Häft­ling fin­det An­schlag gut

Jus­tiz Ge­richt aber fin­det Bil­li­gung des Ter­rors in Brüssel nicht gut und ver­län­gert die Haft­zeit ei­nes 35-jäh­ri­gen Tu­ne­si­ers um fünf Mo­na­te

Schwabmuenchner Allgemeine - - Region Augsburg -

Augs­burg/Kais­heim. Es war am 22. März 2016 um 7.58 Uhr und 9.11 Uhr, als bei ei­nem Ter­ror­an­schlag auf dem Flug­ha­fen in Brüssel und der U-Bahn­sta­ti­on Maal­beek ins­ge­samt 32 Men­schen ums Le­ben ka­men und über 300 ver­letzt wur­den. Zu der Tat be­kann­te sich die Ter­ror­mi­liz „Is­la­mi­scher Staat“(IS).

Nur knapp drei St­un­den spä­ter äu­ßer­te ein 35-jäh­ri­ger tu­ne­si­scher Häft­ling im Ge­fäng­nis Kais­heim un­ver­hoh­len sei­ne Ge­nug­tu­ung über den An­schlag. Ge­gen­über ei­ner Jus­tiz­be­am­tin sag­te er: „Eu­ro­pa nix gut. Brüssel gut. Mos­lems über­all“. We­gen „Bil­li­gung von Straf­ta­ten“ist der Ge­fan­ge­ne jetzt vom Amts­ge­richt in Augs­burg zu ei­ner wei­te­ren Haft­stra­fe von fünf Mo­na­ten ver­ur­teilt wor­den.

Vor Straf­rich­ter Fa­bi­an Espen­schied räum­te der Tu­ne­si­er über sei­nen An­walt Flo­ri­an En­gert die „spon­ta­ne Äu­ße­rung“ein, die er nun be­daue­re. Er sei zu die­sem Zeit­punkt un­ter dem Ein­fluss von Me­di­ka­men­ten und Ma­ri­hua­na ge­stan­den, er­gänz­te er sei­nen Ver­tei­di­ger. Wie er denn an das Rausch­gift ge­kom­men sei, woll­te der Rich­ter wis­sen. Die Ant­wort: „Im Ge­fäng­nis gibt es al­les.“Ge­rüch­ten, nach de­nen er sich im Knast als An­hän­ger is­la­mis­ti­scher Ideo­lo­gi­en zu er­ken­nen ge­ge­ben ha­be, be­stritt er.

Staats­an­wäl­tin An­na Banks sah in der Äu­ße­rung des Häft­lings den öf­fent­li­chen Frie­den ge­fähr­det. Die Öf­fent­lich­keit müs­se vor ei­nem Kli­ma ge­schützt wer­den, in dem ähn­li­che Straf­ta­ten ge­dei­hen, ge­ra­de an ei­nem Ort wie in ei­nem Ge­fäng­nis, in dem der IS be­kann­ter­ma­ßen An­hän­ger re­kru­tie­re. Sie for­der­te ei­ne Ver­län­ge­rung der Haft um sechs Mo­na­te für den An­ge­klag­ten, der Stra­fen un­ter an­de­rem we­gen ver­such­ten Rau­bes bis An­fang 2018 ab­sit­zen muss. Er ist in­zwi­schen in ei­ne an­de­re Haft­an­stalt ver­legt wor­den. Ver­tei­di­ger Flo­ri­an En­gert hielt drei Mo­na­te Haft für an­ge­mes­sen, da sich sein Man­dant nur ei­ner Per­son ge­gen­über und nicht über das In­ter­net ge­äu­ßert ha­be. „Ei­ne Jus­tiz­be­am­tin wird für sol­che Äu­ße­run­gen ja nicht emp­fäng­lich sein“, ar­gu­men­tier­te er. Das Ge­richt ent­schied auf fünf Mo­na­te. Es sei „in höchs­tem Ma­ße ver­werf­lich“, so der Rich­ter, ei­nen der­ar­ti­gen Ter­ror­an­schlag zu bil­li­gen. Et­was an­de­res als ei­ne Haft­stra­ße kä­me nicht in­fra­ge. Der An­ge­klag­te nahm das Ur­teil noch im Ge­richts­saal an.

„Das ist in höchs­tem Ma­ße ver­werf­lich.“

(utz)

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