Scho­nen­de Dia­gnos­tik und The­ra­pie

Kon­gress Augs­burg ent­wi­ckelt sich im­mer mehr zu ei­nem Mek­ka der En­do­sko­pie. Auch heu­er wie­der wur­den beim „En­do-Up­date“tech­ni­sche Neue­run­gen dis­ku­tiert. Ein Ge­spräch mit Ta­gungs­lei­ter Pro­fes­sor Mess­mann

Schwabmuenchner Allgemeine - - Gesundheit -

Herr Pro­fes­sor Mess­mann, der Augs­bur­ger Kon­gress „En­do-Up­date“hat un­ter Ih­rer Re­gie am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de zum zehn­ten Mal statt­ge­fun­den. Wie hat sich der Kon­gress ent­wi­ckelt? Mess­mann: Wir ha­ben vor zehn Jah­ren mit 100 Teil­neh­mern an­ge­fan­gen und konn­ten heu­er et­wa 1000 be­grü­ßen. Da­mit ist der Kon­gress in­zwi­schen der dritt­größ­te die­ser Art in Deutsch­land und Eu­ro­pa. An­fangs dau­er­te er ei­nen Tag, heu­er wa­ren es erst­mals zwei­ein­halb Ta­ge. Nach zehn Jah­ren ist Augs­burg wirk­lich zu ei­nem Mek­ka der En­do­sko­pie ge­wor­den, das kann man nur un­ter­strei­chen.

Was wa­ren für Sie die „High­lights“in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren? Mess­mann: Ich glau­be, ein be­son­de­res High­light war und ist die Zu­sam­men­ar­beit mit den Ja­pa­nern, die seit An­fang an da­bei sind und uns enorm vor­an­ge­bracht ha­ben. Sie ha­ben uns den Weg ge­eb­net zur en­do­sko­pi­schen Dia­gnos­tik und The­ra­pie von Früh­kar­zi­no­men. Mit Hil­fe der ja­pa­ni­schen Ex­per­ten ha­ben wir in Augs­burg ein füh­ren­des Zen­trum für Früh­kar­zi­no­me in Eu­ro­pa auf­ge­baut mit den größ­ten Be­hand­lungs­zah­len von Früh­kar­zi­no­men in Spei­se­röh­re, Ma­gen und Darm. An­ge­fan­gen ha­ben wir mit vier Pa­ti­en­ten pro Jahr, jetzt sind es 150 jähr­lich, die aus ganz Deutsch­land kom­men. Ein an­de­res High­light sind In­no­va­tio­nen zur The­ra­pie von Schluck­stö­run­gen oder Zen­ker-Di­ver­ti­keln (Aus­stül­pun­gen der Spei­se­röh­ren– Schleim­haut) oh­ne Ope­ra­ti­on.

Gab es auch heu­er wie­der Neue­run­gen, die zur Dis­kus­si­on stan­den? Mess­mann: Ja, es gibt ge­ra­de zur Be­hand­lung der Re­flux­krank­heit (Rück­fluss von Ma­gen­säu­re in die Spei­se­röh­re) et­li­che neue en­do­sko­pi­sche Tech­ni­ken, mit de­nen zum Bei­spiel der Ma­gen­ein­gang ge­rafft wird, an­statt ihn la­pa­ro­sko­pisch zu ope­rie­ren. Auch zur Ent­fer­nung von Früh­kar­zi­no­men aus dem Ver­dau­ungs­trakt wur­den neue Tech­ni­ken ent­wi­ckelt, au­ßer­dem neue In­stru­men­ta­ri­en, die klei­ne­re Ein­grif­fe er­lau­ben.

Was ist denn der ak­tu­el­le Stand, was die Dia­gnos­tik und The­ra­pie frü­her Tu­mo­re per En­do­sko­pie be­trifft? Mess­mann: Mit neu­en hoch­auf­lö­sen­den Vi­deo-En­do­sko­pen kann man Tu­mo­re hin­sicht­lich ih­rer Tie­fen­aus­deh­nung be­ur­tei­len. Das heißt: Al­lein durch An­schau­en der Tu­mo­re er­kennt man, wie weit sie in die Tie­fe ge­hen. Denn die „Spit­ze je­des Eis­bergs“sieht an­ders aus. Weit­win­kelen­do­sko­pe ha­ben un­ser Blick­feld ver­grö­ßert, sie bie­ten ei­nen 330-Grad-Rund­blick, so dass wir wie beim Au­to­fah­ren ei­nen „Rück­spie­gel“ha­ben. Auf die­se Wei­se wer­den Po­ly­pen, die sich hin­ter Fal­ten ver­ste­cken, si­che­rer ent­deckt. Was die Mög­lich­keit zur en­do­sko­pi­schen Ent­fer­nung von Tu­mo­ren an­geht, so ist nicht die Aus­deh­nung des Tu­mors über ein, zwei oder fünf Zen­ti­me­ter ent­schei­dend, son­dern wie weit er in die Tie­fe geht. Das Tie­fen­wachs­tum be­zie­hungs­wei­se die Di­cke darf bei Tu­mo­ren in der Spei­se­röh­re und im Ma­gen ma­xi­mal ei­nen hal­ben Mil­li­me­ter, im Dick­darm ma­xi­mal ei­nen Mil­li­me­ter be­tra­gen.

An­ge­sicht all der Fort­schrit­te – birgt der Darm über­haupt noch Ge­heim­nis­se? Lässt sich die En­do­sko­pie noch wei­ter­ent­wi­ckeln? Mess­mann: Das ist ei­ne gu­te Fra­ge! Si­cher sind auch der En­do­sko­pie ir­gend­wo Gren­zen ge­setzt. Aber mo­men­tan geht die Ent­wick­lung noch wei­ter, in Rich­tung 3-D, ro­bo­te­ras­sis­tier­te Ein­grif­fe und Bil­der­ken­nung. Bil­der­ken­nung, das heißt: Um bei Früh­for­men von Tu­mo­ren zu er­ken­nen, ob es sich schon um ent­ar­te­tes oder noch ge­sun­des Ge­we­be han­delt, wird das frag­li­che Are­al com­pu­ter­ge­stützt ana­ly­siert. Das wird auch ei­ner mei­ner per­sön­li­chen Schwer­punk­te sein. Auf die­sem Ge­biet ist ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit To­kio ge­plant. Das läuft schon jetzt sehr gut. Aber wenn das Augs­bur­ger Kli­ni­kum Uni­k­li­nik wird, was ich sehr hof­fe, wird es noch bes­se­re Mög­lich­kei­ten der Ko­ope­ra­ti­on ge­ben. Bei der Un­ter­schei­dung von gut- und bös­ar­ti­gem Ge­we­be ha­ben wir in den letz­ten Jah­ren schon gro­ße Fort­schrit­te ge­macht, wir müs­sen im­mer we­ni­ger bi­op­sie­ren, al­so Ge­we­be­pro­ben ent­neh­men. Aber wir wol­len die An­zahl der Bi­op­si­en noch wei­ter re­du­zie­ren.

Und was macht die Darm­kap­sel, die ja mal Hoff­nun­gen ge­weckt hat­te, dass sie die üb­li­che Darm­spie­ge­lung ei­nes Ta­ges er­set­zen könn­te? Mess­mann: Um die Darm­kap­sel ist es ru­hi­ger ge­wor­den, weil man auch bei ihr nicht auf die vor­her­ge­hen­de Darm­rei­ni­gung ver­zich­ten kann, was ja das Un­an­ge­nehms­te bei ei­ner Darm­spie­ge­lung für die Pa­ti­en­ten ist. Und dass man sie von au­ßen durch den Darm steu­ern kann, das ist Zu­kunfts­mu­sik, die noch viel In­ge­nieurs­leis­tung er­for­dert.

Interview: Si­byl­le Hüb­ner-Schroll

Pro­fes­sor Hel­mut Mess­mann ist Gas­tro­en­te­ro­lo­ge und Chef­arzt der III. Me­di­zi­ni­schen Kli­nik am Augs­bur­ger Kli­ni­kum.

Foto: imago

Blick ins Kör­per­in­ne­re mit Mi­ni­ka­me­ra: die En­do­sko­pie.

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