Mit­tel­maß mor­det Ge­nie

Shaf­fers ,Ama­de­us‘ als Open Air in In­gol­stadt

Schwabmuenchner Allgemeine - - Feuilleton - VON FRIED­RICH KRAFT 15 Vors­tel lun­gen bis ein­schließ­lich 22. Ju­li.

In­gol­stadt Fei­nes Som­mer­thea­ter prä­sen­tiert das Stadt­thea­ter In­gol­stadt zum Aus­klang der Spiel­zeit auf der Frei­licht­büh­ne im Turm Baur mit Peter Shaf­fers „Ama­de­us“. 1979 wur­de das Schau­spiel in London ur­auf­ge­führt, 1981 gab es die gran­di­os be­setz­te deut­sche Erst­auf­füh­rung am Münch­ner Re­si­denz­thea­ter, und drei Jah­re spä­ter wur­de Mi­los Form­ans fil­mi­sche Ver­si­on mit Os­cars über­häuft.

Da­bei hat­te der bri­ti­sche Au­tor, im ver­gan­ge­nen Jahr 90-jäh­rig ge­stor­ben, sei­nen so er­folg­rei­chen Stoff nur aus ei­ner Fuß­no­te der Mu­sik­ge­schich­te ge­zo­gen. Dem Ge­rücht nach soll der bra­ve Wie­ner Hof­kom­po­nist An­to­nio Sa­lie­ri un­ter der haus­ho­hen mu­si­ka­li­schen Über­le­gen­heit des 1781 auf­ge­tauch­ten Kon­kur­ren­ten Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart der­art ge­lit­ten ha­ben, dass sich der ei­gent­lich so from­me Mann zu tü­cki­schen In­tri­gen und ei­nem Mord­kom­plott hin­rei­ßen ließ. Längst ist die­se Fa­bel wis­sen­schaft­lich wi­der­legt. Shaf­fer aber er­kann­te in ihr das dra­ma­tisch ef­fekt­vol­le Grund­mo­tiv und setz­te es psy­cho­lo­gisch span­nungs­voll um: red­li­ches Mit­tel­maß ver­zwei­felnd im An­ge­sicht des fre­chen Ge­nies.

Im Rund des In­gol­städ­ter Fe­s­tungs­baus, er­rich­tet nach den Plä­nen Leo von Klen­zes, be­ein­druckt das Stück er­neut. Die Ins­ze­nie­rung ist stim­mig, be­rüh­rend – ob­wohl es noch nach Be­ginn der Pro­ben ei­nen Wech­sel in der Re­gie gab: Ni­ko­la­os Eleft­he­ria­dis, frei­schaf­fen­der Thea­ter­mann aus Ess­lin­gen, muss­te vor vier Wo­chen für Ing­mar Otto aus Karls­ru­he ein­sprin­gen. We­gen Er­kran­kung, hieß die of­fi­zi­el­le Be­grün­dung.

Mehr Kam­mer­spiel als Frei­luft Spe­ka­ta­kel

Zum Ge­lin­gen der Pro­duk­ti­on trägt ent­schei­dend der Büh­nen­bild­ner Flo­ri­an An­ge­rer bei – und zwar mit pfif­fi­gen Ide­en wie dem Kon­strukt ei­ner über­di­men­sio­na­len, herr­schaft­li­chen Kut­sche, de­ren In­te­ri­eur zur zwei­ten Spiel­stät­te wird, seit­lich plat­ziert im Halb­rund der his­to­ri­schen Mau­er­ku­lis­se.

Ex­zel­lent agiert das Haupt­dar­stel­ler-Trio Mat­thi­as Za­jgier (An­to­nio Sa­lie­ri), Fe­lix St­ein­hardt (Ama­dé Mo­zart) so­wie Sa­rah Horak (Con­stan­ze, Mo­zarts Frau). Das Pre­mie­ren­pu­bli­kum zeig­te sich von der eher frei­licht-un­ty­pi­schen, nicht auf Spek­ta­kel, son­dern mehr auf Kam­mer­spiel set­zen­den Ins­ze­nie­rung stark be­ein­druckt.

Wei­te­re Auf­füh­run­gen

Fo­to: Jo­chen Klenk

Le­bens­lus­tig: Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart (Fe­lix St­ein­hardt).

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