Geht es Ra­sern jetzt an den Kra­gen?

To­des­fäl­le Über il­le­ga­le Au­to­ren­nen wird ge­ra­de viel dis­ku­tiert. Auch we­gen des er­schüt­tern­den Falls in Mön­chen­glad­bach. Die Jus­tiz ur­teilt be­reits här­ter, Po­li­ti­ker wol­len Ge­set­ze ver­schär­fen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Panorama - VON MAR­KUS BÄR

Augs­burg Man könn­te fast das Ge­fühl be­kom­men, dass es Ver­tre­tern aus Po­li­tik und Jus­tiz beim The­ma Ra­ser und il­le­ga­le Au­to­ren­nen nun end­gül­tig reicht: Gleich auf meh­re­ren Ebe­nen wird das The­ma in die­ser Wo­che de­bat­tiert – lei­der ein wei­te­res Mal aus ei­nem trau­ri­gen An­lass. Am Frei­tag­abend hat­te nach Er­kennt­nis­sen der Po­li­zei ein 28-Jäh­ri­ger bei ei­nem il­le­ga­len Au­to­ren­nen in Mön­chen­glad­bach ei­nen 38-Jäh­ri­gen an­ge­fah­ren. Der Fuß­gän­ger flog 40 Me­ter durch die Luft und starb an schwe­ren Schä­del­ver­let­zun­gen. Die Staats­an­walt­schaft be­rei­tet nun ei­ne An­kla­ge we­gen Mor­des ge­gen den 28-Jäh­ri­gen vor.

Gab es frü­her bei il­le­ga­len Au­to­ren­nen To­te, er­hiel­ten die Tä­ter zu­meist nur ge­rin­ge­re Stra­fen we­gen Tö­tung. Nun soll schon die Teil­nah­me an il­le­ga­len Ren­nen hart be­straft wer­den. Da­für gab es bis­lang ein Buß­geld in Hö­he von 400 Eu­ro und ein Mo­nat Fahr­ver­bot.

Am heu­ti­gen Mitt­woch ist die ge­plan­te Straf­ver­schär­fung The­ma im Rechts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges. In ei­ner Ge­set­zes­in­itia­ti­ve will der Bun­des­rat, dass künf­tig al­lein die Teil­nah­me an ei­nem il­le­ga­len Au­to­ren­nen mit bis zu zwei Jah­ren Haft ge­ahn­det wird, bei töd­li­chen Fol­gen so­gar mit bis zu zehn Jah­ren Haft.

Dar­über hin­aus hat auch Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf vor­ge­legt. Und nach dem Fall in Mön­chen­glad­bach will auch Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) här­te­re Stra­fen. Der Bun­des­tag soll die­se noch vor der Som­mer­pau­se be­schlie­ßen. Heu­te und mor­gen ist ei­ne Straf­ver­schär­fung zu­dem The­ma bei der Jus­tiz­mi­nis­ter­kon­fe­renz im pfäl­zi­schen Dei­des­heim.

Des Wei­te­ren steht mor­gen das Ur­teil des Köl­ner Land­ge­rich­tes aus dem Jahr 2015 beim Bun­des­ge­richts­hof (BGH) auf dem Prüf­stand: Das Land­ge­richt hat­te zwei Ra­ser, bei de­ren Ren­nen ei­ne 19-jäh­ri­ge Fahr­rad­fah­re­rin ge­tö­tet wur­de, zu Be­wäh­rungs­stra­fen ver­ur­teilt. Da­ge­gen hat­te die Staats­an­walt­schaft Rechts­mit­tel ein­ge­legt.

In der nächs­ten Zeit wird der BGH ei­nen wei­te­ren Fall auf den Tisch be­kom­men, der qua­si um­ge­kehrt ge­la­gert ist. Erst­mals bun­des­weit hat­ten Rich­ter in Ber­lin zwei Ra­ser we­gen Mor­des ei­nes 69-jäh­ri­gen Un­be­tei­lig­ten ver­ur­teilt – zu le­bens­lan­gen Frei­heits­stra­fen. Da­ge­gen hat­ten die Ver­ur­teil­ten Re­vi­si­on ein­ge­legt. Nun spricht im Mön­fahr­läs­si­ger chen­glad­ba­cher Fall zu­min­dest die Staats­an­walt­schaft nach dem Ber­li­ner Fall eben­falls von „Mord“. Steht nun wo­mög­lich ei­ne Ver­schär­fung der Stra­fen durch die Po­li­tik an, wer­den Rich­ter künf­tig här­ter ur­tei­len?

Dass das The­ma schon seit lan­gem ak­tu­ell ist, zeigt der Fall des frü­he­ren Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter Fritz Schram­ma. Des­sen Sohn war 2001 im Al­ter von 31 Jah­ren als Un­be­tei­lig­ter bei ei­nem il­le­ga­len Au­to­ren­nen mit­ten in Köln zu To­de ge­kom­men. Die Tä­ter ka­men mit Be­wäh­rungs­stra­fen da­von. Fritz Schram­ma for­dert seit­dem ei­ne här­te­re Gan­gart – und dra­ko­ni­sche Geld­stra­fen samt Füh­rer­schein­ent­zug schon bei ge­rin­gen Tem­po­über­schrei­tun­gen – et­wa so, wie das in der Schweiz prak­ti­ziert wird.

Fo­to: Federico Gambarini, dpa

Ein Kreuz steht an je­ner Stel­le, an der ein 38 Jäh­ri­ger bei ei­nem il­le­ga­len Au­to­ren­nen in Mön­chen­glad­bach ge­tö­tet wur­de. Die Staats­an­walt­schaft geht in die­sem Fall in­zwi schen von Mord aus.

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