Auf­bruch ins Le­ben

Neu­es Stück des Klex­thea­ters

Schwabmuenchner Allgemeine - - Feuilleton Regional - VON RE­NA­TE BAUMILLER

Drei jun­ge Men­schen, die aus der ver­meint­lich „hei­len Welt“ge­fal­len sind, die sich al­lein und un­ver­stan­den füh­len, un­ge­wollt und nutz­los, tref­fen im Ir­gend­wo ih­rer Flucht auf­ein­an­der. Rap­per Sam­my (Mat­thi­as Gug­gen­ber­ger), Sva­na (Su­san­ne Ha­sen­bach) und „Fa­shion­vic­tim“Lot­ta (Ra­phae­la Mi­re Bei­er) ha­ben kon­kre­te Vi­sio­nen und Träu­me, Hoff­nun­gen, Ta­len­te und nicht zu­letzt quä­len­den Hun­ger. All­mäh­lich be­gin­nen sie zu tei­len, zu re­den, sich zu öff­nen. Sie tei­len ih­re Er­fah­run­gen, Ver­let­zun­gen und Ent­täu­schun­gen, die sie durch psy­chi­sche Wun­den, Krieg und Hei­mat­ver­lust, aber auch durch die Igno­ranz in der ei­ge­nen Fa­mi­lie er­lit­ten ha­ben, be­dingt durch Nicht­ak­zep­tanz ih­rer In­di­vi­dua­li­tät. Ge­mein­sam, für­ein­an­der und mit­ein­an­der be­schlie­ßen sie, das „Ver­rück­te“mög­lich zu ma­chen, sich neue Ga­la­xi­en zu er­schlie­ßen. Sie wa­gen den fan­ta­sie­vol­len Auf­bruch in ein an­de­res, selbst­be­stimm­tes und freie­res Le­ben, in dem sie all das ver­wirk­li­chen wol­len, wo­zu Ih­nen bis­lang und al­lei­ne der Mut ge­fehlt hat.

Die­ser „Roadtrip Nr.8“führt am En­de des neu­en Thea­ter­stücks, das Ga­b­rie­le Bei­er ge­schrie­ben und ge­mein­sam mit ih­rem in je­der Se­kun­de prä­sen­ten und ein­dring­li­chen Schau­spie­ler­en­sem­ble in­sze­nier­te, in der win­zi­gen Iset­ta nach Ber­lin. Die­ses Fi­na­le ist ex­trem be­we­gend, poe­tisch, me­lan­cho­lisch und hu­mor­voll. Fil­misch ein­drucks­voll be­glei­tet wur­de die­ser Roadtrip von „Cor­ne­li­us­film“, in de­ren Film­se­quen­zen ei­ne statt­li­che Rei­he von Gäs­ten wie die Die­dor­fer Trom­mel­grup­pe Af­ri­ca­ans für aus­sa­ge­star­ke Mo­men­te mu­si­ka­lisch oder mi­misch in­te­griert sind.

So steckt viel drin in die­sem thea­tra­li­schen For­mat, viel Dy­na­mik, Be­we­gung, Be­rüh­rung, phi­lo­so­phi­sches und spi­ri­tu­el­les Ge­dan­ken­gut – wich­ti­ge Im­pul­se, um ein Um­den­ken und Mit­füh­len im schwie­ri­gen Hier und Jetzt an­zu­sta­cheln. Wo­mög­lich al­ler­dings ein biss­chen zu viel von al­lem für das jun­ge Ziel­pu­bli­kum ab 13 Jah­ren. Trotz die­ser leich­ten in­halt­li­chen und dra­ma­tur­gi­schen Über­frach­tung lohnt es sich für al­le, Ga­b­rie­le Bei­ers Ap­pell zur Flücht­lings­kri­se auf un­se­rer Milch­stra­ße Ge­hör und Zeit zu schen­ken: „Und die Ster­ne sa­gen mir, dass wir mit­ein­an­der sein müs­sen, wir al­le, egal auf wel­chem Platz der Er­de wir ste­hen!“

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