Rad­ler­le­ben

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON SVEN KÜLP­MANN

Zehn vor neun. Das Früh­stück mit der Fa­mi­lie hat län­ger ge­dau­ert, dann fand ich den Fahr­rad­schlüs­sel nicht. Ein Klas­si­ker. Ich ha­be we­ni­ger als zehn Mi­nu­ten, um vom The­lott­vier­tel zur Ar­beit beim Pro­vi­ant­bach zu kom­men. Al­so los: Die Trep­pe run­ter, raus, auf­sper­ren, auf’s Rad. Die Ro­senau hin­un­ter, Voll­gas bei 36 St­un­den­ki­lo­me­tern. So­lan­ge kei­ne Fuß­gän­ger in Sicht sind, kein Pro­blem. So­bald ich mir den Rad- und Fuß­weg tei­len muss, soll­te ich Ab­stand hal­ten und lang­sa­mer ma­chen.

Wäh­rend es mein Rad und mich auf den Wasch­be­ton­plat­ten durch­schüt­telt, bin ich alar­miert: Mei­ne Au­gen ha­ben all die un­ein­seh­ba­ren Ein­fahr­ten im Blick. Im­mer zwei Fin­ger an den Brem­sen; ich weiß, dass es ge­fähr­lich ist, was ich tue. Schul­dig füh­le ich mich nicht, in­ner­orts gilt auch für Rad­ler Tem­po 50 – au­ßer die Ver­kehrs­füh­rung ge­bie­tet be­son­de­re Vor­sicht.

An der Ecke zur Pfer­see­er Stra­ße kann man sich über mein Ab­bie­ge­ma­nö­ver strei­ten. Die Am­pel für den ge­ra­de­aus fah­ren­den Rad­ver­kehr ist rot. Aber ich will ja nach rechts in den Tun­nel. Ich brem­se und schläng­le mich mit Schritt­ge­schwin­dig­keit

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