„War­um muss der Schmarrn jetzt sein?“

Ski­sprin­gen Ei­ne Ver­let­zung er­schwert Se­ve­rin Freund den Weg zu den Olym­pi­schen Spie­len. Doch der bes­te deut­sche Ski­sprin­ger kann der Si­tua­ti­on so­gar et­was Gu­tes ab­ge­win­nen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Sport - VON ANDRE­AS KORNES

Augs­burg Ir­gend­wann im Le­ben stellt sich je­der Mensch die Fra­ge: War­um ich? Se­ve­rin Freund hat sie sich auch schon ge­stellt, wenn­gleich er sie ein biss­chen um­for­mu­liert hat: War­um muss der Schmarrn jetzt sein?, ha­be er sich ge­dacht, als die Ärz­te ihm En­de Ja­nu­ar sag­ten, in sei­nem rech­ten Knie sei das Kreuz­band ge­ris­sen.

Seit­dem ar­bei­tet Deutsch­lands bes­ter Ski­sprin­ger am Come­back. Mal wie­der. Denn die schwe­re Knie­ver­let­zung ist schon das zwei­te Ka­pi­tel der Lei­dens­ge­schich­te des Se­ve­rin Freund, das in­ner­halb kür­zes­ter Zeit ge­schrie­ben wird. In der vor­ver­gan­ge­nen Sai­son hat­te Freund un­ter ei­ner lä­dier­ten Hüf­te in­fol­ge ei­nes Stur­zes ge­lit­ten. Ei­ne Ope­ra­ti­on war nö­tig, der Som­mer der Re­ha ge­wid­met. Ge­ra­de ge­ne­sen, stürz­te Freund am 24. Ja­nu­ar beim Trai­ning in Oberst­dorf.

In­zwi­schen kann der 29-Jäh­ri­ge ganz ent­spannt von dem schwar­zen Tag er­zäh­len. „Re­la­tiv ko­misch“, sei das al­les ge­we­sen, „denn ich ha­be die Ver­let­zung im ers­ten Mo­ment gar nicht ge­checkt. Ich hat­te kei­ne Schmer­zen.“Wie ein Crash­test-Dum­my sei er nach der Lan­dung auf dem Bo­den auf­ge­schla­gen. „Ich ha­be zwar was im Knie ge­merkt, bin dann aber mit Trai­ner­hil­fe wie­der auf­ge­stan­den und weg­ge­gan­gen.“Ein biss­chen schwam­mig sei das Knie ge­we­sen, aber an­sons­ten un­auf­fäl­lig. Erst als dann der Arzt sag­te, dass es schlim­mer sei als be­fürch­tet, kam der Frust und die ein­gangs zi­tier­te Fra­ge an sich selbst.

Der Frust ging und Freund mach­te sich an die Ar­beit. Die Ope­ra­ti­on über­stand er gut. Aus der Rück­sei­te sei­nes Ober­schen­kels wur­de ei­ne Seh­ne ent­nom­men und an­stel­le des Kreuz­ban­des ein­ge­setzt. An­sons­ten hat­te das Knie den Sturz un­be­scha­det über­stan­den. Das ist doch was Gu­tes, sag­te sich Freund. Schnell hat­te der Op­ti­mist in ihm wie­der das Kom­man­do über­nom­men. Selbst dem Zeit­punkt der Ver­let­zung ge­wann er noch Gu­tes ab. „Für die lau­fen­de Sai­son ist es na­tür­lich blöd, denn die geht drauf. Aber ich wer­de recht­zei­tig wie­der fit sein für die Olym­pia­sai­son.“

Mo­ti­va­ti­on zieht er aus der „Er­in­ne­rung an Emo­tio­nen, wenn man rich­tig gut fliegt. Das will ich wie­der ha­ben und nicht die Emo­tio­nen nach ei­nem Sturz. Ski­sprin­gen kannst du spä­ter nicht ein­fach so als Hob­by wei­ter­ma­chen. Für Ski­sprin­gen ist jetzt die Zeit und da bin ich auf je­den Fall noch nicht fer­tig.“

Die Vier­schan­zen­tour­nee rund um den Jah­res­wech­sel könn­te aber noch zu früh kom­men. „Für mich sind die Olym­pi­schen Spie­le in Pyeong­chang und die Ski­flug-WM in Oberst­dorf pri­mär. Bis zur Tour­nee kann man noch nicht sa­gen, wo ich ste­he. Kann sein, dass ich dann schon in Form bin. Kann aber auch sein, dass ich noch ein biss­chen brau­che.“Bis­her ver­lau­fe der Hei­lungs­pro­zess sehr gut. Im All­tag hat Freund kei­ne Ein­schrän­kun­gen mehr. „Im Trai­ning mer­ke ich aber schon, dass rechts noch nicht so weit ist wie links. Aber das muss ich jetzt eben in den nächs­ten Wo­chen an­glei­chen.“In die­sen Ta­gen stellt er sein Trai­ning schritt­wei­se in Rich­tung Ski­sprung um: Knie­beu­gen, Sprün­ge, dy­na­mi­sche Übun­gen.

Wann Freund wie­der auf ei­ner Schan­ze steht, ist noch of­fen. Ir­gend­wann im Ju­li könn­te das Knie so weit sein. Wich­tig sei, der Un­ge­duld nicht nach­zu­ge­ben. Das ha­be er aus sei­ner schwe­ren Hüft­ver­let­zung ge­lernt. „Ich weiß, dass es zwi­schen­drin im­mer wie­der Zei­ten gibt, in de­nen man Ru­he ge­ben muss. Da muss man in­tel­li­gent agie­ren.“

Wer Freund kennt, weiß, dass er genau das ma­chen wird. Im­mer­hin steht ei­ne „sehr, sehr in­ter­es­san­te Sai­son“an. Freund war schon Ski­flug­welt­meis­ter und er war schon Olym­pia­sie­ger. Die Emo­tio­nen die­ser gro­ßen Sie­ge will er noch ein­mal er­le­ben. Von so ei­nem Schmarrn wie ei­nem Kreuz­band­riss wird er sich nicht auf­hal­ten las­sen.

Fo­to: dpa

Se­ve­rin Freund will zu den Olym­pi­schen Spie­len wie­der fit sein.

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