Wenn die Ren­te nicht zum Le­ben reicht

Ge­sell­schaft Im­mer mehr Se­nio­ren ha­ben ei­nen Mi­ni­job – und das nicht nur zum Zeit­ver­treib. Vie­le wer­den sich im Al­ter ih­re Woh­nung trotz­dem kaum noch leis­ten kön­nen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg -

glaubt, dass sich die Si­tua­ti­on ver­schär­fen wird. Die Ge­werk­schaft for­dert da­her ei­ne Aus­wei­tung von Mo­del­len wie der Be­triebs­ren­te.

Rein­hold De­mel, Di­rek­tor der Ar­beits­agen­tur, be­rich­tet, dass auch die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig be­schäf­tig­ten Se­nio­ren steigt, al­so de­rer, die über 450 Eu­ro im Mo­nat ver­die­nen. In Augs­burg sind es fast 1000. Sie sei­en vor al­lem in Spe­di­tio­nen und La­gern tä­tig, meist bei Fir­men, wo sie vor­her ge­ar­bei­tet ha­ben. „Man­che Leu­te ar­bei­ten ger­ne wei­ter“, so De­mel.

Ins­ge­samt aber gilt: Im rei­chen Bay­ern steigt das Ri­si­ko, im Al­ter von Ar­mut be­droht zu sein. 22,4 Pro­zent der Men­schen über 65 wa­ren 2013 laut So­zi­al­be­richt der Staats­re­gie­rung ar­muts­ge­fähr­det; 2006 wa­ren es noch 17,6 Pro­zent. Wolf­gang Leichs, Lei­ter des Am­tes für So­zia­le Leis­tun­gen in Augs­burg, weiß: „Die Zahl der Rent­ner, die Grund­si­che­rung im Al­ter be­zie­hen, wächst lang­sam, aber ste­tig.“4350 Per­so­nen sind es au­gen­blick­lich. 2009 wa­ren es 3430. Die Dun­kel­zif­fer hal­ten Fach­leu­te für hoch. Vie­le Äl­te­re ge­hen aus Scham nicht zum Amt oder ken­nen ih­re Rech­te nicht. Leichs glaubt: „2030 wird es ein Pro­blem, wenn Men­schen Rent­ner wer­den, die zwar ar­bei­ten, aber nichts zu­rück­le­gen kön­nen.“Als ge­fähr­det gel­ten al­le, die auf Min­dest­lohn-Ni­veau job­ben, doch auch ta­rif­ge­bun­de­ne Bran­chen wie Ge­bäu­de­rei­ni­gung oder Fri­seur­hand­werk.

Im Mo­ment ist Al­ters­ar­mut weib­lich. Nach An­ga­ben des Pe­s­tel-In­sti­tuts sind zwei Drit­tel der über 65-Jäh­ri­gen, die Grund­si­che­rung be­zie­hen, Frau­en. Ur­sa­chen sind die ge­rin­ge­re Le­bens­ar­beit­zeit und die Be­schäf­ti­gung in schlech­ter be­zahl­ten Bran­chen. Ein Aus­bau der Ki­nEr au­ßen an­ge­strahlt, und zwar in den fran­zö­si­schen Lan­des­far­ben als Zei­chen der Ver­bun­den­heit nach den Ter­ror­an­schlä­gen von Pa­ris. der­be­treu­ung und die stär­ke­re An­rech­nung von Er­zie­hungs­pha­sen könn­ten dies än­dern. Doch das Ren­ten­ni­veau wird ins­ge­samt sin­ken. So geht das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um da­von aus, dass Ar­beit­neh­mer, die im­mer 2500 Eu­ro brut­to im Mo­nat ver­dien­ten und 35 Jah­re lang Voll­zeit ge­ar­bei­tet ha­ben, 2030 nur noch ei­ne Ren­te in Hö­he der Grund­si­che­rung er­hal­ten. Dies be­tref­fe 36 Pro­zent der Voll­zeit­be­schäf­tig­ten.

Ei­ne Fol­ge wird sein, dass vie­le Pro­ble­me be­kom­men, ih­re Mie­te zu zah­len. Die Ei­gen­tü­mer­quo­te von Se­nio­ren weist mit knapp 55 Pro­zent zwar ei­nen über­durch­schnitt­li­chen Wert auf. Dies dürf­te sich an­ge­sichts stei­gen­der Im­mo­bi­li­en­prei­se und wach­sen­der be­ruf­li­cher Mo­bi­li­tät aber än­dern. Stei­gen­de Ener­gie­und Un­ter­halts­kos­ten ma­chen es au­ßer­dem Ei­gen­tü­mern schwer, ih­ren Be­sitz zu (er-)hal­ten. Se­nio­ren wer­den al­so häu­fi­ger um­zie­hen müs­sen – gleich­zei­tig fehlt se­nio­ren­ge­rech­ter Wohn­raum. Das Pe­stelIn­sti­tut geht da­von aus, das bun­des­weit 2,5 Mil­lio­nen se­nio­ren­ge­rech­te Woh­nun­gen ge­schaf­fen wer­den müs­sen.

Das Amt für So­zia­le Leis­tun­gen ver­sucht be­reits jetzt, Se­nio­ren un­ter die Ar­me zu grei­fen. Es hat das Pro­jekt „Klei­ne Hil­fen“in­iti­iert, das zum Bei­spiel bei Re­pa­ra­tu­ren un­ter­stützt. Au­ßer­dem ist ei­ne Stel­le ge­plant, die mit­hil­fe eh­ren­amt­li­cher Wohn­raum­pa­ten Se­nio­ren be­rät – über För­der­mög­lich­kei­ten für bar­rie­re­frei­en Um­bau, aber auch über The­men wie Woh­nungs­tausch. Wer al­lein in ei­ner Drei-Zim­mer­Woh­nung in ei­nem Haus oh­ne Auf­zug lebt, er­wägt viel­leicht ei­nen Um­zug in ein güns­ti­ges se­nio­ren­ge­rech­tes Apart­ment. Da­von al­ler­dings gibt es in Augs­burg zu we­ni­ge.

die Fens­ter in je­weils an­de­ren Far­ben – auf un­se­rem Foto in war­mem Gelb. Die Ak­ti­on läuft bis Weih­nach­ten. Die­sen Frei­tag war au­ßer­dem die Rück­sei­te am Eli­as-Holl-Platz von

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