Post vom Trai­ner

Schwabmuenchner Allgemeine - - Sport - VON ANTON SCHWANKHART as@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Der Fuß­ball ist in sei­nem In­ners­ten stock­kon­ser­va­tiv. Er miss­traut dem Neu­en und ver­tei­digt das Al­te. Das ist ei­ner der Grün­de für sei­nen welt­um­span­nen­den Er­folg.

Es wird des­halb noch ei­ni­ge Jahr­hun­der­te dau­ern, bis zum ers­ten Mal ein Fuß­ball-Trai­ner mit ei­nem Ta­blet-PC am Spiel­feld­rand steht. Al­les, was Übungs­lei­ter nicht auf der bio­lo­gi­schen Fest­plat­te spei­chern kön­nen, no­tie­ren sie bis heu­te auf Zet­teln. Zet­tel, wie sie zet­te­li­ger nicht sein könn­ten. Kei­ne gold­ran­di­gen No­tiz­bü­cher, die sich auch im Ste­hen sau­ber be­schrei­ben lie­ßen. Kei­ne Blö­cke und Ring­bü­cher, son­dern ge­fal­te­te Ein­zel­blät­ter, die in ih­rem ers­ten Le­ben Straf­zet­tel, Ein­kaufs­lis­ten oder Mah­nun­gen wa­ren. Die un­ter je­dem Buch­sta­ben, den der Trai­ner krit­zelt, weg­kni­cken oder sich in Bö­gen win­den.

Der Zet­tel steht für das Au­then­ti­sche, das die no­to­ri­sche Sehn­sucht der Fans nach Fuß­ball-Ro­man­tik be­dient. Es gibt Trai­ner, die mit ih­ren Zet­teln ver­hei­ra­tet sind. Sie tra­gen Dop­pel­na­men wie Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger oder Zet­telE­wald. Bür­ger­lich Ewald Lie­nen, der­zeit Trai­ner des FC St. Pau­li.

Für Lie­nen ist der Zet­tel nur Ge­dächt­nis­stüt­ze. Glad­bachs An­dré Schu­bert hat ihn auf der Ba­sis der Zet­tel-Bot­schaft, mit der Oli­ver Kahn bei der WM 2006 Jens Leh­mann be­ra­ten hat, wei­ter­ent­wi­ckelt. Schu­bert ver­fasst tak­ti­sche An­wei­sun­gen, die er an sei­ne Spie­ler wei­ter­reicht. Die Schu­bert-Post funk­tio­niert oh­ne Strom und WLAN. Sie er­spart dem Trai­ner, sich die Lun­ge aus dem Hals zu schrei­en, und nimmt dem Spie­ler die Aus­re­de, er ha­be den Chef nicht ge­hört. Zu­dem ent­fällt das wil­de Ges­ti­ku­lie­ren vom Spiel­feld­rand, aus dem je­der Ak­teur et­was an­de­res her­aus­liest.

Wie wich­tig ei­ne kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on ist, die un­ab­hän­gig vom In­ter­net funk­tio­niert, hat der jüngs­te Glad­ba­cher Zet­tel-Ein­satz ge­zeigt. Als And­re Schu­bert un­ter dem Ein­druck ei­nes 1:3-Rück­stands sei­ne Schrift­stü­cke ver­teil­te, war es mit der Hof­fen­hei­mer Herr­lich­keit zu En­de. Am Sams­tag kommt der FC Bay­ern zur Bo­rus­sia. Schu­bert feilt be­reits an ei­nem Denkzettel für die Münch­ner.

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