Mensch, ist das laut hier!

Nach­bar­schaft Wie Mie­ter sich ge­gen Lärm weh­ren kön­nen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Immo-börse -

Augs­burg Spie­len­de Kin­der, bel­len­de Hun­de oder fei­ern­de Stu­den­ten: Im Miets­haus wird der Lärm der Nach­barn manch­mal un­er­träg­lich. Was aber kann man ge­gen Lärm aus der Nach­bar­woh­nung tun? Ei­ne An­lei­tung in fünf Schrit­ten:

Schritt 1: Mit dem Nach­barn re­den

Mie­ter soll­ten zu­nächst das Gespräch mit lau­ten Nach­barn su­chen und sie um mehr Rück­sicht bit­ten, rät Ul­rich Ropertz vom Deut­schen Mie­ter­bund. „Man kann den Nach­barn kurz in die Woh­nung bit­ten, da­mit er mit ei­ge­nen Oh­ren er­lebt, wie sich Lärm in der Nach­bar­woh­nung aus­wirkt“, rät Ropertz. Lau­te Kin­der ak­zep­tie­ren vie­le Mie­ter zwar. Aber auch hier kann sich ein Gespräch loh­nen: „Viel­leicht ist es ja doch mög­lich, dass El­tern mä­ßi­gend auf ih­re spie­len­den Kin­der ein­wir­ken“, sagt die Rechts­an­wäl­tin Bea­te Heil­mann von der Ar­beits­ge­mein­schaft Miet­recht des Deut­schen An­walt­ver­eins (DAV).

Schritt 2: Lärm­pro­to­koll an­fer­ti­gen

Wenn ein Gespräch nichts bringt, kön­nen Mie­ter ein Lärm­pro­to­koll an­fer­ti­gen. „Im Pro­to­koll soll­ten Mie­ter das je­wei­li­ge Da­tum und die Uhr­zeit fest­hal­ten, zu der ei­ne Lärm­be­läs­ti­gung statt­ge­fun­den hat“, sagt Heil­mann. Es ge­nügt ein Ver­merk: „al­le zwei Ta­ge, je­weils un­ge­fähr in der Zeit ab 22.30 Uhr bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den hin­ein.“„Das Lärm­pro­to­koll soll­te zu­dem ob­jek­tiv über­prüf­bar sein“, rät Sil­via Jörg, Lei­te­rin des In­ter­es­sen­ver­ban­des Mie­ter­schutz. Des­halb soll­ten ge­stör­te Mie­ter den Lärm ver­glei­chend be­schrei­ben, et­wa so: „Es war so laut, dass der Fern­se­her lau­ter als Zim­mer­laut­stär­ke ge­stellt wer­den muss­te, Ge­sprä­che in nor­ma­ler Laut­stär­ke nicht mehr mög­lich wa­ren oder das Te­le­fon über­hört wur­de.“

Schritt 3: Ver­mie­ter ein­schal­ten

Mit dem Pro­to­koll in der Hand kann der Ver­mie­ter den stö­ren­den Nach­barn ab­mah­nen und auf­for­dern, künf­tig kei­nen Krach mehr zu ma­chen. In sel­te­nen Fäl­len hat der Mie­ter auch An­spruch auf ei­ne Män­gel­be­sei­ti­gung. Im Kl­ar­text hie­ße das dann: Der Ver­mie­ter muss dem stö­ren­den Nach­barn kün­di­gen. Oh­ne prä­zi­se In­for­ma­tio­nen sei­en dem Ver­mie­ter je­doch die Hän­de ge­bun­den, so Heil­mann.

Schritt 4: Mie­te min­dern

„Wenn der Lärm des Nach­barn den Wohn­ge­brauch des Mie­ters be­ein­träch­tigt, ist das ein Miet­man­gel, der ge­mäß Pa­ra­graf 536 BGB zur Miet­min­de­rung be­rech­tigt“, sagt Jörg. Bei­spie­le da­für sind laut Ropertz Nach­barn, die je­des Wo­che­n­en­de durch­fei­ern, oder ein Heim­wer­ker, der täg­lich ab 17.00 Uhr bohrt und sägt. Wich­tig sei, dass der Ver­mie­ter über den Lärm vor­her in­for­miert wor­den ist.

Schritt 5: Po­li­zei ru­fen

„Bei Par­ty­lärm bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den und un­ein­sich­ti­gen Fei­ern­den, die nicht mit sich re­den las­sen, bleibt im Zwei­fel nur der An­ruf bei der Po­li­zei, wenn man schla­fen will“, sagt Ropertz. Er­scheint die Straf­an­zei­ge als ein­zi­ger Weg, kann der ge­stör­te Mie­ter ne­ben der Po­li­zei eben­so das Ord­nungs­amt in­for­mie­ren. Zu­dem kön­ne der Mie­ter auch selbst ei­ne zi­vil­recht­li­che Un­ter­las­sungs­kla­ge ge­gen den Nach­barn ein­rei­chen, so Sil­via Jörg. „Der An­ruf bei der Po­li­zei soll­te wirk­lich das letz­te Mit­tel sein“, be­tont Jörg. Der Mie­ter sei je­doch ver­pflich­tet, die Lärmstö­run­gen auch be­wei­sen und be­le­gen zu kön­nen. Nimmt die Po­li­zei die Lärmstö­rung auf, ist der Vor­gang je­den­falls of­fi­zi­ell do­ku­men­tiert, und das kann hel­fen, den Lärm zu be­le­gen.

Fo­to: an­dria­no_cz, Fo­to­lia.com

An Schlaf ist nicht zu den­ken, weil in der Nach­bar­woh­nung – viel­leicht mal wie­der – zu fest ge­fei­ert wird? Wenn per­sön­li­che Ge sprä­che nichts brin­gen, hat man als Mie­ter noch zahl­rei­che an­de­re Mög­lich­kei­ten, sich zu weh­ren.

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