Lö­cher zei­gen ei­nen Plan des al­ten Bo­bin­gen

Archäo­lo­gie Gra­bungs­fun­de er­zäh­len vom Le­ben der Vor­fah­ren und ih­ren Häu­sern ent­lang der Hoch­stra­ße. Ein Rät­sel bleibt

Schwabmuenchner Allgemeine - - Raum Bobingen | Stauden - VON IN­GE­BORG AN­DER­SON

Bo­bin­gen „Nichts ist so dau­er­haft wie ein Loch“zi­tier­te der Archäo­lo­ge Lenn­art Lin­de sei­nen Pro­fes­sor und be­leg­te die­se schein­bar ab­sur­de Aus­sa­ge an­hand ei­nes Bo­den­be­fun­des auf dem Ge­län­de in Bo­bin­gens Stadt­mit­te: Brau­ne Ver­fär­bun­gen im Erd­reich wa­ren mal Lö­cher – Pfos­ten­lö­cher. Die Ver­fär­bung ent­steht durch das ver­rot­te­te Holz der Pfos­ten und ih­re An­ord­nung ver­rät den Stand­ort frü­her Ge­bäu­de und wie sie ur­sprüng­lich auf­ge­baut war.

Da­von und von an­de­ren Ge­schich­ten, die der Bo­den un­ter un­se­ren Fü­ßen er­zählt, han­del­ten zwei Vor­trä­ge an­läss­lich der Son­der­aus­stel­lung des Hei­mat­ver­eins D’Hoch­sträß­ler im Mu­se­um der al­ten Mäd­chen­schu­le. Lenn­art Lin­de, der seit zwei Jah­ren in Bo­bin­gen gräbt und Hanns Dietrich vom Baye­ri­schen Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge re­fe­rier­ten über Er­kennt­nis­se, die die Aus­gra­bun­gen über das Le­ben in Bo­bin­gen durch die Zei­ten – von der Jungstein­zeit bis ins 17. Jahr­hun­dert – ge­bracht hat­ten.

An­hand von Kar­ten zeig­te.Hanns Dietrich, dass be­son­ders auf der Hoch­ter­ras­se schon seit 7 500 Jah­ren ge­sie­delt wur­de. Hier­von zeu­gen Gr­ab­hü­gel­fel­der aus ver­schie­de­nen Zei­ten oder Ke­ra­mik­fun­de. „Die wich­tigs­te Pe­ri­ode für Gr­ab­fun­de in Bo­bin­gen war die Hall­stadt­zeit von 800 bis 522. Al­lein 20 Fun­de am He­xen­bergl und ein Wa­gen­grab bei Tre­vi­ra“, er­klär­te er. Im Bau­ge­biet Un­ter­feld, im Nor­den der Stadt, wur­den au­ßer­dem die Fun­da­men­te ei­nes mit 100 mal 100 Me­tern un­ge­wöhn­lich gro­ßen spät­rö­mi­schen Ka­s­tells ent­deckt.

Fas­zi­niert und mit ge­spann­ter Auf­merk­sam­keit ver­folg­ten gut 60 In­ter­es­sier­te die Aus­füh­run­gen. Et­wa wenn Lenn­art Lin­de ein le­ben­di­ges Bild vom früh­ge­schicht­li­chen Le­ben un­ter der jet­zi­gen Spar­kas­se und sei­nen neu­es­ten Er­kennt­nis­sen auf dem Deu­rin­gerGe­län­de be­rich­te­te. Hier konn­ten Gru­ben­häu­ser für hand­werk­li­che Tä­tig­kei­ten wie We­ben oder Schmie­den nach­ge­wie­sen wer­den.

Es hat sich ge­zeigt, dass sich die Sied­lung auch da er­streck­te, wo jetzt die Hoch­stra­ße ver­läuft. Was hier sonst noch ge­fun­den wur­de, bei­spiels­wei­se Rei­ter­spo­ren, weist dar­auf hin, dass hier wohl­ha­ben­de Men­schen von hö­he­rem Rang ge­lebt ha­ben – dort eben­so, wie im Burg­stall un­ter dem ehe­ma­li­gen Ge­bäu­de der Feu­er­wehr. Ein Stück Fa­den­glas und ein kunst­voll ge­ar­bei­te­ter und bunt gla­sier­ter Ke­ra­mik­be­cher aus dem 17. Jahr­hun­dert wei­sen dar­auf hin.

Die größ­te Neu­gier er­weck­te der Gold­ring, der in der Ab­fall­gru­be der Burg ge­fun­den wur­de. Er ist sehr kunst­voll ge­ar­bei­tet. Blü­ten bil­den die Run­dung, die von zwei Hän­den, die ein Herz hal­ten, ge­schlos­sen wird. In­nen deut­lich er­kenn­bar sind ein Herz und die Initia­len „AR.VG - D.V.A.W“ein­gra­viert – ei­ne Her­aus­for­de­rung für Hei­mat­for­scher in Ar­chi­ven und Ur­kun­den nach der mög­li­chen Be­sit­ze­rin zu su­chen.

Dar­über hin­aus hat­ten die Be­su­cher noch je­de Man­ge Fra­gen, die sie mit den Re­fe­ren­ten in an­ge­reg­ten Ge­sprä­chen dis­ku­tier­ten. Oder sie in­for­mier­ten sich auf den über­sicht­lich ge­stal­te­ten 32 Ta­feln, wel­che die Fund­or­te und Fund­stü­cke der Aus­stel­lung be­glei­ten.

„Die wich­tigs­te Pe­ri­ode für Gr­ab­fun­de in Bo­bin­gen war die Hall­stadt­zeit von 800 bis 522. Al­lein 20 Fun­de am He­xen­bergl und ein Wa­gen­grab bei Tre­vi­ra“

Hanns Dietrich

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