Fu­si­ons Be­geh­ren: Ei­ni­gung in Sicht

De­mo­kra­tie Vor zwei Jah­ren noch lehn­te der Stadt­rat die Fra­ge des Stadt­wer­ke-Bür­ger­be­geh­rens als un­recht­mä­ßig ab. Nach ei­nem Ge­richts­ur­teil könn­te es nun sein, dass sich das Gre­mi­um den In­halt des Be­geh­rens zu ei­gen macht

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON STE­FAN KROG

Gut zwei Jah­re, nach­dem der Augs­bur­ger Stadt­rat das ers­te Bür­ger­be­geh­ren ge­gen die Ener­gie­fu­si­on von Stadt­wer­ken und Erd­gas Schwa­ben aus recht­li­chen Grün­den zu­rück­wies, könn­te es nun sein, dass das Gre­mi­um die Rol­le rück­wärts macht. Mög­li­cher­wei­se wird der Stadt­rat in sei­ner Ju­ni-Sit­zung das Bür­ger­be­geh­ren nach­träg­lich für zu­läs­sig er­klä­ren und sich den In­halt gleich­zei­tig zu ei­gen ma­chen und be­schlie­ßen. Die­se Mög­lich­keit stell­te Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Gribl (CSU) den Initia­to­ren des Be­geh­rens als ei­ne von zwei Mög­lich­kei­ten bei ei­nem Gespräch in Aus­sicht.

In der Pra­xis wä­re das nur ein for­mel­ler Akt, weil die da­mals vom Re­gie­rungs­bünd­nis ge­woll­te Ener­gie­fu­si­on durch ein zwei­tes Bür­ger­be­geh­ren mit recht­lich nicht be­an­stan­de­ter Fra­ge­stel­lung ge­stoppt wur­de. Al­ler­dings wür­den der Stadt­rat und Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Gribl (CSU) da­mit of­fen ein­ge­ste­hen, vor zwei Jah­ren mit ih­rer recht­li­chen Ein­schät­zung da­ne­ben­ge­le­gen zu ha­ben. Bis auf sechs Stadt­rä­te wa­ren da­mals al­le Stadt­rä­te der Emp­feh­lung der Ver­wal­tung ge­folgt, das Be­geh­ren ab­zu­leh­nen.

Wie be­rich­tet, hat der Ver­wal­tungs­ge­richt­hof (an­ders als das Augs­bur­ger Ver­wal­tungs­ge­richt in ers­ter In­stanz) vor Kur­zem ent­schie­den, dass die da­ma­li­ge Zu­rück­wei­sung des Be­geh­rens, das mehr als 13 000 Un­ter­stüt­zer­un­ter­schrif­ten hat­te, wi­der­recht­lich war. Die Stadt ha­be wohl ei­ne „zu en­ge Be­trach­tungs­wei­se“ge­habt, die „den Be­son­der­hei­ten des ple­bis­zi­tä­ren Ent­schei­dungs­pro­zes­ses auf der kom- mu­na­len Ebe­ne nicht ge­recht wird“, so die Rich­ter des Se­nats. In­so­fern sei­en die Hür­den zu hoch ge­legt wor­den. Die Stadt war der Auf­fas­sung, dass die Be­grün­dung des Bür­ger­be­geh­rens ir­re­füh­rend war, weil dar­in die Trink­was­ser­spar­te der Stadt­wer­ke, die aber nicht fu­sio­niert hät­te wer­den sol­len, mit­erwähnt war. Das Ge­richt stell­te un­ter an­de­rem klar, dass ei­ne Be­grün­dung nicht nach­weis­lich falsch sein dür­fe, an­sons­ten aber durch­aus sub­jek­tiv ge­färbt sein dür­fe.

Mit­te die­ser Wo­che tra­fen sich Gribl und die Initia­to­ren des Bür­ger­ent­scheids rund um den AttacAk­ti­vis­ten Bru­no Mar­con zu ei­nem Gespräch. Denn mit dem Ur­teil könn­te die Bür­ger­initia­ti­ve auch auf die Durch­füh­rung ei­nes Bür­ger­ent­scheids ge­mäß der ers­ten (ab­ge­lehn­ten) Fra­ge „Sind Sie da­für, dass die Stadt­wer­ke Augs­burg Hol­ding Gm­bH und ih­re Töch­ter Ener­gie Gm­bH, Was­ser Gm­bH, Ver­kehrs Gm­bH und Net­ze Augs­burg Gm­bH in voll­stän­di­gem Ei­gen­tum der Stadt Augs­burg blei­ben?“be­ste­hen. Die Fra­ge­stel­lung zur Fu­si­on, über die vor zwei Jah­ren ab­ge­stimmt wur­de („Sind Sie da­für, dass ei­ne Fu­si­on der Ener­gie­spar­te der Stadt­wer­ke Augs­burg mit Erd­gas Schwa­ben un­ter­bleibt?“), war we­ni­ger weit­rei­chend. Of­fen­bar wol­len die Initia­to­ren aber kei­nen zwei­ten Bür­ger­ent­scheid.

Statt­des­sen wür­den sie ei­nen Be­schluss des Stadt­rats be­grü­ßen, wie ihn Gribl als Mög­lich­keit sieht. „Der Stadt­rat wür­de ein Zei­chen set­zen, und zwar so­wohl was die Zu­läs­sig­keit als auch was In­hal­te be­trifft“, so Mar­con. Als Al­ter­na­ti­ve hat die Stadt vor­ge­schla­gen, ih­re schon nach dem Bür­ger­ent­scheid ab­ge­ge­be­ne Er­klä­rung zu be­kräf­ti­gen, dass bei den Stadt­wer­ken ei­ne Fu­si­on oder Pri­va­ti­sie­rung kein The­ma sei. Dies reicht der Bür­ger­initia­ti­ve aber nicht.

Bei­de Sei­ten spra­chen auf Nach­fra­ge von ei­ner gu­ten Ge­sprächs­at­mo­sphä­re. Gribl sagt, dass die Stadt das Ur­teil ak­zep­tie­re und nicht ver­su­chen wer­de, es an­zu­fech­ten. Viel­mehr lie­fe­re es Ori­en­tie­rung für die künf­ti­ge Beur­tei­lung von Fra­ge­stel­lun­gen bei Bür­ger­be­geh­ren.

Archivfoto: Sil­vio Wyzsen­grad

Stan­den sich vor zwei Jah­ren als Geg­ner ge­gen­über: Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Gribl (links) und Bür­ger­be­geh­rens Initia­tor Bru­no Mar­con am Abend des Stadt­wer­ke Bür­ger­ent­scheids im Rat­haus.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.