Vie­le ken­nen ihn als Schrau­ben Joe

Por­trät Jo­sef Ken­ner­knecht ist 70. Beim Gug­gu­mos be­riet er über ein hal­bes Jahr­hun­dert lang Me­rin­ger Heimwerker. Jetzt en­ga­giert er sich vor al­lem so­zi­al

Schwabmuenchner Allgemeine - - Nachbarschaft - VON HEI­KE JOHN

Mering Be­vor Jo­sef Ken­ner­knecht am Nach­mit­tag des gest­ri­gen Fron­leich­nams­tags im Land­gast­hof Au­mil­ler mit Freun­den und Weg­ge­fähr­ten sei­nen 70. Ge­burts­tag fei­er­te, hat er am Vor­mit­tag schon ei­ni­ges ge­leis­tet. Wie je­des Jahr hat er am Som­mer­kel­ler den Al­tar für die Pro­zes­si­on her­ge­rich­tet. Schließ­lich soll al­les für die Gläu­bi­gen pas­sen, da gibt es auch am Ge­burts­tags­fest kei­ne Aus­nah­me.

Jo­sef Ken­ner­knecht ist das, was man ei­nen Küm­me­rer nennt. Heut­zu­ta­ge ist das Mo­de­wort in al­ler Mun­de, für Jo­sef Ken­ner­knecht war die­se Hal­tung schon im­mer ei­ne Le­bens­phi­lo­so­phie. Bei sei­nem En­ga­ge­ment, ob po­li­tisch, be­ruf­lich oder ge­sell­schaft­lich, hat­te und be­hält er auch heu­te noch stets das Ge­mein­wohl im Au­ge. Sich per­sön­lich in den Vor­der­grund zu stel­len, liegt ihm nicht. „Über mich gibt es ei- gent­lich nichts zu sa­gen, da fal­len mir vie­le an­de­re ein, die es wert sind, dass man über sie schreibt“, so lau­tet sei­ne tiefs­te Über­zeu­gung.

Als 14-Jäh­ri­ger be­gann der in ei­ner Land­wirt­schaft in der Kirch­stra­ße auf­ge­wach­se­ne Me­rin­ger sei­ne Aus­bil­dung in der Ei­sen­wa­ren­hand­lung Gug­gu­mos. 53 Jahre lang und über das Ren­ten­al­ter hin­aus blieb er dem Be­trieb treu. Mit sei­ner freund­li­chen Art und fach­li­chen Kom­pe­tenz war der Schrau­ben-Joe, wie er vor al­lem bei den Me­rin­ger bun­ten Aben­den ge­nannt wur­de, über den Landkreis hin­aus be­kannt und be­liebt.

Jo­sef Ken­ner­knechts Iden­ti­fi­ka­ti- on mit dem Be­ruf war groß und wur­de auch von je­dem so wahr­ge­nom­men. „Das Schlüs­sel­er­leb­nis war im Wahl­kampf 2008“, er­in­nert sich Ge­org Schnei­der als lang­jäh­ri­ger Weg­ge­fähr­te in der CSU. „Da kam ei­ne al­te Da­me zu uns und frag­te: ,Wo steht denn der Gug­gu­mos bei euch auf der Lis­te, den fin­de ich gar nicht?‘ Erst ei­ne Bild­ta­fel mit Jo­sef Ken­ner­knechts Kon­ter­fei brach­te die Lö­sung.“

Schon früh kam Ken­ner­knecht zur Jun­gen Uni­on, seit 1970 ist er CSU-Mit­glied. Er war von 1991 bis ’99 Vor­sit­zen­der der CSU, 36 Jahre lang Mit­glied im Ge­mein­de­rat und ist Trä­ger des gol­de­nen Eh­ren­rings. Vor zehn Jah­ren wur­de er zum Eh­ren­vor­sit­zen­den der Par­tei er­nannt und im ver­gan­ge­nen Jahr er­hielt er die Eh­ren­rau­te. „Er war nie Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der und woll­te nie Bür­ger­meis­ter wer­den, ob­wohl er das Zeug da­zu hat­te“, er­zählt Ge­org Schnei­der. „Jo­sef Ken­ner­knecht war ei­ner, der bei den Wah­len an letz­ter Stel­le auf der Kan­di­da­ten­lis­te stand und im End­ef­fekt die meis­ten Stim­men er­hielt.“„Mein Mann ist je­mand, der gut auf Men­schen zu­ge­hen kann“, weiß Ga­b­rie­le Ken­ner­knecht. Sie lern­te ih­ren Jo­sef 1975 auf ei­nem Me­rin­ger Fa­schings­ball ken­nen, ist mit ihm seit über 40 Jah­ren ver­hei­ra­tet und zog mit ihm zu­sam­men drei Kin­der groß. Sohn Thomas kam ex­tra zum 70. Ge­burts­tag sei­nes Va­ters aus den USA nach Mering. Am Her­zen liegt Jo­sef Ken­ner­knecht die Städ­te­part­ner­schaft mit Am­bé­ri­eu. Seit 35 Jah­ren sind die Ken­ner­knechts da­bei und emp­fan­gen ein und das­sel­be fran­zö­si­sche Ehe­paar.

In­zwi­schen ist Ken­ner­knecht im Ru­he­stand und bringt sich ganz selbst­ver­ständ­lich beim Bür­ger­netz als Hel­fer ein. Auf ihn ist eben Ver­lass und es tut gut, ein Freund von Jo­sef Ken­ner­knecht zu sein, da­von sind vie­le über­zeugt.

Er war nie Frak­ti­ons­vor sit­zen­der und woll­te nie Bür­ger­meis­ter wer­den, ob wohl er das Zeug da­zu hat­te

Fo­to: Hei­ke John

Als „Schrau­ben Joe“kennt ihn ganz Mering. Jo­sef Ken­ner­knecht ar­bei­te­te 53 Jahre bei Gug­gu­mos – und blieb dem Be­trieb auch im Ren­ten­al­ter treu.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.