Räu­ber muss jah­re­lang ins Ge­fäng­nis

Jus­tiz Ein Mann über­fiel mit ei­ner Waf­fe ei­nen Geld­bo­ten. Er woll­te fet­te Beu­te ma­chen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON JAN KANDZORA

Der Plan ging so: Tho­mas K.* woll­te schnell an viel Geld kom­men und da­her ei­nen Geld­trans­por­ter über­fal­len. Er wähl­te ei­nen Mon­tag aus, denn an dem Tag brach­te ein Mit­ar­bei­ter ei­ner Augs­bur­ger Bä­cke­rei die Wo­che­n­end­ein­nah­men zur Bank. Tho­mas K. woll­te ihn ab­pas­sen, das Geld er­beu­ten und sich da­nach aus dem Staub ma­chen. Es klapp­te nicht, zu­min­dest nicht so, wie sich Tho­mas K. das vor­stell­te.

Was war pas­siert? Tho­mas K., 32, ein breit­schult­ri­ger, mehr­fach vor­be­straf­ter Mann mit Knas­ter­fah­rung, hat­te ver­sucht, sei­nen kri­mi­nel­len Plan um­zu­set­zen. Am Mon­tag, 5. Sep­tem­ber 2016, brach­te ein Mann et­was über 70000 Eu­ro zur Au­gus­ta-Bank in der Schieß­gra­ben­stra­ße, als ihn der Räu­ber mit ei­ner Sof­ta­ir-Pis­to­le be­droh­te, die Box mit den Wo­che­n­end­ein­nah­men er­griff und floh. Weit kam Tho­mas K. mit der Beu­te nicht.

Die Box hat­te ein be­trächt­li­ches Ge­wicht. Im Ge­richts­saal räum­te der An­ge­klag­te die Tat am ers­ten Pro­zess­tag ein und schil­der­te, er ha­be da­mals Pa­nik be­kom­men, als ein Po­li­zei­au­to an ihm vor­bei­ge­fah­ren sei. Er ver­steck­te die Box noch in der Stra­ße hin­ter ein paar Müll­ton­nen, wo die Po­li­zei sie spä­ter fand. Das Geld, so be­rich­te­te es der An­ge­klag­te, ha­be er für sei­ne Dro­gen­sucht aus­ge­ben wol­len. Desil­lu­sio­niert sei er zu der Zeit ge­we­sen, auch wäh­rend der Tat selbst ha­be er un­ter dem Ein­fluss von Dro­gen ge­stan­den. Als schließ­lich die Po­li­zei bei ihm an­rück­te, ver­such­te er zu flüch­ten. Er sprang aus ei­nem Fens­ter im ers­ten Stock, ver­letz­te sich und muss­te ins Kran­ken­haus. Seit­her sitzt er in U-Haft.

Ne­ben Tho­mas K. hat­ten sich im Pro­zess zwei wei­te­re An­ge­klag­te ver­ant­wor­ten müs­sen. Ei­ner von ih­nen, ein 31-Jäh­ri­ger, hat­te Tho­mas K. nach sei­ner Tat mit dem Au­to auf­ge­le­sen und sich spä­ter am Tat­ort um­ge­schaut. Um si­cher­zu­stel­len, dass das Geld nicht von an­de­ren Per­so­nen ge­fun­den wird, wie es in der An­kla­ge­schrift hieß, in der die Staats­an­walt­schaft ihm Bei­hil­fe zum schwe­ren Raub vor­warf. Der 31-Jäh­ri­ge, der eben­falls seit Sep­tem­ber in Un­ter­su­chungs­haft ge­we­sen war, be­stritt die­sen Vor­wurf am ers­ten Ver­hand­lungs­tag über ei­ne Er­klä­rung sei­ner Ver­tei­di­ge­rin Alex­an­dra Gut­meyr. Das Ge­richt stell­te das Ver­fah­ren ge­gen ihn ein, er wur­de da­mit aus der U-Haft ent­las­sen.

Der drit­te An­ge­klag­te spiel­te in dem Fall ei­ne Schlüs­sel­rol­le: Er war Mit­ar­bei­ter der Bä­cke­rei und wuss­te da­her, wann und wo der Geld­bo­te die ho­hen Ein­nah­men des Wo­che­n­en­des zur Bank brach­te. Und von ihm hat­te es Tho­mas K. er­fah­ren, den er in ei­ner Vi­deo­thek ken­nen­ge­lernt hat­te, wo sich die bei­den über den ge­plan­ten Raub un­ter­hiel­ten. Der von Rechts­an­walt Micha­el Weiss ver­tei­dig­te Mann kam mit ei­ner zwei­jäh­ri­gen Be­wäh­rungs­stra­fe we­gen Bei­hil­fe zum Raub um ei­ne Ge­fäng­nis­stra­fe her­um.

Dass es bei Tho­mas K. hin­ge­gen auf ei­ne län­ge­re Haft­stra­fe hin­aus­lau­fen wür­de, war von An­fang an klar. Ihn ver­ur­teil­te die drit­te Straf­kam­mer des Augs­bur­ger Land­ge­rich­tes nun we­gen schwe­ren Raubs zu ei­ner Ge­fäng­nis­stra­fe von fünf Jah­ren und sie­ben Mo­na­ten und ord­ne­te die Un­ter­brin­gung in ei­ner Ent­zie­hungs­an­stalt an – al­so ei­ne Dro­gen­the­ra­pie im Ge­fäng­nis. Sei­ne Ver­tei­di­ger Mar­co Mül­ler und Mar­ti­na Sulz­ber­ger hat­ten auf vier Jah­re plä­diert, die Staats­an­walt­schaft auf sechs Jah­re und neun Mo­na­te.

Rechts­kräf­tig ist das Ur­teil noch nicht.

* Na­me ge­än­dert

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