Au­to­kna­cker müs­sen hin­ter Git­ter

Prozess Ob die Män­ner hin­ter al­len 19 Fäl­len ste­cken, ist un­ge­wiss. Aber ei­ni­ge Fak­ten spra­chen klar ge­gen sie

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON MICHA­EL SIE­GEL

Im­mer wie­der klirr­ten im Früh­jahr 2016 Schei­ben ge­park­ter Au­tos. 19 Auf­bruch­dieb­stäh­le ver­zeich­ne­te die Po­li­zei bin­nen we­ni­ger Mo­na­te. Sechs Fäl­le wur­den jetzt vor dem Schöf­fen­ge­richt des Augs­bur­ger Amts­ge­rich­tes ver­han­delt. An­ge­klagt we­gen Dieb­stahls und Sach­be­schä­di­gung wa­ren zwei 47- und 39-jäh­ri­ge Män­ner aus Augsburg, die zu ei­nem Jahr und drei Mo­na­ten so­wie zu ei­nem Jahr Haft ver­ur­teilt wur­den.

Wie be­kannt ist ei­gent­lich der Rat der Po­li­zei, im ge­park­ten Au­to kei­ne Sa­chen lie­gen­zu­las­sen? In fünf der sechs an­ge­klag­ten Auf­bruchs­fäl­le wa­ren die Ge­schä­dig­ten Frau­en, die Ta­schen im Au­to zu­rück­ge­las­sen hat­ten. Und je­des Mal, so be­rich­te­te ein als Zeu­ge ge­la­de­ner Po­li­zist, wur­de ei­ne Sei­ten­schei­be ein­ge­schla­gen und die Hand- oder Ak­ten­ta­sche aus dem Au­to ge­stoh­len. Das Die­bes­gut: zwei Geld­bör­sen mit je­weils rund 700 Eu­ro Bar­geld, teu­re Mo­bil­te­le­fo­ne, Bank­kar­ten, Per­so­nal­aus­wei­se, Füh­rer­schei­ne, Schlüs­sel, Fri­seur-Uten­si­li­en, so­gar ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung wur­de Beu­te der Die­be. In drei Fäl­len war (zwei­mal er­folg­los) ver­sucht wor­den, mit­hil­fe von ge­fun­de­nen PIN­Num­mern mit den ge­stoh­le­nen Kar­ten Geld aus Bank­au­to­ma­ten ab­zu­he­ben.

Im März 2016 wur­den die bei­den jetzt an­ge­klag­ten Män­ner als mut- Tä­ter ding­fest ge­macht. Der 39-jäh­ri­ge Ma­ler war auf fri­scher Tat er­tappt wor­den, beim 47-jäh­ri­gen Ar­tis­ten fand sich in ei­ner Ta­sche Die­bes­gut aus ei­nem Auf­bruch. Dann, so der Po­li­zist, hör­ten die Dieb­stäh­le auf.

Der 47-jäh­ri­ge An­ge­klag­te räum­te vor Rich­te­rin Kers­tin Wa­gner pau­schal al­les und nichts ein. Er sei da­mals auf Dro­gen ge­we­sen, ha­be täg­lich li­ter­wei­se Al­ko­hol ge­trun­ken, Ta­blet­ten ge­nom­men, er kön­ne sich an nichts mehr er­in­nern. Kon­kre­te An­ga­ben zur ei­nen oder an­de­ren Tat blie­ben Man­gel­wa­re. Der 39-jäh­ri­ge An­ge­klag­te gab ei­nen der Auf­brü­che zu, in des­sen Fol­ge er ver­haf­tet wor­den war. Mit den an­de­ren Ta­ten ha­be er nichts zu tun.

Elf Zeu­gen hat­te das Ge­richt zur Haupt­ver­hand­lung ge­la­den. Die Ge­schä­dig­ten schil­der­ten, was ih­nen wi­der­fah­ren war, selbst Zeu­ge ei­nes Dieb­stahls war nie­mand ge­wor­den. Zu den Op­fern zähl­te ei­ne Augs­bur­ger Straf­ver­tei­di­ge­rin, die feh­len­de „Gangs­ter-Eh­re“be­män­gel­te, weil sie nie et­was von ih­ren ge­stoh­le­nen Pa­pie­ren zu­rück­be­kom­men ha­be.

Ein Schü­ler­pär­chen hat­te im Fe­bru­ar 2016 an der Wertach in Ober­hau­sen zwei Män­ner be­ob­ach­tet, die sich auf­fäl­lig ver­hiel­ten und ei­ne Ta­sche in den Fluss ge­wor­fen hat­ten. Bei­de er­kann­ten vor Ge­richt aber die An­ge­klag­ten nicht zwei­fels­frei wie­der. Bei­de An­ge­klag­te ha­ben ein lan­ges Vor­stra­fen­re­gis­ter (Dieb­stäh­le, Be­täu­bungs­mit­tel­miss­maß­li­che brauch...) von 15 be­zie­hungs­wei­se 18 Ein­tra­gun­gen ins Bun­des­zen­tral­re­gis­ter, sie sa­ßen auch schon im Ge­fäng­nis.

Wäh­rend Staats­an­walt Kon­stan­tin Hu­ber die Ta­ten als be­wie­sen be­trach­te­te, sa­hen das die Ver­tei­di­ger der An­ge­klag­ten an­ders. Laut Rechts­an­walt Her­mann Bor­chert be­ru­he die An­kla­ge auf Schluss­fol­ge­run­gen, Mut­ma­ßun­gen und Spe­ku­la­tio­nen. Kla­re Be­wei­se fehl­ten. Ähn­lich sah es Hans­jörg Schmid für sei­nen Man­dan­ten. We­der ein Paar auf­ge­fun­de­ner „Al­ler­welts-Sport­schu­he“noch ei­ne mehr­fach be­schrie­be­ne, aber nir­gends auf­ge­fun­de­ne Le­der­ja­cke taug­ten als Be­wei­se. Bei­de Ver­tei­di­ger plä­dier­ten für mil­de Stra­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.