102 Jah­re mit gu­ten Ge­nen und ei­ser­ner Dis­zi­plin

Ju­bi­lä­um Heu­te fei­ert die agi­le Min­ni Schae­fer aus der Ja­ko­ber­vor­stadt Ge­burts­tag. Sie sei lie­ber et­was ei­tel als schlam­pig, sagt sie

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON SIL­VIA KÄMPF

Je­des Jahr er­freu­en sich Tau­sen­de an Sil­ves­ter vor den Bild­schir­men am 90. Ge­burts­tag von Miss So­phie. Auch Wil­hel­mi­ne Schae­fer aus der Ja­ko­ber­vor­stadt amü­siert sich ger­ne über die Ka­prio­len von Fred­die Frin­ton be­zie­hungs­wei­se But­ler Ja­mes, wenn ihn der Ti­ger-Kopf ins Stol­pern bringt. Der klei­ne Un­ter­schied: Der An­lass die­ses welt­be­rühm­ten Din­ners liegt bei ihr schon zwölf Jah­re zu­rück. Sie selbst wird am heu­ti­gen Mon­tag stol­ze 102 Jah­re alt.

Für die­ses be­wun­derns­wer­te Al­ter, die Fit­ness und die geis­ti­ge Wach­heit macht die Ju­bi­la­rin meh­re­re Grün­de ver­ant­wort­lich: Die Ge­ne nennt sie als Ers­tes und be­tont: „Nicht nur gu­te, son­dern sehr gu­te Ge­ne.“Da die­se ei­ne Sa­che von „Got­tes Gna­de“sei­en, fehlt nur noch ihr ei­ge­ner Bei­trag. Und der heißt „ei­ser­ne Dis­zi­plin“. Ge­nau be­deu­tet das: Sie ha­be nie ge­raucht und nie Al­ko­hol ge­trun­ken, da­für aus­gie­big Sport – und zwar Ten­nis – ge­trie­ben. Denn sie ist da­von über­zeugt, dass man ein Le­ben lang „an sich ar­bei­ten“muss, um zu er­rei­chen, was ihr ge­lun­gen ist. So be­ginnt der Tag bei ihr mit gym­nas­ti­schen Übun­gen, bei de­nen sie sich schon im Bett dehnt und streckt, wie sie in ei­ner Tro­cken­übung am Stuhl im Wohn­zim­mer vor­macht.

Ihr Le­bens­ge­fähr­te, der sie lie­be­voll „Min­ni“nennt und 40 Jah­re jün­ger ist, ver­pack­te das Na­tu­rell sei­ner Part­ne­rin in fol­gen­des Kom­pli­ment: „Wer kann in dei­nem Al­ter über­haupt noch re­prä­sen­tie­ren“, soll er ein­mal zu ihr ge­sagt ha­ben. Und al­les an ihr ist, wie sie mit Stolz sa­gen kann, „echt“. Das vol­le, kup­fer­far­be­ne Haar ist „kei­ne Pe­rü­cke“, die glat­te, wie ge­bü­gel­te Haut ist un­ge­schminkt. Selbst im Fern­se­hen, wo sie in der Ver­gan­gen­heit des Öf­te­ren zu se­hen war, lässt sie sich in der Mas­ke nur mit Wim­pern­tu­sche be­han­deln. Sie ist der Mei­nung: „Lie­ber et­was ei­tel als schlam­pig.“

Min­ni Schae­fer ist seit Jah­ren Wit­we, Mut­ter ei­nes er­folg­rei­chen Soh­nes, 82, und ei­ner künst­le­risch ver­an­lag­ten Toch­ter, 72. Na­tür­lich sei es der Fa­mi­lie nach dem Krieg „dre­ckig“ge­gan­gen, er­zählt sie, er­wähnt aber auch die Kehrt­wen­de: „Es ging auch wie­der steil berg­auf.“Ihr heu­ti­ges Glück mit dem deut­lich jün­ge­ren Ger­hard Beyl führte sie bis nach Aus­tra­li­en zu ei­nem Gran­dSlam-Tur­nier. „Nein“, sagt sie, zu­frie­den sei sie nicht im­mer mit ihm. Aber das wä­re ih­rer Mei­nung nach „ja auch ir­gend­wie lang­wei­lig“.

Foto: Ruth Plös­sel

Wil­hel­mi­ne Schae­fer ist schon auf Weih­nach­ten ein­ge­stimmt. Heu­te wird aber erst ein­mal Ge­burts­tag ge­fei­ert. Sie wird 102 Jah­re alt.

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