­nen Ver­sor­gern Schu­le ge­macht. Na­tür­lich sagt Franz Ot­til­lin­ger auch: „Augs­burg hat Glück.“Das Trink­was­ser­schutz­ge­biet liegt di­rekt vor den To­ren der Groß­stadt. Aber tun muss man trotz­dem et­was. Eva Sai­ler ist stän­dig vor Ort, um mit den Land­wir­ten zu re­den, sie zu be­ra­ten und zu er­klä­ren, war­um sie kei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung für den Ein­satz von Pflan­zen­schutz­mit­teln be­kom­men. Und war­um der An­bau von nähr­stoff­in­ten­si­ven Pflan­zen­ar­ten wie Mais nicht sinn­voll ist.

Die Wie­de­manns hat­ten ein Feld fünf Jah­re lang still­ge­legt. Sie be­ka­men für die Bie­nen­wei­de über ein Na­tur­schutz­pro­gramm ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich. Nach fünf Jah­ren woll­ten sie die Flä­che um­bre­chen, um Ge­trei­de an­zu­bau­en. Doch die war vol­ler Dis­teln. Ein Gift­ein­satz war in dem Schutz­ge­biet nicht er­laubt. Des­halb muss­ten sie das Un­kraut statt mit Che­mie me­cha­nisch be­kämp­fen. Das ist ar­beits­in­ten­siv, weiß Sai­ler. Aber es gibt auch da­für ei­nen fi­nan­zi­el­len An­reiz.

Bun­des­weit ein­ma­lig ist ein wei­te­res Pro­jekt der Stadt­wer­ke Augs­burg. Zehn Pro­zent der Kun­den zah­len über den Re­ge­nio-Ta­rif frei­wil­lig mehr fürs Was­ser aus ih­rem Hahn. Da­mit un­ter­stüt­zen sie Ar­ten­schutz-Pro­jek­te im Na­tur­schutz­ge­biet „Stadt­wald Augs­burg“, ei­nem der größ­ten Bay­erns. Trink­was­ser­schutz und Na­tur­schutz – für Franz Otil­lin­ger ei­ne idea­le Kom­bi­na­ti­on. Die Stadt­wer­ke be­dan­ken sich und bie­ten ih­ren „Part­nern“na­tur­kund­li­che Füh­run­gen an. Au­ßer­dem kön­nen sie Was­ser­pro­ben un­ter­su­chen las­sen. Das Geld ist gut an­ge­legt.

Was­ser­schutz­ge­bie­te in Bay­ern

Fotos: Tho­mas Ho­se­mann

Jo­sef Wie­de­mann und sein Sohn Ste­fan ha­ben am Öl­bach ei­nen Blüh­strei­fen für Bie­nen und Feld­vö­gel an­ge­legt. Der Land­wirt hat mit den Stadt­wer­ken Augs­burg ei­nen Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag im Trink­was­ser­schutz­ge­biet ge­schlos­sen und be­ar­bei­tet sei­ne Fel­der grund­was­ser­scho­nend.

Eva Sai­ler

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