Asyl­be­wer­ber er­sticht Fünf­jäh­ri­gen

Kri­mi­na­li­tät In ei­nem Flücht­lings­heim tö­tet ein Mann aus Af­gha­nis­tan ein klei­nes Kind. Der 41-Jäh­ri­ge ist ein Straf­tä­ter, der jah­re­lang in Haft saß. Und der des­halb ei­ne Fuß­fes­sel trug

Schwabmuenchner Allgemeine - - Bayern - VON ANDREA KÜMPFBECK

Arn­schwang Un­fass­ba­re Blut­tat in ei­ner Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft im Baye­ri­schen Wald: Ein 41 Jah­re al­ter Af­gha­ne brach­te am Sams­tag ei­nen fünf Jah­re al­ten Bu­ben in sei­ne Ge­walt – und ver­letz­te ihn mit Mes­ser­sti­chen töd­lich. Das Kind starb noch am Tat­ort. Auch die Mut­ter des Bu­ben, ei­ne 47-jäh­ri­ge Asyl­be­wer­be­rin aus Russ­land, griff der Mes­ser­ste­cher an. Sie über­leb­te die Atta­cke schwer ver­letzt. Die Po­li­zei konn­te den An­grei­fer nicht stop­pen, sie gab acht Schüs­se auf den Mann ab. Er starb durch ei­nen Schuss in die Brust.

Am Mon­tag wur­de be­kannt, dass der Tä­ter, der in der Flücht­lings­un­ter­kunft im ober­pfäl­zi­schen Arn­schwang (Kreis Cham) den Bu­ben er­mor­det hat, ein ver­ur­teil­ter Straf­tä­ter war. Er trug ei­ne elek­tro­ni­sche Fuß­fes­sel. Das teil­ten die Staats­an­walt­schaft Re­gens­burg und das Po­li­zei­prä­si­di­um Ober­pfalz in ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­er­klä­rung mit. Der 41-jäh­ri­ge Af­gha­ne war als ge­dul­de­ter Asyl­be­wer­ber re­gis­triert.

Er war nach In­for­ma­tio­nen der Mit­tel­baye­ri­schen Zei­tung im No­vem­ber 2005 ins Bun­des­ge­biet ein- Mit Be­scheid der Stadt Mün­chen sei er am 13. Ju­li 2011 aus Deutsch­land aus­ge­wie­sen wor­den. Der Grund: ei­ne Ver­ur­tei­lung we­gen schwe­rer Brand­stif­tung. Das Land­ge­richt Mün­chen I hat­te ge­gen den Mann im Ok­to­ber 2009 ei­ne Frei­heits­stra­fe von fünf Jah­ren und zehn Mo­na­ten aus­ge­spro­chen.

Nach­dem der Mann er­folg­reich ge­gen sei­ne Ab­schie­bung ge­klagt hat­te, sei 2014 ein Ab­schie­be­ver­bot ver­hängt wor­den, teil­te die Re­gie­rung der Ober­pfalz mit. Der Mann ha­be da­mals er­klärt, er sei zum Chris­ten­tum kon­ver­tiert und müs­se in sei­ner Hei­mat um sein Le­ben fürch­ten.

Nach sei­ner Haft­ent­las­sung 2015 kam der 41-Jäh­ri­ge in dem Asyl­be­wer­ber­heim in Arn­schwang un­ter. Es kam zu ei­ner wei­te­ren Ver­ur­tei­lung – dies­mal we­gen „Er­schlei­chens von Leis­tun­gen“bei ei­ner Bahn­fahrt im Fe­bru­ar 2016, al­so we­gen Schwarz­fah­rens. Dies­mal wur­de ei­ne Geld­stra­fe ver­hängt.

We­gen der Ver­ur­tei­lung als Brand­stif­ter stand der Af­gha­ne un­ter so­ge­nann­ter Füh­rungs­auf­sicht. Per ge­richt­li­chem Be­schluss wur­de ihm auf­er­legt, sich le­dig­lich im Um­ge­reist. feld der ihm zu­ge­wie­se­nen Asyl­un­ter­kunft auf­zu­hal­ten. Um dies zu kon­trol­lie­ren, trug er die elek­tro­ni­sche Fuß­fes­sel.

Die ge­nau­en Hin­ter­grün­de der Tat sind wei­ter­hin un­klar. Die schwer ver­letz­te Mut­ter des ge­tö­te­ten Kin­des be­fin­det sich in sta­tio­nä­rer Be­hand­lung. Sie hat bei der Aus­ein­an­der­set­zung schwe­re, je­doch nicht le­bens­be­droh­li­che Schnitt­ver­let­zun­gen er­lit­ten. Sie ist der­zeit nach An­ga­ben der Po­li­zei nicht ver­neh­mungs­fä­hig. „Es kann da­her noch nicht ab­schlie­ßend ge­sagt wer­den, in wel­chem Ver­hält­nis sie zu dem 41-Jäh­ri­gen stand und wes­halb es zu der Aus­ein­an­der­set­zung kam“, heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung.

Der sechs Jah­re al­te Bru­der des ge­tö­te­ten Bu­ben sah die Sze­ne mit an und er­litt ei­nen schwe­ren Schock. Wei­te­re Men­schen – dar­un­ter ei­ner der Po­li­zis­ten – tru­gen eben­falls ei­nen Schock da­von. Im Hin­blick auf die töd­li­chen Schüs­se geht die Staats­an­walt­schaft bis­her von ei­ner Not­hil­fe­si­tua­ti­on aus. Die Er­mitt­lun­gen we­gen des Schuss­waf­fen­ge­brauchs führt das Lan­des­kri­mi­nal­amt. Es wird im­mer hin­zu­ge­zo­gen, wenn Po­li­zis­ten im Ein­satz die Waf­fe be­nut­zen. (mit dpa)

Fo­to: Ar­min Wei­gel, dpa

War­um brach­te ein 41 jäh­ri­ger Af­gha­ne ei­nen fünf­jäh­ri­gen Bu­ben um? Die Po­li­zei er mit­telt, die Hin­ter­grün­de der Tat sind noch un­klar.

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