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Gestal­tung Ob Put­zen oder Pla­ka­tie­ren: Mie­ter dür­fen frei über ih­re Fens­ter ver­fü­gen. Es gibt nur we­ni­ge Aus­nah­men

Schwabmuenchner Allgemeine - - Immo-börse - tmn

es um die Fens­ter geht, ha­ben Mie­ter weit­ge­hend freie Hand. Ver­mie­ter kön­nen sie zum Bei­spiel nicht ver­pflich­ten, Gar­di­nen oder Rol­los an­zu­brin­gen. Nach ei­nem Ur­teil des Amts­ge­richts Bremerhaven (Az.: 5 C 1847/77 b) ist dies ein­zig und al­lein die Ent­schei­dung des Mie­ters.

„Auch zur Rei­ni­gung von in­nen an­ge­brach­ten Gar­di­nen oder Ja­lou­si­en kann der Mie­ter nicht ver­pflich­tet wer­den“, sagt Ju­lia Wa­gner von Haus & Grund Deutsch­land. In­di­vi­du­ell könn­ten sol­che Ver­pflich­tun­gen aber durch­aus ver­ein­bart wer­den, er­klärt Rolf Jan­ßen vom DMB Mie­ter­schutz­ver­ein in Frank­furt am Main.

Grund­sätz­lich darf ein Mie­ter auch ein Pla­kat in sein Fens­ter hän­gen – es sei denn, dies wird per Miet­ver­trag aus­drück­lich un­ter­sagt. „Al­ler­dings muss hier­bei im­mer im Ein­zel­fall ge­prüft wer­den, ob die Pla­ka­tie­rung ver­trags­wid­rig ist“, sagt Jan­ßen. Pla­ka­te mit po­li­ti­schen Äu­ße­run­gen sind nach ei­nem Ur­teil des Land­ge­richts Aa­chen (Az.: 7 S 294/87) eben­falls zu­läs­sig – so­weit kein ver­trag­li­ches Ver­bot vor­liegt. Al­ler­dings gibt es auch Gren­zen. So dür­fen et­wa kei­ne volks­ver­het­zen- den Sym­bo­le oder be­lei­di­gen­de Auf­schrif­ten an­ge­bracht wer­den.

Prin­zi­pi­ell kann der Mie­ter die Fens­ter­bän­ke so ge­stal­ten, wie er möch­te – zu­min­dest in­nen. Al­ler­dings muss er dar­auf ach­ten, dass Be­schä­di­gun­gen wie et­wa Was­ser­schä­den durch Blu­men­töp­fe un­ter­blei­ben. „An­dern­falls ist er zum Scha­den­er­satz ver­pflich­tet“, er­klärt An­nett En­gel-Lind­ner vom Im­mo­bi­li­en­ver­band Deutsch­land IVD.

Au­ßen­lie­gen­de Fens­ter­bret­ter: kei­ne kla­re Rechts­la­ge

Die Fra­ge, ob Au­ßen­fens­ter­bret­ter mit­ver­mie­tet sind oder nicht, wird von den Ge­rich­ten un­ter­schied­lich be­ur­teilt. Das Land­ge­richt Ber­lin et­wa sieht Fens­ter­bret­ter als nicht mit­ver­mie­tet an (Az.: 67 S 370/09). Da­nach kann der Mie­ter nur mit Ge­neh­mi­gung des Ver­mie­ters et­wa Blu­men­töp­fe dort plat­zie­ren. „Meh­re­re Ge­rich­te ur­tei­len aber auch, dass das An­brin­gen et­wa von Blu­men­käs­ten an den Au­ßen­fens­ter­bret­tern zum nor­ma­len Miet­ge­brauch ge­hört“, er­klärt Wa­gner mit Blick auf ei­ne Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Köln (Az: 19 U 201/93). „Grund­sätz­lich müs­sen Blu­men­käs­ten aber ge­gen Her­a­bWenn fal­len aus­rei­chend ge­si­chert sein“, be­tont En­gel-Lind­ner.

Der Ver­mie­ter kann dem Mie­ter nicht vor­schrei­ben, wie oft er die Fens­ter ein­schließ­lich der Rah­men zu put­zen hat. „Da­hin­ge­hen­de Klau­seln im Miet­ver­trag wä­ren un­wirk­sam“, er­klärt Jan­ßen. Ob der Mie­ter die Fens­ter vor sei­nem Aus­zug rei­ni­gen muss, hängt da­von ab, was im Miet­ver­trag ver­ein­bart wur­de. „Ist hier­zu nichts ge­re­gelt, dann ist das Fens­ter­put­zen vor dem Aus­zug kei­ne Pflicht“, er­klärt En­gelLind­ner und ver­weist auf ein Ur­teil des Land­ge­richts Ber­lin (Az.: 63 S 213/15).

Bei ei­ner Ver­pflich­tung zur „be­sen­rei­nen Über­ga­be der Miet­woh­nung“muss der Mie­ter nach ei­nem Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs (Az.: VIII ZR 124/05) nur gro­be Ver­schmut­zun­gen be­sei­ti­gen. „So muss er et­wa Spinn­we­ben an den Fens­tern ent­fer­nen“, sagt En­gel-Lind­ner. Muss laut Miet­ver­trag die Woh­nung „im sau­be­ren Zu­stand“zu­rück­ge­ge­ben wer­den, dann kann sich dar­aus ei­ne Pflicht zum Fens­ter­put­zen beim Aus­zug er­ge­ben. Nach ei­nem Ur­teil des Amts­ge­richts Aa­chen (Az.: 6 C 352/07) dür­fen die Fens­ter nicht ver­schmutzt sein, ei­ne aus­gie­bi­ge Rei­ni­gung kann nicht ver­langt wer­den.

Un­ab­hän­gig von der La­ge der Woh­nung: Ein Mie­ter hat kei­nen An­spruch auf das An­brin­gen von Au­ßen­ja­lou­si­en oder Roll­lä­den. Das ent­schied das Amts­ge­richt Ber­linTier­gar­ten (Az.: 8 C 40/91). „An­ders sieht es aus, wenn die Woh­nung mit Roll­lä­den ver­mie­tet wur­de – dann müs­sen die­se auch funk­ti­ons­tüch­tig sein“, be­tont Wa­gner. Will der Mie­ter auf ei­ge­ne Kos­ten Au­ßen­ja­lou­si­en oder Roll­lä­den an­brin­gen, dann braucht er da­zu die Er­laub­nis des Ver­mie­ters.

Mit­ein­an­der spre­chen bringt die Lö­sung

Das gilt auch für Mar­ki­sen. Der Mie­ter hat grund­sätz­lich kei­nen An­spruch auf ih­re An­brin­gung auf Kos­ten des Ver­mie­ters. Will er selbst ei­ne an­brin­gen, darf der Ver­mie­ter die Ge­neh­mi­gung nicht ein­fach ver­sa­gen. „So kann der Mie­ter nicht oh­ne Wei­te­res auf die Nut­zung ei­nes Son­nen­schirms an­stel­le ei­ner Mar­ki­se ver­wie­sen wer­den“, so Wa­gner. Der Son­nen­schirm bie­tet nach ei­nem Ur­teil des Amts­ge­richts Mün­chen (Az.: 411 C 4836/13) kei­nen ver­gleich­ba­ren Schutz ge­gen Wär­me und Son­nen­ein­strah­lung.

Foto: Andrea Warnecke

Auch wenn die Son­ne stän­dig auf ihr Fens­ter scheint – Mar­ki­sen dür­fen Mie­ter nicht ein­fach an­brin­gen. An­sons­ten ha­ben sie bei der Gestal­tung ih­rer Fens­ter weit­ge­hend freie Hand.

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