Ham­bur­ger stop­pen Olympia-An­hän­ger

Spie­le für 2024 Die Plä­ne für die Be­wer­bung fin­den beim Bür­ger­ent­scheid kei­ne Mehr­heit. Die ge­plan­te Sie­ges­fei­er wird für die Be­für­wor­ter zu ei­nem trä­nen­rei­chen Abend

Schwabmuenchner Allgemeine - - Sport - VON MAR­KUS LO­RENZ

Ham­burg Die Flam­men an den sym­bo­li­schen Fa­ckeln vor der Bar­clay­card Are­na hat­te der No­vem­ber­wind schon vor Be­ginn der Ver­an­stal­tung aus­ge­bla­sen. Und auch im „Sky­light Ca­fé“im In­ne­ren der Sport­hal­le war es zwei­ein­halb St­un­den spä­ter dann auch jäh vor­bei mit Feu­er und Flam­me für Olympia in Ham­burg 2024.

Zu­se­hends kon­ster­niert ver­folg­ten die Ak­ti­vis­ten der Pro-Olym­pia­Be­we­gung, wie sich im Lau­fe des Abends das Züng­lein im Olym­pia­Re­fe­ren­dum im­mer wei­ter zu­guns­ten des Nein-La­gers be­weg­te. Ge­gen 21 Uhr stand fest, dass die Geg­ner der Som­mer­spie­le an der El­be mit 51,6 Pro­zent die Na­se vorn hat­ten, die Be­für­wor­ter ka­men auf 48,4 Pro­zent. Et­wa 650000 Ham­bur­ger hat­ten an der Ab­stim­mung teil­ge­nom­men, rund die Hälf­te al­ler Wahl­be­rech­tig­ten.

Auf Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz muss­ten die et­wa 300 Gäs­te in der Are­na ver­zich­ten, der woll­te ei­gent­lich im Lau­fe des Abends vom Rat­haus her­über­kom­men nach Stel­lin­gen, um mit den Olympia-Ak­ti­vis- ten zu fei­ern. So aber trat ein blas­ser Se­nats­chef um kurz vor 21 Uhr an sei­nem Amts­sitz vor die Pres­se: „Ham­burg wird sich nicht um Pa­ralym­pi­sche und Olym­pi­sche Spie­le 2024 be­wer­ben“, ver­sprach Scholz.

Er ha­be sich ein an­de­res Er­geb­nis ge­wünscht. Die Zwei­te Bür­ger­meis­te­rin Katharina Fe­ge­bank (Grüne) zeig­te sich „sehr ent­täuscht“. DOSB-Prä­si­dent Al­fons Hör­mann sprach von ei­nem „her­ben Rück­schlag und Tief­schlag für Sport­deutsch­land“. Die Chan­ce für den deut­schen Sport sei da­mit „für die kom­men­de Ge­ne­ra­ti­on“ver­tan, so Hör­mann. Er wol­le aber nicht über ei­ne mög­li­che Be­wer­bung für Olympia 2028 spe­ku­lie­ren.

Nach­dem kurz nach 18 Uhr die ers­ten Zah­len bei der ver­meint­li­chen Ju­bel­par­ty die Run­de mach­ten, hat­ten Be­wer­bungs­chef Hill und die an­de­ren Olympia-Be­für­wor­ter noch lan­ge ge­hofft und Durch­hal­te­pa­ro­len ver­brei­tet. Zu­mal ei­ne fri­sche ZDF-Um­fra­ge kurz nach 18 Uhr dem Ja-La­ger noch ei­ne si­che­re Mehr­heit von 56 Pro­zent ver­hieß. Doch schon die ers­ten tat­säch­li­chen Aus­zäh­lungs­da­ten aus dem Lan­des­wahl­amt sorg­ten für Er- nüch­te­rung. Nur ein ein­zi­ges Mal lag die Ja-Frak­ti­on über­haupt vorn, ganz zu Be­ginn um 18.24 Uhr – aber da wa­ren erst 14000 Stim­men aus­ge­zählt. Von da an ging’s ste­tig berg­ab für die An­hän­ger des Sport­spek­ta­kels.

„Er­schüt­ternd“, fand die ehe­ma­li­ge Ho­ckey-Na­tio­nal­spie­le­rin Britta Becker das Er­geb­nis. Sie sah den Haupt­grund für die stark nach­ge­las­se­ne Olympia-Be­geis­te­rung der Ham­bur­ger in den welt­po­li­ti­schen Er­eig­nis­sen, nann­te das Vo­tum als „ein biss­chen mut­los“. HSV-Vor­stands­chef Diet­mar Bei­ers­dor­fer sag­te: „Das muss ich jetzt erst mal ver­dau­en.“Zum bit­te­ren En­de hat­ten ei­ni­ge Be­su­cher der Olym­pia­Fei­er Trä­nen in den Au­gen.

We­gen des knap­pen Aus­zäh­lungs­stan­des hiel­ten sich die po­li­ti­schen Ma­ta­do­re sehr lan­ge mit öf­fent­li­chen Äu­ße­run­gen zu­rück. Scholz (SPD) und der Prä­si­dent des Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bun­des (DOSB), Al­fons Hör­mann, harr­ten im Rat­haus hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren aus und ver­scho­ben ihr an­ge­kün­dig­tes State­ment im­mer wie­der.

Der Er­folg der Olympia-Geg­ner kam vor al­lem des­halb über­ra­schend, weil es über Mo­na­te in der Stadt ei­ne spür­ba­re Be­geis­te­rung für das Me­ga-Event ge­ge­ben hat­te. Im Fe­bru­ar hat­ten sich in Um­fra­gen noch 64 Pro­zent pro Olympia aus­ge­spro­chen, im Sep­tem­ber noch 63 Pro­zent. An­fang No­vem­ber war die Zu­stim­mung bei der letz­ten ver­öf­fent­lich­ten Be­fra­gung dann auf 56 Pro­zent ge­sun­ken. Die Han­se­stadt war im in­ter­na­tio­na­len Ren­nen um die Som­mer­spie­le 2024 die ein­zi­ge Kan­di­da­ten­stadt, die ei­ne Bür­ger­ab­stim­mung ge­wagt hat. Die Kon­kur­ren­ten Pa­ris, Los Angeles, Rom und Budapest stüt­zen sich al­lein auf Be­schlüs­se ih­rer Gre­mi­en.

Die Ur­sa­chen für das Schwin­den der Feu­er-und-Flam­me-Eu­pho­rie la­gen al­ler­dings über­wie­gend au­ßer­halb der Han­se­stadt. Mit der Flücht­lings­kri­se, den Skan­da­len von Fi­fa und DFB so­wie den Ter­ror-Atta­cken von Pa­ris er­eil­te die Pro-Ak­ti­vis­ten gleich ei­ne gan­ze Se­rie von Wid­rig­kei­ten. An­ge­sichts der Af­fä­ren in den Sport­groß­ver­bän­den so­wie der welt­po­li­ti­schen Es­ka­la­tio­nen ver­lor Olympia für vie­le an­fäng­li­che Fans auch in Ham­burg an Be­deu­tung.

GRAND PRIX VON ABU DHA­BI

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