Christ­kind ant­wor­tet je­dem

Weih­nachts­post­amt öff­net zum 30. Mal

Schwabmuenchner Allgemeine - - Bayern -

Him­mel­stadt Ne­ben dem Ra­scheln des Pa­piers er­tönt im­mer wie­der das Sum­men des elek­tro­ni­schen Brief­öff­ners. Ge­läch­ter und frän­ki­sches Ge­schwätz fül­len das klei­ne Zim­mer im Rat­haus. Ne­ben ei­ner Mi­nia­turWeih­nachts­welt sit­zen fünf Frau­en an ei­nem gro­ßen Tisch, auf dem sich bun­te Wunsch­zet­tel sta­peln. Im Ak­kord wird die Post ge­öff­net, sor­tiert und Brief­mar­ken auf­ge­klebt. Zum 30. Mal hat das Weih­nachts­post­amt im un­ter­frän­ki­schen Him­mel­stadt heu­er den Di­enst auf­ge­nom­men. Am Sonn­tag, dem ers­ten Ad­vent, wur­den die ers­ten Ant­wort­brie­fe des Christ­kinds ver­schickt.

Wie sich das Gan­ze in den frü­hen 1980er Jah­ren ent­wi­ckel­te, weiß kei­ner mehr so ge­nau. „Ge­schich­ten gibt es vie­le“, sagt die 74 Jah­re al­te Ro­se­ma­rie Schot­te und lacht. Seit­dem hat sich viel ver­än­dert. „Das hat sich al­les wei­ter­ent­wi­ckelt“, er­zählt die ge­bür­ti­ge Rhein­län­de­rin. 1994 zähl­te das Post­amt noch 30 000 Brie­fe, mitt­ler­wei­le hat sich die An­zahl fast ver­drei­facht. Ei­ne Ant­wort vom Christ­kind be­kommt trotz­dem je­der, der schreibt. Dar­um küm­mert sich die lang­jäh­ri­ge Lei­te­rin Schot­te mit ih­ren 42 eh­ren­amt­li­chen Hel­fern.

Heu­te wol­len die Kin­der Han­dy und Com­pu­ter

Für die Rent­ne­rin ist die Tä­tig­keit in Bay­erns ein­zi­gem Weih­nachts­post­amt ei­ne Ganz­jah­res­auf­ga­be. All­jähr­lich schreibt sie ei­ne lie­be­vol­le Ge­schich­te im Na­men des Christ­kinds, wäh­rend ihr Mann Bern­hard die­se pas­send il­lus­triert. Schirm­herr ist die Deut­sche Post AG. „Wir wol­len un­ter­stüt­zen, dass Kin­der Brie­fe schrei­ben. Ein hand­ge­schrie­be­nes Wort ist mehr wert als zum Bei­spiel ei­ne E-Mail – das hat mehr Ge­fühl“, sagt Alex­an­der Böhm.

Die Brie­fe­schrei­ber sind eben­so bunt ge­mischt wie ih­re Wün­sche. Ein Trend macht sich be­merk­bar: „Frü­her wur­de sich noch öf­ter ei­ne Stoff­pup­pe oder ein Kleid für die Bar­bie ge­wünscht, heu­te wol­len die Kin­der gleich das neus­te Han­dy oder ei­nen Com­pu­ter“, sagt Böhm. Schot­te glaubt, dass die Wün­sche vor al­lem vom El­tern­haus ab­hän­gig sei­en. Ein An­lie­gen tre­te die­ses Jahr be­son­ders häu­fig auf: „Bit­te gib’ den ar­men Flücht­lin­gen auch was“, schreibt eins der Kin­der. „Je­de Zeit hat ih­re Pro­ble­me, und das wird auch durch die Kin­der auf­ge­grif­fen“be­rich­tet Schot­te. Ihr Ehe­mann prä­sen­tiert stolz ei­ne gel­be Post­kis­te mit Brie­fen aus dem Aus­land. Aus 118 ver­schie­de­nen Län­dern hat das Christ­kind-Bü­ro be­reits Wunsch­zet­tel er­hal­ten.

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