Ein Stück Stadt­ge­schich­te

Drei Moh­ren Das Ho­tel ist seit Jahr­hun­der­ten ein Ort der Tra­di­ti­on und Mo­der­ne

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON MI­RI­AM ZISSLER (TEXT) UND SIL­VIO WY­SZEN­GRAD (RE­PROS)

Die Ge­schich­te des Augs­bur­ger Tra­di­ti­ons­hau­ses geht weit zu­rück: Jo­hann Ge­org Deu­rin­ger jun., ehe­mals Be­sit­zer des Gast­ho­fes Zu den Drei Moh­ren, schrieb in sei­ner Ein­lei­tung für ein Gäs­te­buch im Jahr 1825, dass das Haus 1344 ge­grün­det wur­de. Das kann auf­grund von an­de­ren Qu­el­len stim­men, so Chro­nist Tho­mas Wier­cin­ski. Vier Jah­re hat der Kunst­his­to­ri­ker, der auch das Bal­lon­mu­se­um in Gerst­ho­fen lei­tet, an der Chro­nik re­cher­chiert und ge­schrie­ben: Im Ok­to­ber er­schien das um­fas­sen­de Werk. Es zählt über 300 Sei­ten – schließ­lich ist in der Zeit viel pas­siert. Der Au­tor schreibt von Kai­sern und Künst­lern, die in dem Haus über­nach­te­ten, von wech­seln­den Be­sit­zern, von Brän­den und Bom­ben und vom je­wei­li­gen Wie­der­auf­bau, von Fa­schings- und Tanz­aben­den, von Ga­la-Es­sen und Kon­gres­sen.

Für den Na­men gibt er meh­re­re Er­klä­run­gen. So be­rich­tet ei­ne al­te Augs­bur­ger Chro­nik von der Le­gen­de der vier abes­si­ni­schen Mön­che, die sich um 1495 län­ge­re Zeit in Augs­burg auf­hiel­ten. Be­her­bergt hat­te sie der Gast­wirt Kon­rad Min­ner in der Stock­haus­gas­se. Ein eis­kal­ter Win­ter be­wog die Mön­che, Augs­burg in Rich­tung Sü­den zu ver­las­sen. Ein Mönch starb in der Käl­te auf dem Hoch­feld und die drei Mön­che kehr­ten zum Gast­wirt Min­ner zu­rück. Vor ih­rer Abrei­se im Früh­jahr hat er sie auf ei­ner Ta­fel ver­ewigt, die sein Gast­haus­schild wur­de. Der Gast­haus­na­me Drei Moh­ren sei vor al­lem im süd­deut­schen Raum nicht un­üb­lich: In Dinkelsbühl, Gar­misch-Par­ten­kir­chen, Mainz, auch in Karls­bad, Ba­sel und Linz gab oder gibt es Ho­tels oder Gast­hö­fe mit dem­sel­ben Na­men.

Seit dem Neubau des Gast­hofs 1723/24 schmü­cken die drei Ter­ra­kot­ta-Büs­ten der Drei Moh­ren die Fas­sa­de des Ho­tels. Sie sind heu­te, nach der Zer­stö­rung des Zwei­ten Welt­kriegs, die ein­zi­gen Zeu­gen des ers­ten Baus. Der Um­bau 1879 hat­te für Fu­ro­re ge­sorgt. Das Haus be­geis­ter­te mit sei­ner „Aus­stat­tung, die ih­res­glei­chen in ganz Eu­ro­pa sucht“, hieß es. Es war zu je­der Zeit ein mo­der­nes Haus, in dem man tech­nisch auf der Hö­he der Zeit war. So er­hielt es 1882 ei­ne der ers­ten Licht­an­la­gen Süd­deutsch­lands. Die­se Sen­sa­ti­on zog Be­su­cher aus München an. 1915 wur­de die Fon­tä­ne aus dem Licht­hof ent­fernt und durch Pflan­zen­kü­bel er­setzt.

Bei den Luft­an­grif­fen auf Augs­burg im Zwei­ten Welt­krieg war das Ho­tel zu ei­ner Rui­ne ge­wor­den. Trotz der Schä­den war es un­strit­tig, dass das Ho­tel wie­der auf­ge­baut wer­den müs­se. Erst 2012 wur­de es er­neut um­fas­send re­no­viert, um es zu mo­der­ni­sie­ren, aber auch, um Tra­di­tio­nen zu wah­ren.

Buch „Ho­tel Drei Moh­ren Augs­burg“. Seit 1722, Kai­ser Künst­ler Kauf­leu­te zu Gast. Hir­mer Ver­lag München, 336 Sei­ten

Die Kö­che vor ei­nem ih­rem kal­ten Bü­fetts in den 70er Jah­ren. Das ku­li­na­ri­sche An­ge­bot des Ho­tels hat über Jahr­hun­der­te hin­weg Gäs­te von nah und fern an­ge­zo­gen.

Der Pal­men­gar­ten mit Re­stau­rant als Post­kar­te (aus dem Jahr 1936 oder spä­ter). Der Licht­hof war ein be­lieb­ter Treff­punkt in Augs­burg. Auf den Hof mün­de­ten die meis­ten Zim­mer. Er galt als ei­ne grüne Oa­se in der Stadt.

Die­se ade­li­ge Ge­sell­schaft speis­te präch­tig im Tee­sa­lon. Das Aqua­rell wird Baltha­sar Cor­ne­li­us Koch zu­ge­schrie­ben (1781-1786).

Das Drei Moh­ren 1941 (Foto von Jo­seph Eschen­lohr). Das Ho­tel dien­te den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten als Ku­lis­se für ei­ne Flut von Mi­li­tär­auf­mär­schen.

Die Fern­sprech­ver­mitt­lung im Drei Moh­ren im Jahr 1956. Das Haus wur­de tech­nisch stets auf den neu­es­ten Stand ge­bracht.

Lo­ri­ot hin­ter­ließ die­sen Ein­trag im No­vem­ber 1971 im Gäs­te­buch.

Das Me­nü mit Fisch und Fleisch war selbst zu Kriegs­zei­ten ex­qui­sit.

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