Jetzt wird erst recht ge­fei­ert

Tra­di­ti­ons­ver­an­stal­tung Der Bun­des­pres­se­ball steht die­ses Jahr im Schat­ten der An­schlä­ge von Pa­ris. Spit­zen­po­li­ti­ker und Jour­na­lis­ten wol­len sich ih­re Le­bens­freu­de aber nicht neh­men las­sen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Panorama | Sternenhimmel - VON RU­DI WAIS

Ber­lin Der Ge­gen­satz hät­te grö­ßer kaum sein kön­nen. Auf der ei­nen Sei­te des Pa­ri­ser Plat­zes die fran­zö­si­sche Bot­schaft, vor der auch zwei Wo­chen nach den At­ten­ta­ten noch ein Meer aus Blu­men und Lich­tern wogt – und auf der an­de­ren Sei­te Ber­lins wohl be­kann­tes­tes Ho­tel, das Ad­lon, in das ge­ra­de mehr als 2000 fest­li­che ge­klei­de­te Gäs­te strö­men, um zu fei­ern. „Wir wol­len un­ser nor­ma­les Le­ben le­ben“, be­tont Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck wie zum Trotz, der auch die­ses Jahr mit ei­nem Wal­zer den Bun­des­pres­se­ball er­öff­net. „Ich schen­ke die­sen Ver­bre­chern doch nicht mei­ne Le­bens­freu­de“, sagt die frü­he­re Grü­nen-Che­fin Clau­dia Roth. Nach dem et­was miss­glück­ten Aus­flug an den Flug­ha­fen Tem­pel­hof vor ei­nem Jahr ha­ben die Haupt­stadt­jour­na­lis­ten ih­ren Ball nun an ei­ne der bes­ten Adres­sen Ber­lins ver­legt, wo es auf der Tanz­flä­che zwar et­was en­ger zu­geht, wo sich vie­les aber im­mer noch so an­fühlt wie in Ber­lins gol­de­nen Zwan­zi­ger­jah­ren.

Bis in die Mor­gen­stun­den des Sams­tags hin­ein fei­ern Jour­na­lis­ten, Po­li­ti­ker und Lob­by­is­ten bei Es­senz vom Perl­huhn mit Wur­zel­ge­mü­se, Ri­let­te-Ra­vio­li mit Grieß­no­cken, ge­schmor­ten Kalbs­bäck­chen und der ob­li­ga­to­ri­schen Cur­ry­wurst um Mit­ter­nacht ein wah­res Fest der Sin­ne – un­ter stren­gen, aber äu­ßerst dis­kre­ten Si­cher­heits­vor­keh­run­gen. Aus dem Ka­bi­nett sind zwar nur Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­b­ri­el ver­tre­ten, der un­auf­fäl­lig durch ei­nen Sei­ten­ein­gang kommt, Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt und Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (mit Ba­by­bauch) – das aber tut der Stim­mung im Ball­saal und den vie­len klei­nen Sa­lons kei­nen Ab­bruch.

Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er hat we­gen der Trau­er­fei­er in Pa­ris noch ab­ge­sagt, Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel mei­det den Bun­des­pres­se­ball seit Jah­ren wie der Teu­fel das be­rühm­te Weih­was­ser, da­für aber ist die au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche Op­po­si­ti­on mit FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner und der AfDVor­sit­zen­den Frau­ke Pe­try ver­tre­ten, die of­fen­bar kein Pro­blem da­mit hat, mit ge­nau den Jour­na­lis­ten zu fei­ern, die ih­re An­hän­ger zur „Lü­gen­pres­se“zäh­len.

16 Jah­re nach dem Um­zug von Par­la­ment und Re­gie­rung nach Ber­lin ist auch der Bun­des­pres­se­ball da an­ge­kom­men, wo er ei­gent­lich schon im­mer hin woll­te: Ho­tel Ad­lon, Pa­ri­ser Platz, di­rekt am Bran­den­bur­ger Tor. Die Chan­cen, dass er dort bleibt, ste­hen dem Ver­neh­men nach gut.

Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck mit sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin Da­nie­la Schadt.

Fotos: dpa

Ta­ges­the­men-Mo­de­ra­to­rin Ca­ren Mi­os­ga und ihr Mann Tobias Grob.

Die hoch­schwan­ge­re Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig und Mann Ste­fan.

AfD-Che­fin Frau­ke Pe­try mit ih­rem Part­ner, dem AfD-Po­li­ti­ker Mar­cus Pret­zell.

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