Aben­teu­er­li­che Rei­sen

Se­rie Gän­se­haut mit wah­ren Ge­schich­ten

Schwabmuenchner Allgemeine - - Reise-journal - Ull­stein, 349 S., 9,99 Eu­ro DuMont, 71 S., 8 Eu­ro DuMont, 109 S., 8 Eu­ro

meint er das nicht ernst. Oder doch? „All die Din­ge, die mir am Rei­sen ge­fie­len – mei­ner Rou­ti­ne zu ent­kom­men und neue Men­schen ken­nen­zu­ler­nen“, schreibt er am En­de sei­ner ge­sam­mel­ten oft mehr als merk­wür­di­gen Rei­se­er­fah­run­gen, „kann ich auch hier be­kom­men“. Mit „hier“meint der Bri­te Adam Flet­cher Ber­lin, die Stadt, in der er lebt.

Für sei­ne Rei­sen hat sich der 34-Jäh­ri­ge nicht nur raus aus der Kom­fort­zo­ne be­ge­ben. Er hat sich auch un­er­schro­cken und ziem­lich na­iv so man­cher Her­aus­for­de­rung ge­stellt, hat Chi­na im Schnee­trei­ben und bei klir­ren­der Käl­te er­lebt und da­bei 44 St­un­den im Bus zu­ge­bracht, hat in He­bron auf bei­den Sei­ten der Gren­ze mit den Men­schen ge­spro­chen und da­bei ei­ne Ah­nung vom all­täg­li­chen Ter­ror be­kom­men und er hat sich in Pry­pjat na­he Tscher­no­byl an das kam­bo­dscha­ni­sche Ang­kor er­in­nert ge­fühlt, wo die Na­tur sich das zu­rück­holt, was der Mensch ihr ge­nom­men hat. Nord­ko­rea, dem „lä­cher­lichs­ten und denk­wür­digs­ten Ort, an dem ich ge­we­sen war“. Nord­ko­rea ist „der Grand Can­yon un­ter den Dik­ta­tu­ren“schreibt Flet­cher und bricht ei­ne Lan­ze für die Nord­koNa­tür­lich rea­ner, die zu Un­recht für „hirn­lo­se Zom­bies“ge­hal­ten wür­den.

Im Lauf sei­ner Rei­se­er­fah­run­gen wird Flet­chers Sicht dif­fe­ren­zier­ter, ver­zich­tet er eher auf ei­nen Witz als dar­auf, sich selbst zu hin­ter­fra­gen und tou­ris­ti­sche Neu­gier und Selbst­in­sze­nie­rung bloß­zu­stel­len. Zum Bei­spiel in Tscher­no­byl: „Ver­las­se­nes Ge­bäu­de. Graf­fi­ti. Gas­mas­ken. Pup­pen­kopf oh­ne Au­gen. Tscher­no­byl. Das wa­ren die Fo­to­mo­ti­ve, de­ret­we­gen die Leu­te her­ka­men. Tou­ris­ten woll­ten die Na­men, die Sto­ry, den My­thos, die Le­gen­de. Nicht die we­ni­ger fo­to­ge­ne Rea­li­tät.“Hart, aber wahr. So wie die Ge­schich­te über die Rück­kehr in die eng­li­sche Hei­mat, die ihn da­von über­zeugt, dass er nichts ver­passt, wenn er dar­auf ver­zich­tet, sich un­vor­be­rei­tet in ein chao­ti­sches Rei­se­aben­teu­er zu stür­zen. Wie gut für die Le­ser, dass ihm die­se Er­kennt­nis erst spät ge­kom­men ist!

» Adam Flet­cher. Du fährst wo­hin?

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„Aus­län­der sind die Stars ih­rer ei­ge­nen Wan­der­schafts­dra­men, im­mer in Be­we­gung; Ein­hei­mi­sche sind Ne­ben­fi­gu­ren, die pas­siv an ih­rem Platz auf ei­ne neue Run­de Pa­ra­dies­su­cher war­ten.“Der Jour­na­list Ja­mes Vla­h­os no­tiert die­se Er­kennt­nis in dem Büch­lein „Tod im Pa­ra­dies“, das in der Rei­he der DuMont „True Ta­les“er­schie­nen ist.

Vla­h­os hat mit Heike Dorsch ge­spro­chen, die über­lebt hat, wäh­rend ihr Freund Ste­fan Ra­min auf der Süd­see­insel Nu­ku Hi­va er­mor­det wur­de. Die bei­den hat­ten die In­sel nach ih­rer Welt­um­seg­lung er­reicht und wähn­ten sich im Pa­ra­dies. Sie woll­ten auf Au­gen­hö­he mit den Ein­hei­mi­schen sein, woll­ten die frem­de Welt er­obern. Am En­de, nach dem Prozess ge­gen den Mör­der ih­res Ge­fähr­ten, muss Heike ein­ge­ste­hen: „Man denkt, man kennt ei­nen Ort, wenn man ihn so lan­ge be­reist hat, aber in Wirk­lich­keit hat man kei­ne Ah­nung, was los ist.“In ih­rem Fall war die Ah­nungs­lo­sig­keit töd­lich.

Bei­na­he töd­lich ge­en­det hät­te auch die Su­che nach dem ul­ti­ma­ti­ven Aben­teu­er im ewi­gen Eis, die den Schwei­zer Tho­mas Ul­rich um­trieb. 1800 Ki­lo­me­ter woll­te er al­lein zu Fuß von Si­bi­ri­en über den Nord­pol nach Ka­na­da. Un­vor­stell­bar – und un­durch­führ­bar, wie sich her­aus­stellt. Nach ei­nem Sturm sitzt Ul­rich vier end­lo­se Ta­ge auf ei­ner Eis­schol­le fest. Ein Här­te­test, der sein Le­ben auf den Kopf stellt. Oh­ne Te­le­fon und oh­ne Hub­schrau­ber hät­te er nicht über­lebt. Auch nicht oh­ne sei­ne Freun­de, die Him­mel und Höl­le in Be­we­gung setz­ten. Bir­git Lutz schil­dert in „Schwar­zes Was­ser – Vier Ta­ge ge­fan­gen im Ewi­gen Eis“das Über­le­bens-Dra­ma mit viel Sym­pa­thie für den Aben­teu­rer, der zum Ha­sar­deur wur­de.

Wie die­se bei­den ver­spre­chen auch die vier wei­te­ren „True Ta­les“-Büch­lein im hand­li­chen Klein­for­mat Gän­se­haut-Fee­ling.

» Ja­mes Vla­h­os: Tod im Pa­ra­dies – Das Ge­heim­nis ei­nes Süd­see Mor­des

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» Tho­mas Ul­rich/Bir­git Lutz: Schwar zes Was­ser – Vier Ta­ge ge­fan­gen im ewi­gen Eis.

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