Schwe­rer Raub mit fal­scher Waf­fe

Justiz Am Augs­bur­ger Land­ge­richt gab es zu­letzt zwei Ver­hand­lun­gen um Räuber, die mit Sof­ta­ir-Pis­to­len vor­gin­gen. Die­se ver­schie­ßen per Luft­druck Plas­tik­ku­geln und se­hen echt aus. Im­mer wie­der ru­fen sie die Po­li­zei auf den Plan

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON JAN KANDZORA

Die Sof­ta­ir-Waf­fe, die der Mann bei sich trug, äh­nel­te ei­ner Pis­to­le des Her­stel­lers Sig Sau­er, Typ 226. Sie sah so echt aus, dass nun ein Po­li­zei­be­am­ter als Zeu­ge vor Ge­richt aus­sag­te, auch er hät­te den Un­ter­schied nicht be­mer­ken kön­nen. Die Si­tua­ti­on, um die es ging: Ein Raub­über­fall An­fang Sep­tem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res. Ein heu­te 32-Jäh­ri­ger soll da­mals den Geld­bo­ten ei­ner Bä­cke­rei vor der Au­gus­ta-Bank in der Schieß­gra­ben­stra­ße ab­ge­passt und ihn mit der Sof­ta­ir-Waf­fe be­droht ha­ben, um so an die Wo­che­n­end­ein­nah­men der Bä­cke­rei in Hö­he von 70 000 Eu­ro zu ge­lan­gen.

So steht es in der An­kla­ge. Ak­tu­ell läuft der Pro­zess noch vor der drit­ten Straf­kam­mer des Augs­bur­ger Land­ge­rich­tes, der 32-Jäh­ri­ge hat die Tat am ers­ten Ver­hand­lungs­tag be­reits ge­stan­den. Es ist nicht der ers­te Pro­zess die­ser Ta­ge, in dem ein Mann an­ge­klagt war, der mit ei­ner Sof­ta­ir-Pis­to­le auf Raub­zug ge­gan­gen war. Be­reits Mit­te Mai hat­te sich ein 25-Jäh­ri­ger vor dem Augs­bur­ger Land­ge­richt ver­ant­wor­ten müs­sen. Er hat­te im Fe­bru­ar 2015 mit Schal und Ka­pu­ze ver­mummt in ei­ner Tank­stel­le 320 Eu­ro er­beu­tet und es mit der Ma­sche spä­ter in ei­ner Bä­cke­rei ver­sucht, dort al­ler­dings kei­nen Er­folg ge­habt – ein un­er­schro­cke­ner Bä­cker­meis­ter ver­trieb ihn.

Bei Sof­ta­ir-Waf­fen han­delt es sich um Pis­to­len oder Ge­weh­re, die mit Gas­druck Plas­tik­ku­geln ver­schie­ßen. Ei­ni­ge sind op­ti­sche Imi­ta­te ech­ter Schuss­waf­fen, an­de­re nicht. Ob und wer ei­ne Sof­ta­ir-Waf­fe be­sit­zen und füh­ren darf, hängt auch da­von ab, mit wel­cher Ener­gie die Plas­tik­ku­geln ver­schos­sen wer­den. Sof­ta­ir-Waf­fen mit ei­ner Schus­s­ener­gie von bis zu 0,5 Joule dür­fen auch von Ju­gend­li­chen er­wor­ben wer­den. Ähn­li­che Pro­duk­te mit ei­ner Schus­s­ener­gie von 0,5 bis ma­xi­mal 7,5 Joule sind nur für Er­wach­se­ne frei ver­käuf­lich.

Un­ab­hän­gig von der Schus­s­ener­gie gilt: Han­delt es sich um so­ge­nann­te An­schein­waf­fen, al­so Pis­to­len oder Ge­weh­re, die täu­schend echt aus­se­hen, dür­fen sie nicht öf­fent­lich mit­ge­führt wer­den. Es dro­hen sonst Geld­bu­ßen. Ge­ra­de die­ser Punkt al­ler­dings be­schäf­tigt re­gel­mä­ßig die Po­li­zei. Im April ver­gan­ge­nen Jah­res et­wa stopp­ten Be­am­te ei­ne Stra­ßen­bahn in der In­nen­stadt, weil sie den Ver­dacht hat­ten, dass in ihr ein Mann mit ei­ner Pis­to­le sitzt. Tat­säch­lich han­del­te es sich um ei­ne Sof­ta­ir-Waf­fe. Im De­zem­ber be­ob­ach­te­te ein Zeu­ge, wie ein Mann ein Ge­wehr aus dem Kof­fer­raum ei­nes Au­tos nahm und sich in ein Wald­stück in der Wolf­zahnau be­gab. Der Zeu­ge alar­mier­te die Po­li­zei, die dem Mann die Sof­ta­ir-Waf­fe ab­nahm. Im Mai han­tier­ten ein Mann und ei­ne Frau na­he des Lechs mit Sof­ta­ir-Waf­fen, auch hier rie­fen be­sorg­te Zeu­gen die Po­li­zei, die da­nach die Waf­fen si­cher­stell­te.

Von der Po­li­zei heißt es, dass man zwar im­mer wie­der mit ver­gleich­ba­ren Fäl­len kon­fron­tiert wer­de, ei­ne Zu­nah­me oder ein Trend in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aber nicht zu be­ob­ach­ten sei. Es ber­ge aber ein ge­wis­ses Ge­fah­ren­po­ten­zi­al, mit ei­ner sol­chen Waf­fe her­um­zu­lau­fen, eben weil auch für Po­li­zis­ten nicht auf den ers­ten Blick er­kenn­bar sei, ob es sich um ei­ne ech­te han­de­le. Aus ei­ner harm­lo­sen Si­tua­ti­on kann so un­ver­mit­telt ei­ne ge­fähr­li­che wer­den.

Wenn Kri­mi­nel­le mit sol­chen An­schein­waf­fen bei Raub­über­fäl­len dro­hen, kön­nen sie des­we­gen auf der An­kla­ge­bank üb­ri­gens nicht auf Mil­de hof­fen. Ent­schei­dend ist die Be­dro­hungs­wir­kung, die von der Waf­fe aus­geht, ob echt oder nicht. Der Räuber, der mit ei­ner Sof­tairWaf­fe ei­ne Tank­stel­le über­fiel und dies auch in ei­ner Bä­cke­rei ver­such­te, muss­te für vier Jah­re und sie­ben Mo­na­te ins Ge­fäng­nis.

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