CSU Grö­ßen strei­ten über ei­ne Frau

Zwist Frak­ti­ons­chef Tho­mas Kreu­zer und Kul­tus­mi­nis­ter Lud­wig Spa­en­le sind an­ein­an­der­ge­ra­ten. Der Aus­lö­ser ist Kreu­zers Le­bens­ge­fähr­tin, die an­geb­lich im Münch­ner Be­zirks­ver­band schi­ka­niert wird. Es geht um Macht und Pos­ten

Schwabmuenchner Allgemeine - - Bayern - VON HEN­RY STERN

Mün­chen/Prag In Kurz­form klingt die Ge­schich­te spek­ta­ku­lär: An ei­ner Ho­tel­bar im Pra­ger Ho­tel In­ter­con­ti­nen­tal zof­fen sich in al­ler Öf­fent­lich­keit zwei hoch­ran­gi­ge CSU-Po­li­ti­ker we­gen ei­ner Frau, die auch noch CSU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te ist. Auf­grund des Streits dro­he nun gar ei­ne haus­ge­mach­te Re­gie­rungs­kri­se, heißt es.

Wer ge­nau­er nach­fragt, stellt al­ler­dings fest: Ganz so wild war es wohl doch nicht. Es ging näm­lich nicht um Lieb­schaf­ten oder Ei­fer­sucht, wie die Kurz­fas­sung sug­ge­riert. Und auch von ei­ner Re­gie­rungs­kri­se kann wohl eher kei­ne Re­de sein. In­ter­es­sant ist die Ge­schich­te trotz­dem – vor al­lem, weil Zeit­punkt und Art der Ver­öf­fent­li­chung ein grel­les Licht dar­auf wer­fen, wie es in der CSU noch im­mer zu­ge­hen kann, wenn es um Macht und Pos­ten geht.

Was war pas­siert? An­fang Mai fuhr ein gro­ßer Teil der CSU-Land­tags­frak­ti­on nach Prag, um mit ei­nem um­fang­rei­chen Be­suchs- und Ge­sprächs­pro­gramm die Be­zie­hun­gen zu den tsche­chi­schen Nach­barn

Ge­mein­sa­me Er­klä­rung der bei­den Streit­häh­ne

zu ver­tie­fen. Abends woll­te die Rei­se­grup­pe den Tag an der Ho­tel­bar in al­ler Ru­he aus­klin­gen las­sen: ein Im­biss, net­te Mu­sik, gu­te Ge­sprä­che.

Auch CSU-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Kreu­zer und Kul­tus­mi­nis­ter Lud­wig Spa­en­le un­ter­hiel­ten sich dort an­ge­regt, wie meh­re­re Teil­neh­mer be­stä­ti­gen. Bei die­sem Gespräch soll es je­doch mehr als hef­tig ge­kracht ha­ben, be­rich­te­te nun die Bild-Zei­tung: Kreu­zer ha­be Spa­en­le mas­siv an­ge­grif­fen, ihm gar mit Raus­schmiss aus dem Ka­bi­nett ge­droht. Der Grund: Der aus sei­ner Sicht un­fai­re Um­gang der von Spa­en­le als Be­zirks­chef ge­führ­ten Münch­ner CSU mit Kreu­zers Le­bens­ge­fähr­tin, der Münch­ner CSU-Ab­ge­ord­ne­ten Mecht­hil­de Witt­mann.

We­der die di­rekt Be­tei­lig­ten noch Au­gen- und Oh­ren­zeu­gen wol­len al­ler­dings von ei­nem of­fe­nen Zer­würf­nis spre­chen: Über vie­le The­men hät­ten bei­de ge­re­det, auch über die Münch­ner CSU und, ja, auch über Witt­mann, ist zu hö­ren. Ein „of­fe­ner Aus­tausch“sei das Gespräch ge­we­sen – was über­setzt aus dem Di­plo­ma­ten­deutsch nichts an­de­res heißt, als dass man stark un­ter­schied­li­cher Meinung war, sich aber nicht gleich an die Keh­le ging.

Nach den ak­tu­el­len Schlag­zei­len sa­hen sich Spa­en­le und Kreu­zer am Frei­tag je­doch ge­nö­tigt, ei­ne knap­pe ge­mein­sa­me Er­klä­rung zu ver­schi­cken: Man ha­be sich „er­neut aus­ge­tauscht“, heißt es dort schmal­lip­pig: „Da­bei wur­den et­wai­ge Miss­ver­ständ­nis­se ein­ver­nehm­lich aus­ge­räumt.“Ech­te Män­ner­freund­schaft klingt wohl an­ders.

Um das Kon­flikt­po­ten­zi­al zwi­schen Kreu­zer und Spa­en­le zu ver­ste­hen, muss man zum ei­nen wis­sen, dass die bei­den zu­letzt nicht ge­ra­de die engs­ten Par­tei­freun­de wa­ren: Vor al­lem in der De­bat­te um die Zu­kunft des Gym­na­si­ums ließ der er- klär­te G8-Freund Kreu­zer den Kul­tus­mi­nis­ter wie­der­holt wie ei­nen Schul­bu­ben aus­se­hen – was Spa­en­le nicht ver­ges­sen ha­ben dürf­te.

Kreu­zers Le­bens­ge­fähr­tin Witt­mann hat­te es zu­dem in Spa­en­les Münch­ner CSU zu­letzt nicht leicht. Bei der Wahl des Be­zirks­vor­stands vor zwei Jah­ren et­wa ge­riet Witt­mann un­ter die Rä­der: Bis da­to ei­ne von vier Spa­en­le-Stell­ver­tre­tern, wur­de sie aus dem Vor­stand ge­ke­gelt. Nicht we­ni­ge Be­ob­ach­ter ver­mu­te­ten ei­ne Kon­zer­tier­te Ak­ti­on.

Am kom­men­den Mon­tag ste­hen in der CSU Mün­chen er­neut Vor­stands­wah­len an – wes­halb man­che in der Par­tei nicht an Zu­fall glau­ben wol­len, wenn die et­was auf­ge­hüb­sch­te Zoff-Ge­schich­te sie­ben Wo­chen nach der Prag-Rei­se aus­ge­rech­net jetzt das Licht der Öf­fent­lich­keit er­blickt. Woll­te da je­mand zei­gen, dass die Li­ai­son mit dem mäch­ti­gen CSULand­tags­frak­ti­ons­chef im in­ter­nen Macht­ge­ran­gel kei­ne Plus­punk­te bringt? Witt­mann wer­de in der Münch­ner CSU schon lan­ge ge­mobbt, heißt es da­zu in der Land­tags-CSU: „Die ma­chen ihr das Le­ben rich­tig schwer.“Ob es ihr aber wirk­lich hel­fe, wenn Kreu­zer für sie bei Spa­en­le in die Bre­sche sprin­ge, sei ei­ne ganz an­de­re Fra­ge.

Zu­mal Witt­mann in Sa­chen Macht­spie­le durch­aus auf Au­gen­hö­he mit ih­ren Münch­ner Par­tei­freun­den sei, fin­det ein kri­ti­scher CSUKol­le­ge: Es feh­le ihr als Frau in der „Män­ner­par­tei CSU“nur am nö­ti­gen Netz­werk. Selbst­be­wusst und ehr­gei­zig sei die 49-Jäh­ri­ge aber – was man­chen wohl Angst ma­che.

Aus die­sem Grund stößt die im ver­gan­ge­nen Herbst be­kannt ge­mach­te Be­zie­hung zu Kreu­zer viel­leicht auch in der Land­tags-CSU auf Arg­wohn: Witt­mann wol­le Kreu­zer zu wei­te­ren Kar­rie­re­sprün­gen trei­ben, wird dort et­wa er­zählt. Denn: „Hin­ter je­der gro­ßen Kar­rie­re ei­nes Man­nes steht ei­ne ehr­gei­zi­ge Frau.“

Zum CSU-in­ter­nen Arg­wohn passt ei­ne an­de­re Ge­schich­te, die in der Land­tags­frak­ti­on die Run­de macht: Aus­ge­rech­net Witt­mann ha­be Kreu­zer an Pfings­ten beim Su­de­ten­deut­schen Tag in Augs­burg ver­tre­ten und dort Wert dar­auf ge­legt, als Stell­ver­tre­te­rin des CSUFrak­ti­ons­chefs be­grüßt zu wer­den. Letz­te­res wä­re pi­kant, weil es ge­wähl­te stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­chefs gibt, zu de­nen Witt­mann nicht zählt. In der Tat war Kreu­zer we­gen ei­ner Er­kran­kung ver­hin­dert, Witt­mann sprang kurz­fris­tig ein. „Sie hat mir nur ge­sagt, sie ver­tre­te die CSUFrak­ti­on. Und so ha­be ich sie auch be­grüßt“, sagt der Lan­des­ob­mann der Su­de­ten­deut­schen, Stef­fen Hört­ler, auf Nach­fra­ge. Von ihr un­ter Druck ge­setzt ha­be er sich kei­nes­falls ge­fühlt: „Ich ha­be mich nur ge­freut, dass sie da ist.“

Fo­tos: Sven Hop­pe, dpa

Schwie­ri­ge Be­zie­hun­gen: Die am­bi­tio­nier­te Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mecht­hil­de Witt­mann wird in der Münch­ner CSU aus­ge­bremst. Chef des CSU Be­zirks­ver­bands Mün­chen ist Kul­tus­mi­nis­ter Lud­wig Spa­en­le (rechts). CSU Frak­ti­ons­chef Tho­mas Kreu­zer ist Witt­manns Le­bens­ge­fähr­te. Er soll sich über Spa­en­le är­gern.

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