„Für Eli­se“im Ka­ra­te­schlag

Ka­ba­rett Tas­ten­clown Ar­min Fi­scher spielt vir­tu­os und ge­winnt der Klas­sik ei­ne neue No­te ab

Schwabmuenchner Allgemeine - - Feuilleton Regional - VON ALOIS KNOLLER

Sam macht’s im­mer wie­der. Re­flex­haft klim­pert der Mann am Kla­vier den Gas­sen­hau­er „I Just Re­mem­ber This“. Auf der Büh­ne der Kress­les­müh­le ver­kör­pert ihn Ar­min Fi­scher – ei­ner der bes­ten deut­schen Kla­vier­ka­ba­ret­tis­ten. Auf dem Kreuz­fahrt­damp­fer spiel­te er sich da­mit in Tran­ce, es wa­ren schließ­lich je­den Abend die­sel­ben Gäs­te auf den den­sel­ben Plät­zen mit den­sel­ben Drinks in der Pia­no­bar. Na­tür­lich kann Fi­scher viel mehr, zum Bei­spiel mit dem Rü­cken zum Kla­vier spie­len oder auf der elek­tro­ni­schen Fo­li­en­tas­ta­tur im XXL-For­mat ei­ne Me­lo­die hüp­fen. Oder als Pia­no-Nin­ja „Für Eli­se“im Ka­ra­te­schlag zu in­to­nie­ren. Al­ler­dings en­det die ja­pa­ni­sche Ver­si­on tra­gisch, denn bald lan­det Ar­min Fi­scher in der Wes­tern­ro­man­tik und seufzt auf der Mund­har­mo­ni­ka das Lied vom Tod zu Beet­ho­ven. Der Schalk sitzt dem west­fä­li­schen Tas­ten­clown halt im Na­cken.

Vor al­lem kann der Mu­si­kus im sil­ber­grau­en Frack mit blü­ten­wei­ßer Wes­te deut­sche Weih­nacht. Na­ja, auf­ge­hüb­scht mit Plas­tik­bäum­chen vom Dis­coun­ter und al­ler­liebs­ten Ge­schenk­ide­en für den Pia­nis­ten: So­cken, Kra­wat­te, Schal mit Tas­ten-Op­tik. Egal, „Whi­te X-mas“geht noch mit zwei Pro­mil­le nach dem Mot­to: „Der Rhyth­mus ist wich­tig, al­les an­de­re kann man weg­las­sen.“Wä­re aber scha­de, denn „O Tan­nen­baum“er­gibt ein kunst­vol­les Bach-Fu­ga­to und Schu­bert hät­te „Bald ist Hei­li­ge Nacht“mit Trio­len plät­schernd ge­sät­tigt. Ar­min Fi­scher klim­pert all dies so lo­cker da­hin, als hät­te er sei­ne Zau­ber­fin­ger schon im­mer mit Liszt und Tschai­kow­ski trai­niert.

Aber nein: Auch ihm blieb der Kiek­ser auf der Block­flö­te („O du fröh­li­che“) und die quä­ken­de Me­lo­di­ka nicht er­spart. Al­ler­dings kom­bi­niert der Fi­lou die ge­tra­ge­ne Air des ehr­wür­di­gen Bach mit Pro­col Harums Ohr­wurm „A Whi­ter Sha­de of Pa­le“. Al­les geht bei Ar­min Fi­scher: AC/DC geht vom No­ten­wert mit ADAC zu­sam­men („bei­des High­way to Hell“) und „Jing­le Bells“klin­geln zur Fuß­ball-Hym­ne „An Ta­gen wie die­sen“. Da bleibt wirk­lich kein Au­ge tro­cken, und die Klas­sik prä­sen­tiert sich von ih­rer hei­ters­ten Sei­te, ob­gleich Fi­scher vir­tuo­se Ka­den­zen sei­nen Zu­hö­rern nicht schul­dig bleibt. Eben­so we­nig wie ra­ben­schwar­zen Hu­mor über den Weih­nachts­blues („Mor­gen kommt der Sen­sen­mann“) und die Hei­li­ge Fa­mi­lie als ers­tes ge­lun­ge­nes Patch­work: „Weih­nach­ten erlebt das Kind was mit der Mut­ter, Os­tern mit dem Va­ter ...“

Aus dem Ge­heim­tipp für Ken­ner soll­te in Augs­burg un­be­dingt ein Muss wer­den.

Foto: Wolf­gang Die­kamp

Der Mu­sik­ka­ba­ret­tist Ar­min Fi­scher prä­sen­tiert klas­si­sche Mu­sik von ih­rer hei­ters­ten Sei­te.

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