Teil­er­folg für Trumps Ein­rei­se­bann

Vor­erst be­stä­tigt vom obers­ten US-Ge­richt

Schwabmuenchner Allgemeine - - Politik - VON THO­MAS SEI­BERT

Wa­shing­ton Der „Twit­te­rer-in­Chief“hat da­zu­ge­lernt. Statt über sein Lieb­lings­me­di­um auf den Teil­er­folg vor dem Ver­fas­sungs­ge­richt zu re­agie­ren, mel­de­te er sich ganz alt­mo­disch via Pres­se­mit­tei­lung zu Wort. „Die heu­ti­ge Ent­schei­dung des Su­pre­me Court ist ein kla­rer Sieg un­se­rer na­tio­na­len Si­cher­heit“, er­klär­te Do­nald Trump. „Als Prä­si­dent kann ich kei­ne Leu­te ins Land las­sen, die uns scha­den wol­len.“Es sei ihm ei­ne be­son­de­re Ge­nug­tu­ung, dass die neun Rich­ter die Ent­schei­dung ein­stim­mig ge­fällt hät­ten.

Nur, die Rich­ter ha­ben ei­gent­lich noch gar nichts ent­schie­den. Min­des­tens nicht in der Sa­che. Sie er­lau­ben le­dig­lich die Aus­set­zung von Aspek­ten der Einst­wei­li­gen Ver­fü­gun­gen, die nach­ge­ord­ne­te Ge­rich­te ge­gen den so­ge­nann­ten „Mus­limBann“an­ge­ord­net hat­ten. In ih­rer 16-sei­ti­gen Be­grün­dung heißt es, der Ein­rei­sestopp „darf nicht ge­gen aus­län­di­sche Staats­bür­ger durch­ge­setzt wer­den, die glaub­wür­dig ei­ne ,bo­na fi­de‘ (ech­te) Be­zie­hung zu ei­ner Per­son oder In­sti­tu­ti­on in den USA ha­ben.“Da­zu ge­hö­ren fa­mi­liä­re, be­ruf­li­che oder auch staat­li­che Kon­tak­te.

Im Kl­ar­text be­deu­tet dies, dass Bür­ger Irans, Li­by­ens, So­ma­li­as, Su­dans, Sy­ri­ens und Je­mens für 90 Ta­ge nicht in die USA rei­sen dür­fen, wenn sie sol­che „bo­na fi­de“Be­zie­hun­gen

Bür­ger­rechts­be­we­gung zeigt sich ge­schockt

nicht nach­wei­sen kön­nen. Flücht­lin­gen wird dar­über hin­aus für 120 Ta­ge die Ein­rei­se in die USA ver­wei­gert. Do­nald Trump will den Bann nun bin­nen 72 St­un­den in die Pra­xis um­set­zen. In bei­den Fäl­len hat­te der Prä­si­dent ar­gu­men­tiert, die Re­gie­rung be­nö­ti­ge die Zeit, um ih­re Ver­fah­ren zur Über­prü­fung der Un­be­denk­lich­keit ei­ner Vi­sa-Er­tei­lung un­ter die Lu­pe zu neh­men. Da die­se Frist im Ok­to­ber bei An­hö­rung der Ar­gu­men­te durch das Ver­fas­sungs­ge­richt ab­ge­lau­fen ist, be­hält sich das Ge­richt aus­drück­lich vor zu prü­fen, ob sich der Fall zu die­sem Zeit­punkt er­le­digt hat.

Die Bür­ger­rechts­be­we­gung ACLU zeig­te sich ge­schockt über die vor­über­ge­hen­de Aus­set­zung von Aspek­ten der Einst­wei­li­gen Ver­fü­gun­gen. „Trumps so­ge­nann­ter Rei­se­bann ist ein Bann, der Mus­li­me ins Vi­sier nimmt“, klagt der Vor­sit­zen­de Ant­ho­ny Ro­me­ro. Der ACLU wer­de sich für die voll­stän­di­ge Auf­he­bung die­ses dis­kri­mi­nie­ren­den Er­las­ses ein­set­zen.

Ei­ne ak­tu­el­le Stu­die des „Cen­ter for In­ves­ti­ga­ti­ve Re­porting“wi­der­spricht Trumps Ar­gu­ment, der Bann sei nö­tig, um die Bür­ger zu schüt­zen. Nur ein Pro­zent der zwi­schen 2008 und 2016 an ei­nem Ter­ror­akt in den USA be­tei­lig­ten Per­so­nen stammt aus ei­nem der vom Ein­rei­sestopp be­trof­fe­nen Län­der. 87 Pro­zent der Ter­ror­be­tei­lig­ten ka­men da­ge­gen in den USA zur Welt.

Fo­to: dpa Ar­chiv

Im Ja­nu­ar un­ter­zeich­ne­te Do­nald Trump das Ein­rei­se­de­kret.

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