Der Über­gang von Ar­beit zur Ren­te

Al­ter Bis­her gal­ten stren­ge Re­geln für Rent­ner, die sich noch et­was da­zu­ver­die­nen woll­ten. Nun wer­den die­se ge­lo­ckert. Auch wer län­ger ar­bei­ten möch­te, hat es leich­ter

Schwabmuenchner Allgemeine - - Geld & Leben - VON JOA­CHIM BOMHARD

Augsburg Wer in Ren­te ist, ge­hört noch lan­ge nicht zum al­ten Ei­sen. Schon Rent­ner sein, aber noch ei­nem Be­ruf nach­zu­ge­hen und et­was da­zu­zu­ver­die­nen, ist all­täg­lich. Nach An­ga­ben der Bun­des­agen­tur für Ar­beit tun das weit mehr als ei­ne Mil­li­on Men­schen: fast 900 000 Mi­ni­job­ber, 350 000 Selbst­stän­di­ge zwi­schen 65 und 74 Jah­ren und 200000, die noch nor­mal so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig an­ge­stellt sind.

Das Ar­bei­ten im Ru­he­stand wird zum 1. Ju­li wei­ter er­leich­tert. Wer es will und da­bei al­les rich­tig macht, muss mit we­ni­ger Ab­zü­gen rech­nen und kann sich auch ei­ne hö­he­re Ren­te er­ar­bei­ten. Zu­gleich kann man den Über­gang vom Ar­beits- ins Rent­ner­le­ben fle­xi­bler gestal­ten.

Was än­dert sich für Be­zie­her ei­ner vor­ge­zo­ge­nen Al­ters­ren­te?

Die bis­he­ri­ge mo­nat­li­che Gren­ze von 450 Eu­ro (in zwei Mo­na­ten pro Jahr durf­ten es auch bis zu 900 Eu­ro sein), bis zu der man oh­ne Ren­ten­ab­zü­ge hin­zu­ver­die­nen konn­te, wird durch ei­ne jähr­li­che Frei­be­trags­ober­gren­ze von 6300 Eu­ro er­setzt. 40 Pro­zent von al­lem, was dar­über hin­aus­geht, wer­den von der Ren­te ab­ge­zo­gen. Ein Re­chen­bei­spiel: Ei­ne Frau be­kommt ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Al­ters­ren­te von 950 Eu­ro im Mo­nat. Jetzt ver­dient sie sich aber mo­nat­lich 1510 Eu­ro hin­zu, macht im Jahr 18 120 Eu­ro. Da­von wer­den zu­nächst die 6300 Eu­ro Frei­be­trag ab­ge­zo­gen. Blei­ben 11820 Eu­ro im Jahr (oder 985 Eu­ro im Mo­nat), die „zu viel“ver­dient wur­den. 40 Pro­zent von die­sen 985 Eu­ro wer­den nun von der Ren­te ab­ge­zo­gen, al­so 394 Eu­ro. Die Ren­ten­ver­si­che­rung über­weist al­so 556 statt 950 Eu­ro.

Kann es da nicht pas­sie­ren, dass ein Rent­ner oh­ne Vor­war­nung ho­he Be­trä­ge an die Ren­ten­ver­si­che­rung zu­rück­er­stat­ten muss?

Nicht un­be­dingt. Die Ren­ten­ver­si­che­rung prüft ein­mal im Jahr rück­wir­kend cent­ge­nau den tat­säch­li­chen Hin­zu­ver­dienst und stellt auf die­ser Ba­sis ei­ne Pro­gno­se über den zu er­war­ten­den Hin­zu­ver­dienst im lau­fen­den und fol­gen­den Ka­len­der­jahr auf. Dem Er­geb­nis ent­spre­chend wird die Hö­he der Ren­ten­zah­lung fest­ge­legt.

Wel­che Nach­tei­le hat die vor­ge­zo­ge­ne Al­ters­ren­te?

Sie ist mit Ab­zü­gen von der Ren­te ver­bun­den – 0,3 Pro­zent für je­den Mo­nat, den je­mand vor­zei­tig in Ru­he­stand geht. Al­ler­dings kön­nen Ren­ten­ver­si­cher­te ab dem 1. Ju­li 2017 frü­her und fle­xi­bler zu­sätz­li­che Bei­trä­ge in die Ren­ten­kas­se ein­zah­len, um hier vor­zu­beu­gen. Bis­her war das vom 55. Le­bens­jahr an mög­lich, jetzt geht das schon mit 50. Die Hö­he der Zah­lung kann den in­di­vi­du­el­len Plä­nen und Mög­lich­kei­ten an­ge­passt wer­den. Am bes­ten lässt man sich in ei­ner der Aus­kunfts­und Be­ra­tungs­stel­len der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung be­ra­ten.

Gibt es ei­ne Ober­gren­ze für den Hin­zu­ver­dienst?

Im Prin­zip nein. Aber Vor­sicht! Wenn Hin­zu­ver­dienst und be­reits ge­kürz­te Ren­te das höchs­te Ein­kom­men der letz­ten 15 Jah­re über­stei­gen, wird al­les, was über die­sem Be­trag liegt, zu 100 Pro­zent von der rest­li­chen Ren­te ab­ge­zo­gen.

Wie steht es mit dem Hin­zu­ver­dienst bei Ren­ten we­gen Er­werbs­min­de­rung?

Hier gel­ten die glei­chen Be­stim­mun­gen. Be­trof­fe­ne müs­sen be­ach­ten, dass sich ihr Hin­zu­ver­dienst auch an ih­rem „Rest­leis­tungs­ver­mö­gen“ori­en­tie­ren muss. Bei ei­ner vol­len Er­werbs­min­de­rung dür­fen täg­lich nur bis zu drei St­un­den ge­ar­bei­tet wer­den, bei ei­ner teil­wei­sen sind es bis zu sechs.

Was gilt für Men­schen, die ih­re Re­gel­al­ters­gren­ze er­reicht ha­ben, aber noch wei­ter ar­bei­ten wol­len?

Sie kön­nen zu­nächst ein­mal un­be­grenzt hin­zu­ver­die­nen, oh­ne Ab­stri­che von der Ren­te be­fürch­ten zu müs­sen. Wo­bei na­tür­lich wei­ter­hin Steu­ern und Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge an­fal­len. Sie ha­ben nun zwei Mög­lich­kei­ten, ih­re Ren­te auf­zu­bes­sern. ● Zum ei­nen da­durch, dass sie ih­re Re­gel­al­ters­ren­te erst spä­ter in An­spruch neh­men. Für je­den Mo­nat län­ge­res Ar­bei­ten gibt es ei­nen Zu­schlag von 0,5 Pro­zent. Auf ein Jahr hoch­ge­rech­net sind das sechs Pro­zent. Au­ßer­dem wer­den ja wei­ter Bei­trä­ge ein­be­zahlt. Die Ren­ten­an­sprü­che ei­nes Durch­schnitts­ver­die­ners stei­gen da­durch noch­mals um mo­nat­lich rund 30 Eu­ro.

● Die zwei­te Mög­lich­keit, die es seit Jah­res­be­ginn gibt, heißt: Ren­te be­zie­hen, gleich­zei­tig et­was hin­zu­ver­die­nen und mit dem Ar­beit­ge­ber ver­ein­ba­ren, dass Sie wei­ter Ih­ren Ar­beit­neh­mer­an­teil zum Ren­ten­bei­trag be­zah­len wol­len. Wer bei­spiels­wei­se ein Jahr lang die Hälf­te ei­nes Durch­schnitts­ver­diens­tes be­zieht, zahlt in die­ser Zeit 1735 Eu­ro ei­ge­nen Bei­trag und er­hält da­für im fol­gen­den Jahr 16,60 Eu­ro Ren­te zu­sätz­lich.

Qu­el­len: Ren­ten­ver­si­che­rung Bund und Bun­des­pres­se­amt

Fo­to: Andre­as Ge­bert, dpa

Wer schon in Ren­te war, aber noch et­was da­zu ver­die­nen woll­te, durf­te bis­lang nur 450 Eu­ro im Mo­nat ver­die­nen. Die­se Vor­ga­be wird nun ge­lo­ckert. Da­durch soll Rent­nern die Ar­beit er­leich­tert wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.