Re­kor­de auf Pa­pier und Ra­sen

Bun­des­li­ga Die Münch­ner las­sen den glän­zen­den Er­geb­nis­sen der Jah­res­haupt­ver­samm­lung ei­nen sou­ve­rä­nen 2:0-Sieg ge­gen Her­tha fol­gen. Je­der lobt je­den – nur ei­ner bleibt un­ge­nannt

Schwabmuenchner Allgemeine - - Sport - VON ANTON SCHWANKHART

München Oft ist das, was ei­ner ver­schweigt, auf­schluss­rei­cher als das, was er sagt. Am Frei­tag­abend hat der Vor­stand des FC Bay­ern zur Jah­res­haupt­ver­samm­lung im Münch­ner Au­di Do­me reich­lich Wor­te für die glän­zen­den Re­kord­zah­len (23,8 Mil­lio­nen Eu­ro Ge­winn, 270 000 Mit­glie­der) ge­fun­den. Karl-Heinz Rum­me­nig­ge hat warm­her­zig an die er­in­nert, die den FC Bay­ern ver­las­sen ha­ben wie Bas­ti­an Schwein­stei­ger („er ist als gro­ßer Freund ge­gan­gen), oder die­je­ni­gen, die nicht un­ter den 2500 Mit­glie­dern in der Are­na sa­ßen, aber wohl bald wie­der in der Füh­rungs­mann­schaft auf­tau­chen wer­den wie Uli Ho­en­eß. Rum­me­nig­ge ver­wen­de­te sich auch für Franz Be­cken­bau­er, den die WM-Af­fä­re im hei­mi­schen Salz­burg hielt, ob­wohl er doch Eh­ren­prä­si­dent des FC Bay­ern ist und das auch blei­ben soll.

Nur für Pep Guar­dio­la hat­te we­der der Vor­stands­vor­sit­zen­de noch ir­gend­ein an­de­rer in den drei­ein­halb Abend­stun­den ein ein­zi­ges Wort üb­rig. Man darf das als Bot­schaft des Schwei­gens ver­ste­hen, die den Är­ger der Bay­ern-Spit­ze über den Spa­nier aus­drückt, weil sich der 44-Jäh­ri­ge bis­lang nicht zu sei­nem aus­lau­fen­den Ver­trag ge­äu­ßert hat. Die Münch­ner wür­den Guar­dio­la ger­ne be­hal­ten, sind aber un­an­ge­nehm be­rührt, wenn ih­re Umar­mung ins Lee­re läuft.

An­de­rer­seits ha­ben sie Grün­de, nicht all­zu be­lei­digt zu sein. Kaum ein Trai­ner der FC-Bay­ern-Ge­schich­te hat das sport­li­che Ge­sicht der Re­kord­meis­ter-Mann­schaft der­art ge­prägt wie Guar­dio­la in den zu­rück­lie­gen­den zwei­ein­halb Jah­ren. Ein Bei­spiel da­für lie­fer­te der 2:0-(2:0)Sieg ge­gen Her­tha, des­sen Er­geb­nis die Münch­ner Do­mi­nanz nur an­satz­wei­se wie­der­gibt.

Da­bei schien die Ge­le­gen­heit so güns­tig wie noch nie in die­ser Sai­son, die Münch­ner in der Al­li­an­zA­re­na in Ver­le­gen­heit zu brin­gen. Her­tha war als Über­ra­schungs­team an­ge­reist, Guar­dio­la hat­te sei­ne Er­satz­bank mit Nach­wuchs­leu­ten wie Weih­rauch und Pan­to­vic fül­len müs­sen, weil ne­ben den Lang­zeit­ver­letz­ten Göt­ze und Ri­bé­ry auch Rob­ben, Thia­go, Cos­ta, Ber­nat und Ala­ba fehl­ten. Es hat den Ber­li­nern, die mit Ta­bel­len­platz vier über­be- wer­tet sind, nicht ge­hol­fen. Der Münch­ner Kom­bi­na­ti­ons­ma­schi­ne hat­ten sie nichts ent­ge­gen­zu­set­zen. Die Ber­li­ner ver­kro­chen sich ge­nau­so wie al­le an­de­ren, die in München vor­spie­len müs­sen, in der ei­ge­nen Spiel­hälf­te. „Ge­gen den FC Bay­ern hat man kei­ne an­de­re Chan­ce zu be­ste­hen als so“, ent­schul­dig­te Her­tha-Trai­ner Pal Dar­dai den de­struk­ti­ven Auf­tritt sei­ner Elf, die nur auf 30 Pro­zent Ball­be­sitz kam. An­de­rer­seits woll­te sich der Un­gar auch nicht für sei­ne De­fen­siv-Tak­tik kri­ti­sie­ren las­sen. „Wenn Sie die Mei­nung ha­ben, wir müs­sen Hur­raFuß­ball spie­len und acht Stück krie­gen – dann ha­ben Sie viel Ah­nung“, gif­te­te er ei­nen Jour­na­lis­ten an.

Be­zeich­nend für Hert­has ängst­li­ches Spiel: Mit 81 Kon­tak­ten war Tor­hü­ter Ru­ne Jarstein der Ber­li­ner mit den meis­ten Ball­be­rüh­run­gen. Die Münch­ner hat­ten die Gäs­te der­art un­ter Druck ge­setzt, dass de­nen nichts an­de­res üb­rig blieb, als sich im­mer wie­der zu ih­rem Tor­hü­ter zu flüch­ten. Jarstein wie­der­um spiel­te schon nach ei­ner hal­ben St­un­de auf Zeit, in­dem er sei­ne Ab­schlä­ge so aus­gie­big ze­le­brier­te, dass er den 75000 Be­su­chern in der Are­na da­mit ge­hö­rig auf die Ner­ven ging. Aber auch das hat nichts ge­hol­fen. Als Be­na­tia ei­nen Eck­ball auf Mül­ler ver­län­ger­te, stand es 1:0 (33.). Vor­her hat­te Le­wan­dow­ski den Pfos­ten ge­trof­fen. Auch zum 2:0 hat­te ein Ab­wehr­spie­ler die Vor­la­ge ge­lie­fert. Mar­tí­nez ser­vier­te den Ball Co­man, der sein Tem­po­spiel mit ei­nem Tref­fer krön­te. Auf der Ge­gen­sei­te trieb Manuel Neu­er weit vor sei­nem Tor Gym­nas­tik, um nicht ein­zu­frie­ren. In der 79. Spiel­mi­nu­te muss­te er zum ers­ten und ein­zi­gen Mal ein­grei­fen. „Se­ri­ös“, nann­te Sport­vor­stand Mat­thi­as Sam­mer den Auf­tritt der Münch­ner. Nicht ganz so er­folg­reich war der Si­cher­heits­dienst, der ei­nen Flit­zer ent­wi­schen ließ. Der jun­ge Mann war erst zu fas­sen, als er in Tho­mas Mül­lers Ar­men lag. „Das ist nicht dra­ma­tisch“, be­schwich­tig­te Mül­ler. Aber mit dem Wis­sen um „die Ge­scheh­nis­se der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit“lös­ten sol­che Ak­tio­nen kein gu­tes Ge­fühl aus. Es blieb das ein­zi­ge Är­ger­nis.

Pas­send zu den Zah­len der Jah­res­haupt­ver­samm­lung leg­te die Mann­schaft mit nun 40 Punk­ten aus 14 Spie­len ei­nen wei­te­ren Re­kord nach. Nächs­te Wo­che gas­tiert Guar­dio­las Kom­bi­na­ti­ons­ma­schi­ne in Mön­chen­glad­bach. Die Bo­rus­sia hat Her­tha nach ei­ner Er­folgs­se­rie un­ter An­dré Schu­bert von Ta­bel­len­platz vier ver­drängt. Und Guar­dio­la? Schweigt wei­ter zu sei­ner Zu­kunft. Noch ei­ne Bot­schaft? Bay­ern München Neu­er – Lahm, Ja­vi Mar­tí­nez, Be­na­tia, Ra­fin­ha – Boateng (66. Ro­de), Xa­bi Alon­so, Vi­dal (84. Bad­stu­ber) – Mül­ler, Le­wan­dow­ski – Co­man Her­tha BSC Jarstein – Re­gä­s­el, Lang­kamp, Lus­ten­ber­ger, Brooks, Plat­ten­hardt – Ha­ra­gu­chi, Sk­jel­b­red (56. Ci­ger­ci), Da­ri­da (72. Sto­cker), Ka­lou – Ibi­se­vic (56. Baum­jo­hann) Zu­schau­er 75 000 To­re 1:0 Mül­ler (34.), 2:0 Co­man (41.)

„Wenn Sie die Mei­nung ha­ben, wir müs­sen Hur­ra-Fuß­ball spie­len und acht Stück krie­gen – dann ha­ben Sie viel Ah­nung.“

Her­tha-Trai­ner Pal Dar­dai

LI­GUE 1 FRANK­REICH

Foto: Sven Hop­pe, dpa

Ad­vents­ju­bel: Be­na­tia, Mar­tí­nez (hin­ten) und Ra­fin­ha gra­tu­lie­ren dem Tor­schüt­zen Tho­mas Mül­ler (li.).

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