Da ist nicht nur Wut

Fuß­ball Was ein Fan wie Man­fred Bock aus Schwab­mün­chen zum Ab­stieg des TSV 1860 in die Dritt­klas­sig­keit sagt

Schwabmuenchner Allgemeine - - Raum Schwabmünchen - VON REIN­HOLD RAD­LOFF

Schwab­mün­chen Es ist ei­ne Mi­schung aus Wut und Ent­täu­schung, die Man­fred Bock aus Schwab­mün­chen be­wegt. Der Spiel­lei­ter des TSV Schwab­mün­chen sieht sich durch­aus auch als Stamm­fan des TSV 1860 Mün­chen. Mit des­sen 0:2-Nie­der­la­ge ge­gen Jahn Re­gens­burg im Re­le­ga­ti­ons­spiel um den Ver­bleib in der 2. Bun­des­li­ga sei viel in dem Ver­ein ka­putt ge­gan­gen. Doch Bock kann der Dritt­klas­sig­keit auch et­was Gu­tes ab­ge­win­nen.

Trai­ner Vi­tor Pe­rei­ra dürf­te weg sein. Ge­schäfts­füh­rer Ian Ay­re, erst vor we­ni­gen Wo­chen vom FC Li­ver­pool ge­kom­men, war schon am Mor­gen vor dem Spiel zu­rück­ge­tre­ten und nicht ein­mal im Sta­di­on. Prä­si­dent Peter Cas­sa­let­te stell­te sein Amt nach dem Spiel zur Ver­fü­gung. In­ves­tor Ha­san Is­ma­ik, der in drei Jah­ren an­geb­lich 60 Mil­lio­nen Eu­ro in den Ver­ein ge­pumpt hat, ging auf Tauch­sta­ti­on. Und dann noch die Ran­da­le der Fans wäh­rend des Spiels. Die schlech­ten Nach­rich­ten beim TSV 1860 Mün­chen über­schla­gen sich nach dem Ab­stieg in die 3. Li­ga und auf den Tag genau zwölf Jah­re nach Er­öff­nung der Al­li­anz-Are­na.

Man­fred Bock ist be­stürzt. „Ich wur­de schon mit dem blau­en Schal um den Hals ge­bo­ren“, sagt er und be­kennt: „Ich ha­be schon al­les mit die­sem Ver­ein mit­ge­macht. Aber jetzt liegt er auf der In­ten­siv­sta­ti­on.“Der Un­ter­gang be­gann sei­ner Mei­nung nach mit Spon­sor Kar­lHeinz Wild­mo­ser. „Seit­dem ist bei den han­deln­den Per­so­nen viel schief ge­lau­fen. Wir la­den die Leu­te ein, uns Schei­ße aufs Au­ge zu drü­cken. Zum Bei­spiel kauf­ten die 60er Spie­ler für viel Geld, die kei­ner vor­her an­ge­schaut hat und die nie im Ka­der wa­ren. Aber Haupt­sa­che, die Spie­ler­be­ra­ter ha­ben sich die Ta­schen ge­füllt.“

So ei­ni­ges an Schmä­hun­gen und Spott hat sich Bock nach dem Spiel von sei­nen meist ro­ten und gelb­schwar­zen Freun­den ge­fal­len las­sen müs­sen. „Als 60er-Fan ist man lei­dens­fä­hig und viel ge­wöhnt“, sagt er und be­fürch­tet, dass sich sei­ne Mann­schaft von dem Ab­stieg nicht so schnell er­holt: „Das wird ganz schwer in der 3. Li­ga.“Der Nie­der­gang der Ers­ten ist ja nicht der ein­zi­ge Tief­punkt. Die U19 und U17, einst Prunk­stü­cke des Ver­eins, sind auch ab­ge­stie­gen. „Und es steht zu be­fürch­ten, dass die Zwei­te ab­ge­mel­det wer­den muss. Das wä­re scha­de. Dann wür­de uns in der Bay­ern­li­ga ein tol­les Spiel ver­lo­ren ge­hen.“Wer­den die­se Er­eig­nis­se sein Le­ben ver­än­dern? „Nein, im Ge­gen­teil: Ich hof­fe, dass die­ser Tief­punkt ein Neu­an­fang wird. Ein­mal Löwe, im­mer Löwe.“

Fo­to: Rein­hold Rad­loff

Ein Auf und Ab er­lebt Micha­el Bock mit 1860 Mün­chen. Das blaue Tri­kot mit Ori­gi nal­un­ter­schrif­ten bleibt auch jetzt sein Stolz.

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