Die Mit­tel­schu­le ist das Sor­gen­kind Ve­ro­ni­ka, der Lenz ist da

Interview Er­win Goß­ner ist seit drei Jah­ren Bür­ger­meis­ter von Groß­ait­in­gen. War­um die Ge­mein­de an­de­re Schwer­punk­te set­zen muss und wie er die Pro­ble­me Hoch­was­ser und Bau­land be­wer­tet Re­vue mit Lie­dern des Kom­po­nis­ten Jur­mann

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Goß­ner, Sie ha­ben vor drei Jah­ren die Bür­ger­meis­ter­wahl ge­won­nen. Hat­ten Sie sich das Amt so vor­ge­stellt oder kam es ganz an­ders als er­war­tet?

Er­win Goß­ner: Schon lan­ge vor der Wahl ha­be ich mich in­ten­siv da­mit be­schäf­tigt, was die­ses eh­ren­vol­le Amt für mich per­sön­lich be­deu­tet, auf was ich vor­be­rei­tet sein soll­te und wie ich den Auf­ga­ben ei­nes Bür­ger­meis­ters am bes­ten ge­recht wer­den könn­te. Mit Über­ra­schun­gen ha­be ich ge­rech­net. Dass es die ers­te di­cke Über­ra­schung aber schon we­ni­ge Ta­ge nach dem Amts­an­tritt gab, kam völ­lig un­er­war­tet. Beim Hoch­was­ser­schutz für das Bau­ge­biet 30, der auch ei­ni­ge Flä­chen im Orts­be­reich mit ein­be­zieht und vom Was­ser­wirt­schafts­amt zu­erst nicht an­er­kannt wur­de, muss­te ich mein ers­tes Ge­sel­len­stück ab­lie­fern.

Ist der Hoch­was­ser­schutz, der Sie seit den ers­ten Ta­gen ih­rer Amts­zeit be­schäf­tigt, das größ­te Pro­blem in Groß­ait­in­gen?

Goß­ner: Der Hoch­was­ser­schutz, der mich tat­säch­lich be­reits von An­fang an be­glei­tet, ist si­cher­lich ein gro­ßes Pro­blem. Und ich be­fürch­te, dass es auch noch für län­ge­re Zeit so sein wird. Un­ver­ständ­lich ist al­ler­dings, dass die­sem The­ma ei­ner­seits ein ho­her Stel­len­wert ein­ge­räumt, den Be­trof­fe­nen an­de­rer­seits aber kein Hand­lungs­spiel­raum ge­ge­ben wird. Groß­ait­in­gen ist be­reit und fi­nan­zi­ell in der La­ge, in den Hoch­was­ser­schutz zu in­ves­tie­ren, muss sich aber eben­so wie an­de­re Städ­te und Ge­mein­den an der Sin­gold dem jah­re­lang blo­ckier­ten Pro­jekt „Rück­hal­te­be­cken Holz­hau­sen“un­ter­ord­nen. Mein Ziel ist es, un­ab­hän­gig da­von im Ein­ver­neh­men mit dem Was­ser­wirt­schafts­amt Do­nau­wörth und ge­mein­sam mit den an­de­ren Kom­mu­nen prak­ti­ka­ble re­gio­na­le Lö­sun­gen zu su­chen und um­zu­set­zen.

Wel­che wei­te­ren Pro­ble­me gibt es noch in der Ge­mein­de?

Goß­ner: Pro­ble­me se­he ich ak­tu­ell bei Ent­wick­lun­gen wie et­wa dem zu­neh­men­den In­di­vi­du­al­ver­kehr, der wach­sen­den Al­ters­ar­mut und auch ge­ne­rel­len ge­sell­schaft­li­chen Ve­rän­de­run­gen. Ich be­zweif­le je­doch, dass die Ge­mein­de ein Re­zept ge­gen die Ur­sa­chen sol­cher Ent­wick­lun­gen hat, sie wird sich viel­mehr mit de­ren Aus­wir­kun­gen be­schäf­ti­gen müs­sen. Na­tür­lich hat sie das auch schon in Ver­gan­gen­heit prak­ti­ziert, sie wird in Zu­kunft aber an­de­re Schwer­punk­te set­zen müs­sen, wie es in ei­ner wach­sen­den Ge­mein­de mit im­mer neu­en Wohn­ge­bie­ten, jun­gen Fa­mi­li­en und ei­ner aus­ge­gli­che­nen So­zi­al­struk­tur bis­her not­wen­dig war. Bau­plät­ze wer­den wei­ter­hin stark nach­ge­fragt, doch wei­te­rem Wachs­tum sind nicht nur geo­gra­fisch Gren­zen ge­setzt. Al­lein die Nach­fra­ge orts­an­säs­si­ger Bür­ger – die Kin­der und En­kel der Men­schen, die vor Jahr­zehn­ten hier­her ge­zo­gen sind oder schon lan­ge im Ort le­ben – kann mit wei­te­rem Bau­land kaum be­frie­digt wer­den. Ei­ne Ge­mein­de die­ser Grö­ße muss sich zu­dem den Auf­ga­ben stel­len, Wohn­raum für so­zi­al schwa­che Men­schen zu schaf­fen und mehr für ih­re Se­nio­ren zu tun.

Ein Bei­spiel da­für ist der Se­nio­ren­fahr­dienst, der in Groß­ait­in­gen aber nicht so gut an­ge­nom­men wird wie in Schwab­mün­chen und Hil­ten­fin­gen. Wor­an könn­te das lie­gen?

Goß­ner: Im al­ler­bes­ten Fall wird der Se­nio­ren­fahr­dienst in un­se­rer Ge­mein­de we­nig nach­ge­fragt, weil un­se­re äl­te­ren Mit­bür­ger noch über­aus agil und mo­bil sind. Gut mög­lich auch, dass das so­zia­le Um­feld in der Fa­mi­lie so­wie im Be­kann­ten- und Freun­des­kreis in­takt ist, und sich im­mer ein Fah­rer für den Weg zum Arzt, zur Apo­the­ke oder zum Op­ti­ker fin­det. Ei­ne Tat­sa­che ist al­ler­dings, dass der Fahr­dienst zu we­nig be­wor­ben und be­kannt ge­macht wur­de, In­for­ma­tio­nen all­ge­mein ge­hal­ten wa­ren und so ei­ni­ge Fra­gen of­fen blie­ben. Nach­dem das An­ge­bot für Se­nio­ren zu­letzt um ein wei­te­res Jahr bis Ju­ni 2018 ver­län­gert wer­den konn­te, soll­ten die­se Feh­ler zu­künf­tig ver­mie­den wer­den. Ins­ge­heim hof­fe ich, dass der ei­ne oder an­de­re Se­ni­or mu­tig ist und den Fahr­dienst we­nigs­tens aus­pro­bie­ren wird.

Groß­ait­in­gen hat ei­ne Grund- und Mit­tel­schu­le, in der Schü­ler den qua­liHerr fi­zie­ren­den Ab­schluss ma­chen kön­nen. Kann die­se Schu­le auch in Zu­kunft er­hal­ten wer­den?

Goß­ner: Im Rah­men mei­ner Mög­lich­kei­ten wer­de ich al­les da­für tun, die Grund- und Mit­tel­schu­le zu un­ter­stüt­zen. Mit Kon­rek­to­rin Han­ne­lo­re Ma­der und Rek­tor Ste­fan Ba­der ha­be ich in die­ser Her­zens­an­ge­le­gen­heit en­ga­gier­te Mit­strei­ter. Sor­gen­kind ist und bleibt aber die Mit­tel­schu­le, die lei­der we­nig An­er­ken­nung und Wert­schät­zung er­fährt. So­wohl Schu­le, Leh­rer als auch Ge­mein­de wol­len die Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen, dass mög­lichst vie­le Schü­ler ei­nen mög­lichst gu­ten qua­li­fi­zie­ren­den Ab­schluss er­zie­len, um so die Chan­ce auf den er­sehn­ten Aus­bil­dungs­platz zu be­kom­men.

Wel­che Ih­rer Zie­le wur­den schon er­reicht?

Goß­ner: Es sind eher die klei­nen Schrit­te, um ste­tig vor­an­zu­kom­men. Al­le mei­ne Amts­vor­gän­ger ha­ben sehr gu­te Ar­beit ge­leis­tet und da­zu bei­ge­tra­gen, dass Mam­mut-Auf­ga­ben wie der Bau von Stra­ßen und Ka­na­li­sa­ti­on, Schu­le oder Kin­der­gar­ten in Groß­ait­in­gen der­zeit kein The­ma sind. Zu mei­nen Auf­ga­ben ge­hör­te, die Un­te­re Wertach­brü­cke zu sa­nie­ren, die Ur­nen­wand zu er­wei­tern und neu­es Bau­land, in ers­ter Li­nie für orts­an­säs­si­ge Be­trie­be, zu schaf­fen. Die Zie­le, die ich mir ge­setzt ha­be, ver­su­che ich je­den Tag aufs Neue zu er­fül­len: der of­fe­ne, ehr­li­che und un­vor­ein­ge­nom­me­ne Um­gang mit al­len Men­schen der Ge­mein­de, den Mit­ar­bei­tern der Ver­wal­tung so­wie den Äm­tern und Be­hör­den.

Was wol­len Sie in den kom­men­den drei Jah­ren er­rei­chen?

Goß­ner: Ex­pect the un­ex­pec­ted – er­war­te das Un­er­war­te­te, lau­tet ei­ne Weis­heit, der man sich nicht ver­schlie­ßen und stets auf Über­ra­schun­gen ge­fasst sein soll­te. Mein Haupt­au­gen­merk liegt der­zeit je­doch dar­auf, be­reits be­gon­ne­ne Pla­nun­gen wie et­wa für den Aus­bau der Stra­ße „An den Sport­stät­ten“, den Neu­bau ei­ner Was­ser­tret­an­la­ge oder die Er­schlie­ßung ei­nes neu­en Bau­ge­biets vor­an­zu­trei­ben und in­ner­halb kür­zes­ter Zeit um­zu­set­zen.

Wie be­ur­tei­len Sie Ih­re bis­he­ri­ge Amts­zeit und kön­nen Sie sich ei­ne wei­te­re vor­stel­len?

Goß­ner: Der ers­te Teil der Fra­ge ist schwer zu be­ant­wor­ten, da es in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren wie in je­dem Be­rufs­le­ben sehr vie­le Hö­hen und auch ei­ni­ge Tie­fen gab. Ich den­ke, dass ich vie­les rich­tig ge­macht ha­be und hof­fe, zu­sam­men mit dem Ge­mein­de­rat im­mer die bes­ten Ent­schei­dun­gen für das Wohl un­se­rer Mit­bür­ger ge­trof­fen zu ha­ben. Beim zwei­ten Teil der Fra­ge hal­te ich es wie Braut und Bräu­ti­gam, wenn sie bei der Trau­ung vor mir ste­hen und ant­wor­ten: Ja. Bis jetzt gab es üb­ri­gens noch kein Nein.

Interview: Hier­ony­mus Schnei­der

Schwab­mün­chen Ei­ne Re­vue mit Lie­dern des Kom­po­nis­ten Wal­ter Jur­mann prä­sen­tiert der Kunst­ver­ein Schwab­mün­chen am Don­ners­tag, 6. Ju­li, um 19.30 Uhr im Kunst­haus. In die­sem mu­si­ka­li­schen Por­trät – ge­stal­tet von Ni­co­la Fern­holtz, Joa­chim Stork, Ma­thi­as Do­nat, dem Leh­rer­chor Schwab­mün­chen so­wie den „Kunst­haus-Sym­pho­ni­kern“– soll der ab­wechs­lungs­rei­che Le­bens­weg Jur­manns in sei­nen Lie­dern nach­ge­zeich­net wer­den. Die Lei­tung hat Jür­gen Scholz, der auch die Ar­ran­ge­ments der Lie­der ver­fass­te. Un­ter­stützt wer­den die Darstel­ler von Lothar Zull, der durch sei­ne aus­drucks­star­ken Bild­pro­jek­tio­nen die In­hal­te der Lie­der in­ten­si­viert.

Jur­manns Lie­der sind welt­be­kannt, nicht zu­letzt „Ve­ro­ni­ka, der Lenz ist da“wur­de in der In­ter­pre­ta­ti­on der Co­me­di­an Har­mo­nists zu ei­nem Syn­onym für den Schla­ger der Wei­ma­rer Re­pu­blik. Er schüt­tel­te Me­lo­di­en nur so aus dem Är­mel und schrieb Film­schla­ger am lau­fen­den Band, bei­spiels­wei­se für Hans Al­bers, Richard Tau­ber und Jan Kie­pu­ra. Über Frank­reich ge­lang­te er nach Hol­ly­wood, wo er für be­deu­ten­de Film­pro­duk­tio­nen un­zäh­li­ge Lie­der schrieb, die von den Gro­ßen der Zeit, wie Mario Lan­za, Ben­ja­mi­no Gig­li, Jus­si Björ­ling oder Ju­dy Gar­land, ge­sun­gen wur­den. Heu­te ist es vor al­lem der Sän­ger Max Ra­a­be, der im­mer wie­der die Lie­der Wal­ter Jur­manns in sei­nen Kon­zer­ten in­ter­pre­tiert.

Ob­wohl sei­ne Lie­der welt­be­kannt sind, ist der Kom­po­nist selbst vie­len Leu­ten nicht ver­traut, da er sich weit­ge­hend aus der Öf­fent­lich­keit zu­rück­zog. Da­mit ist die Ver­an­stal­tung des Kunst­ver­eins ei­ne Mög­lich­keit, auf ei­ne mu­si­ka­li­sche Ent­de­ckungs­rei­se zu ge­hen und ei­nen Kom­po­nis­ten ken­nen­zu­ler­nen, der als ei­ner der ers­ten den Mu­sik­ge­schmack der Film­me­tro­po­le Hol­ly­wood nach­hal­tig präg­te.

Kar­ten

(SZ)

Fo­to: Hier­ony­mus Schnei­der

Groß­ait­in­gens Bür­ger­meis­ter Er­win Goß­ner sieht den Hoch­was­ser­schutz als gro­ßes Pro­blem. Er kri­ti­siert den feh­len­den Hand lungs­spiel­raum für die be­trof­fe­nen Ge­mein­den.

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