Zwei Ton­nen Fisch be­stellt, aber nicht be­zahlt

Pro­zess Ein 61-jäh­ri­ger Mann soll Tie­re im Wert von mehr als 8000 Eu­ro ge­or­dert ha­ben. Doch nur ein Bruch­teil der Wa­re wur­de be­gli­chen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Schwabmünchen - VON MICHA­EL LIND­NER

Land­kreis Augs­burg Der Kun­de ist Kö­nig – das dach­te sich auch Fisch­groß­händ­ler Ralf B.* aus dem süd­li­chen Land­kreis, als er von ei­nem sei­ner Ge­schäfts­part­ner aus Ös­ter­reich ei­ne Be­stel­lung er­hielt. Die­ser woll­te knapp zwei Ton­nen Bio­fisch. 800 Ki­lo­gramm Bach­sai­b­lin­ge und 1150 Ki­lo­gramm Re­gen­bo­gen­fo­rel­len. Das Pro­blem: B. kann­te nie­man­den, von dem er die­se Men­ge be­kom­men könn­te. Bis ihm sein 61-jäh­ri­ger Sch­wa­ger ein­fiel, von dem er die Fir­ma 2012 über­nahm und der im Au­gust 2014 noch im­mer aus­hilfs­wei­se im Un­ter­neh­men ar­bei­te­te.

Der 61-jäh­ri­ge an­ge­klag­te Sch­wa­ger stell­te den Kon­takt zu ei­nem ehe­ma­li­gen Ge­schäfts­part­ner in Ba­den-Würt­tem­berg her und or­der­te bei die­sem die knapp zwei Ton­nen Fisch. „Im Auf­trag mei­nes Sch­wa­gers“, stell­te der An­ge­klag­te wäh­rend der Ver­hand­lung am Augs­bur­ger Amts­ge­richt im­mer wie­der klar. Er ha­be die Fi­sche le­dig­lich be­stellt, sie mit sei­nem und Bs. Sohn in Ba­den-Würt­tem­berg stun­den­lang ver­la­den und sei wie­der ge­fah­ren.

Be­zah­len soll­te und woll­te die Sum­me sein Sch­wa­ger B. – was er aber bis heu­te nicht tat. Das gab der als Zeu­ge ge­la­de­ne B. vor Ge­richt auch zu. Sei­ne la­pi­da­re Be­grün­dung, war­um er bis jetzt noch nicht ge­zahlt ha­be: „Ich ha­be nie ei­ne Rech­nung er­hal­ten“, sag­te B. vor Ge­richt aus. Er ha­be sich auch nicht wei­ter um die Zah­lung der 8400 Eu­ro ge­küm­mert, da er in­zwi­schen ge­sund­heit­lich stark an­ge­schla­gen und Al­ko­ho­li­ker sei, ei­ne Schei­dung hin­ter sich ha­be und sein Fisch­han­del oh­ne­hin nicht mehr exis­tie­re. „Da­mals war mir al­les wurst“, sag­te B.

Sein an­ge­klag­ter Sch­wa­ger er­hielt da­ge­gen zwei Mo­na­te nach dem Fisch­trans­port ei­ne Zah­lungs­auf­for­de­rung über mehr als 8000 Eu­ro. Doch auch er ha­be sich nicht um die Be­glei­chung der Rech­nung ge­küm­mert, da ja B. da­für zu­stän­dig ge­we­sen sei. Der An­ge­klag­te ha­be sprich­wört­lich den Kopf in den Sand ge­steckt und ge­dacht, dass sich al­les von selbst er­le­di­ge. Da er zu die­ser Zeit eh plei­te war, sei ihm die gan­ze Sa­che egal ge­we­sen. Das än­der­te sich, als sein Sohn ein ei­ge­nes Fisch­ge­schäft er­öff­nen woll­te. Er woll­te die Ge­schäfts­be­zie­hun­gen mit dem Ge­schä­dig­ten aus Ba­den-Würt­tem­berg fort­füh­ren und ha­be des­halb im Ju­ni 2015 frei­wil­lig 1000 Eu­ro über­wie­sen. Doch das ge­nüg­te nicht, es fehl­ten wei­te­re knapp 7400 Eu­ro.

Da der Ge­schä­dig­te nicht vor Ge­richt er­schie­nen ist, wird die Ver­hand­lung am 29. Ju­ni fort­ge­setzt. Dann soll end­gül­tig ge­klärt wer­den, ob der An­ge­klag­te oder des­sen Sch­wa­ger für die Rech­nung ver­ant­wort­lich ist.

*Na­me von der Re­dak­ti­on ge­än­dert

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

Fast 2000 Ki­lo­gramm Fi­sche – Fo­rel­len und Sai­b­lin­ge – soll­te ein Händ­ler lie­fern.

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