Über der Re­gi­on schwir­ren 5000 Droh­nen

Hob­by Bis­lang durf­te je­der Pi­lot da­mit mehr oder we­ni­ger flie­gen, wie er woll­te. Zur Freu­de der ver­sier­ten Mo­dell­flie­ger wer­den jetzt Re­geln ein­ge­führt. Ge­gen den ers­ten Ent­wurf ha­ben sie aber hef­tig pro­tes­tiert

Schwabmuenchner Allgemeine - - Region Augsburg - VON ADRI­AN BAU­ER

Bo­bin­gen Man­fred Rohr­meir hat al­les im Griff: Sei­ne Hän­de be­we­gen die bei­den klei­nen Steu­er­knüp­pel an der lap­top­gro­ßen Fern­steue­rung prä­zi­se. Die Droh­ne, die gut 20 Me­ter über der Gras­lan­de­bahn auf dem Ge­län­de der Bo­bin­ger Mo­dell­flie­ger surrt, re­agiert mit ih­ren sechs Ro­to­ren auf je­de Kor­rek­tur. Auf dem Ver­einsare­al dür­fen die Flug­ge­rä­te mit den min­des­tens vier Ro­to­ren ver­gleichs­wei­se frei be­wegt wer­den. Au­ßer­halb da­von gel­ten ab so­fort stren­ge­re Re­geln, was die Droh­nen­und Mo­dell­flie­ger gut fin­den. Zu­vor gin­gen sie aber ge­gen die Ide­en des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums auf die Bar­ri­ka­den.

Denn bei der Auf­stel­lung von Ver­kehrs­re­geln für die re­la­tiv neue Droh­nen­flie­ge­rei woll­te man dort ei­ne strik­te Gren­ze ein­bau­en: Nie­mand soll­te mit sei­nem Ge­rät mehr als 100 Me­ter hoch flie­gen dür­fen. „Für Droh­nen wä­re das kein Pro­blem. Wenn man da­mit auf ei­ne Hö­he von 100 Me­tern auf­steigt, sieht man von un­ten nicht mehr viel da­von“, sagt Rohr­meir, der als Ge­biets­be­auf­trag­ter des Deut­schen Mo­dell­flie­ger-Ver­bands (DMFV) Flug­plät­ze be­gut­ach­tet und so ziem­lich al­les flie­gen kann, was ei­ne Fern­be­die­nung hat.

Und Sicht­kon­takt mit dem Ge­rät zu den Grund­re­geln. Doch für die Mo­dell­flie­ger hät­te die Be­gren­zung gro­ße Pro­ble­me ge­bracht. Ge­ra­de bei gro­ßen Mo­del­len steigt man bei den Flug­fi­gu­ren deut­lich hö­her auf. Die Kon­se­quenz: Ent­we­der hät­te man die Re­ge­lung igno­rie­ren oder sein Hob­by auf­ge­ben müs­sen.

Für die Flie­ger war das ei­ne pa­ra­do­xe Si­tua­ti­on. Denn prin­zi­pi­ell wünsch­ten sie sich schon lan­ge ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung: „Droh­nen gibt es über­all zu kau­fen, je­der kann so­fort da­mit her­um­flie­gen“, sagt Robert Men­ho­fer. Der Bo­bin­ger Un­ter­neh­mer ist pas­sio­nier­ter Mo­dell­flie­ger und or­ga­ni­siert Mes­sen und Tref­fen im süd­li­chen Land­kreis.

Doch über ei­ne Ver­si­che­rung hät­ten sich die we­nigs­ten Ge­dan­ken ge­macht. Oder dar­über, ob es dem Nach­barn recht ist, wenn ein Flug­ob­jekt mit Ka­me­ra über sei­nen Gar­ten surrt. Et­wa 5000 der Ge­rä­te sei­en im Groß­raum Augs­burg im Um­lauf, schät­zen die Bo­bin­ger Mo­dell­flie­ger. Das Fehl­ver­hal­ten Ein­zel­ner warf so ein schlech­tes Licht auch auf die, die sich kor­rekt ver­hal­ten ha­ben. Ei­ne Re­gu­lie­rung be­grü­ßen die Mo­dell­flie­ger des­halb sehr.

Doch der ers­te Ent­wurf des Ge­set­zes hät­te vie­len das Hob­by ver­gällt. Des­halb gin­gen sie auf die Bar­ri­ka­den: Der DMFV leg­te Pro­test Auf der Pe­ti­ti­ons­platt­form Open­pe­ti­ti­on un­ter­schrie­ben 128 000 Mo­dell­flie­ger aus ganz Deutsch­land ge­gen den Ge­setz­ent­wurf – ein Re­kord­er­geb­nis für die Platt­form im Jahr 2016. Auch die Bo­bin­ger be­tei­lig­ten sich. Letzt­lich hat­te der Ein­satz Er­folg: Die neu­en Re­ge­lun­gen fal­len nun deut­lich we­ni­ger dras­tisch aus.

Das Ge­setz sieht jetzt vor, dass Mo­dell- und Droh­nen­flie­ger mit ih­ren Ge­rä­ten über den re­gu­lä­ren Mo­ge­hört dell­flug­plät­zen wei­ter­hin hö­her als die 100 Me­ter auf­stei­gen dür­fen – al­ler­dings nur, so­lan­ge sie Sicht­kon­takt ha­ben. Pi­lo­ten, die ih­re Droh­nen an­ders­wo so hoch auf­stei­gen las­sen wol­len, brau­chen ei­ne spe­zi­el­le Er­laub­nis und sie müs­sen ei­nen Kennt­nis­nach­weis ab­le­gen.

Die­se Ein­wei­sung gibt es ab dem 1. Ok­to­ber – die Pi­lo­ten sol­len die Rechts­la­ge ken­nen und die ört­li­che Luf­t­raum­ord­nung. Da­bei geht es auch dar­um, wo man sein Ge­rät auf­ein. stei­gen las­sen darf. Ne­ben Flug­plät­zen, Bun­des- und Lan­des­be­hör­den dür­fen auch Wohn­grund­stü­cke, Na­tur­schutz­ge­bie­te, In­dus­trie­an­la­gen und Men­schen­an­samm­lun­gen nicht über­flo­gen wer­den. Ta­bu sind eben­so Ein­satz­or­te von Po­li­zei und Ret­tungs­kräf­ten.

Wich­tig ist auch: Al­le Droh­nen, die mehr als 250 Gramm schwer sind, müs­sen mit ei­ner Pla­ket­te mit dem Na­men und der Adres­se des Be­sit­zers ge­kenn­zeich­net sein. Da­mit kann bei Ab­stür­zen oder Ge­set­zes­ver­stö­ßen leich­ter nach­voll­zo­gen wer­den, wer ver­ant­wort­lich ist.

Wo­bei dies im Groß­raum Augs­burg in der Ver­gan­gen­heit kaum von­nö­ten war. Kon­kre­te Zwi­schen­fäl­le in der Re­gi­on sind Po­li­zei­spre­cher Man­fred Gott­schalk vom Prä­si­di­um Schwa­ben Nord bis­her nicht be­kannt. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­be es nur ei­nen Ab­sturz ge­ge­ben, bei dem au­ßer der Droh­ne nichts be­schä­digt wur­de. Nichts­des­to­trotz be­grüßt die Po­li­zei, dass mit ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung nun Rechts­si­cher­heit ge­schaf­fen wird.

Bei den Bo­bin­ger Mo­dell­flie­gern ist das ge­nau­so. Und so hat Man­fred Rohr­meir auch ei­nen Rat für al­le, die sich von Flug­ge­rä­ten über ih­ren Köp­fen ge­stört füh­len: „Ru­fen Sie die Po­li­zei an. Dort kann man ab­klä­ren, ob sich der Pi­lot rich­tig ver­hält.“»Kom­men­tar

Fo­tos: Adri­an Bau­er

Sen­so­ren und ein GPS Chip sor­gen da­für, dass mo­der­ne Droh­nen wie die­ses Mo­dell mit sechs Ro­to­ren Ab­stand zu Men­schen oder ver­bo­te­nen Be­rei­chen hal­ten. Für das Steu­ern un­be­mann­ter Flug­kör­per gibt es nun ein neu­es Ge­setz, über das vor al­lem auch die Mo­dell­flie­ger in der Re­gi­on froh sind.

Mo­dell­flie­ger Man­fred Rohr­meir hat al les im Griff: So sieht das Steu­er­cock­pit ei­ner Droh­ne aus. In der Mit­te zeigt ein Mo­ni­tor al­le wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen an.

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