Pro­ble­me der Ver­gan­gen­heit

Schwabmuenchner Allgemeine - - Erste Seite - VON MAR­TIN FER­BER fer@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Er kam aus Hes­sen und sprach kein Wort Ara­bisch. Trotz­dem er­kann­te ihn das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) als sy­ri­schen Flücht­ling an. In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re geht da­von aus, dass der Fall Fran­co A. die ab­so­lu­te Aus­nah­me ist. Und doch sind die Er­geb­nis­se ei­ner in­ter­nen Un­ter­su­chung von 2000 po­si­ti­ven Asy­l­ent­schei­dun­gen er­schre­ckend, wur­den doch er­heb­li­che Män­gel und Feh­ler ent­deckt.

De Mai­ziè­re zieht die Kon­se­quen­zen die­ses er­kenn­ba­ren Be­hör­den­ver­sa­gens und will bis zu 100000 po­si­ti­ve Asy­l­ent­schei­de neu über­prü­fen las­sen. Das kommt in Wahl­kampf­zei­ten gut an, auch wenn das neue Pro­ble­me schafft. Das Bamf hat noch im­mer nicht al­le Asyl­an­trä­ge des Jah­res 2015 ab­ge­ar­bei­tet. Zu­dem sind nicht nur die po­si­ti­ven, son­dern auch die ne­ga­ti­ven Ent­schei­dun­gen oft feh­ler­haft, wie bei den Ge­richts­ver­fah­ren of­fen zu­ta­ge tritt. Erst recht sind die Fol­gen der Über­prü­fung un­ge­klärt: Was pas­siert mit den Flücht­lin­gen, de­nen der po­si­ti­ve Be­scheid ab­er­kannt wird? Ein neu­er An­sturm auf die Ge­rich­te ist so si­cher wie das Amen in der Kir­che. So schnell wird Deutsch­land die Pro­ble­me der Ver­gan­gen­heit nicht los.

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