Kein Ab­schied

Po­li­zei Hel­mut Kle­ber sagt nach 42 Di­enst­jah­ren nur „auf Wie­der­se­hen“

Schwabmuenchner Allgemeine - - Raum Bobingen | Stauden - VON PITT SCHURIAN

Bobingen Der bis­he­ri­ge Vi­ze­chef der Po­li­zei­in­spek­ti­on Bobingen hat am gest­ri­gen Mitt­woch von sei­nen Kol­le­gen kei­nen Ab­schied ge­nom­men. Nein, ei­nen Ab­schied soll es beim Wech­sel in den Ru­he­stand nicht ge­ben, sag­te Hel­mut Kle­ber. Viel­mehr wünsch­te er sich ein „Wie­der­se­hen“. Als Kol­le­ge und Bo­bin­ger Bür­ger blei­be er der In­spek­ti­on wei­ter­hin eng ver­bun­den.

In den 42 Jah­ren im Po­li­zei­dienst ha­be er viel er­lebt. Ins­ge­samt sei es ei­ne sehr gu­te Zeit ge­we­sen. Ei­gent­lich soll­te Hel­mut Kle­ber ja im hei­mat­li­chen Raum in Ba­den Würt­tem­berg Bank­kauf­mann wer­den, aber als jun­ger Mann woll­te er weg und et­was er­le­ben. Da­her ging er 1975 zur Po­li­zei. „Es stell­te sich her­aus: Der Po­li­zei­be­ruf ist für mich Be­ru­fung,“sagt Kle­ber im Rück­blick.

Si­cher, der Schicht­dienst sei an­stren­gend ge­we­sen, Ein­sät­ze brach­ten man­che Ver­let­zung mit sich, doch es über­wog die Er­fah­rung, et­was Sinn­vol­les zu tun, wel­ches von der Mehr­heit der Ge­sell­schaft auch ge­ach­tet wird. Kle­ber: „Ich weiß, es war gut.“

Lan­ge Zeit war Kle­ber bei Di­enst­stel­len in Augs­burg tä­tig. Hier er­leb­te er Tie­fen und Hö­hen. „Ich hat­te im­mer ge­hofft, mir mö­ge er­spart wer­den, ei­nen Amok­lauf zu er­le­ben oder die To­des­nach­richt von ei­nem Kol­le­gen über­brin­gen zu müs­sen. Doch bei­des blieb ihm nicht er­spart.

Ein schö­nes Er­leb­nis sei es hin­ge­gen ge­we­sen, wie sich ei­ne gan­ze In­spek­ti­on um ei­nen zehn­jäh­ri­gen Bu­ben ge­küm­mert ha­be. Kle­ber war da­mals Di­enst­grup­pen­lei­ter in Haun­stet­ten, als die dor­ti­ge In­spek­ti­on von ei­nem klei­nen tür­ki­schen Bu­ben er­fuhr, der hilf­los auf der Stra­ße stand. Die El­tern wa­ren über Nacht ver­reist, die gro­ße Schwes­ter soll­te sich um das Kind küm­mern, doch sie kam nicht nach Hau­se. Spä­ter stell­te sich her­aus, sie hat­te ih­ren Bru­der ganz ver­ges­sen und war die Nacht über eben­falls von Zu­hau­se fern­ge­blie­ben. Strei­fen­be­am­te brach­ten den Bu­ben auf die Di­enst­stel­le, ver­pfleg­ten ihn und rich­te­ten ihm ei­ne pro­vi­so­ri­sche Bett­statt. Zwi­schen­zeit­lich klär­ten sie den Sach­ver­halt und be­ru­hig­ten am Te­le­fon die Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen, bei de­nen na­tür­lich größ­te Auf­re­gung aus­brach.

„Am Mor­gen früh­stück­ten wir mit dem Bu­ben. Kol­le­gen hat­ten ei­gens Sem­meln und Ka­ba mit­ge­bracht. Dann brach­ten wir ihn auch noch zur Schu­le“, er­in­nert sich Kle­ber.

Auch in den letz­ten vier Di­enst­jah­ren in Bobingen über­wo­gen sei­ne po­si­ti­ven Er­fah­run­gen. Hier war Kle­ber stark mit or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­ga­ben be­traut. Das ha­be eben­falls Rei­ze, sagt er: „Als Vor­ge­setz­ter war es mir im­mer ei­ne Freu­de mit­er­le­ben zu kön­nen, wie sich jun­ge Kol­le­gen wei­ter­ent­wi­ckeln.“Die gu­ten Kon­tak­te, da ist er si­cher, blei­ben be­ste­hen. Dar­um sa­ge er nur „auf Wie­der­se­hen“.

Fo­to: Pitt Schurian

Auch noch an sei­nen letz­ten Ar­beits­ta­gen hat­te Hel­mut Kle­ber ei­nen vol­len Schreib­tisch. Von lang­sa­mem Aus­klin­gen bei der Ar beit hält er nichts.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.