Jetzt wer­den Ra­ser här­ter be­straft

Kriminalität Bis­her muss­ten die Teil­neh­mer il­le­ga­ler Au­to­ren­nen meist nur mit ge­rin­gen Stra­fen rech­nen. Doch dann star­ben Men­schen – und die Re­gie­rung ver­schärft das Ge­setz

Schwabmuenchner Allgemeine - - Panorama - VON MAR­TIN FER­BER

Ber­lin Ra­sern geht es künf­tig an den Kra­gen. So­wohl die Ver­an­stal­ter als auch die Teil­neh­mer an il­le­ga­len Au­to­ren­nen müs­sen mit deut­lich här­te­ren Stra­fen als bis­her rech­nen. Ih­nen dro­hen ho­he Geld­stra­fen oder bis zu zwei Jah­ren Ge­fäng­nis.

Wird bei ei­nem il­le­ga­len Ren­nen ein Mensch ge­tö­tet oder schwer ver­letzt, kann so­gar ei­ne Haft­stra­fe von bis zu zehn Jah­ren ver­hängt wer­den. Kurz vor En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ei­nig­ten sich die Ex­per­ten der Gro­ßen Ko­ali­ti­on dar­auf, den neu­en Straf­tat­be­stand „Ver­bo­te­ne Au­to­ren­nen“ins Straf­ge­setz­buch ein­zu­fü­gen, nach­dem bei der­ar­ti­gen il­le­ga­len Ra­ser­fahr­ten, die auch schon in­ner­halb von ge­schlos­se­nen Ort­schaf­ten aus­ge­tra­gen wor­den wa­ren, meh­re­re Men­schen ge­tö­tet wur­den. Der Rechts­aus­schuss des Bun­des­tags stimm­te dem An­trag von CDU/ CSU und SPD am Mitt­woch zu, da­mit steht ei­ner Ver­ab­schie­dung am heu­ti­gen Don­ners­tag nichts mehr im We­ge.

Der Ver­kehrs­ex­per­te der Uni­ons­frak­ti­on, Ul­rich Lan­ge aus Nörd­lin­gen im Kreis Do­nau-Ries, be­grüß­te ge­gen­über un­se­rer Zei­tung die Neu­re­ge­lung. „Da­mit re­agie­ren wir auf die alar­mie­ren­de Zu­nah­me sol­cher Er­eig­nis­se in jüngs­ter Zeit.“Die Ko­ali­ti­on set­ze „ein kla­res Zei­chen der Ab­schre­ckung“. Man hof­fe, „dass auch der letz­te Ra­ser nun ka­piert hat, um was es geht“. Vor­fäl­le wie in Köln, Ber­lin oder kürz­lich in Mön­chen­glad­bach dürf­ten sich nicht wie­der­ho­len.

war erst vor we­ni­gen Ta­gen ein un­be­tei­lig­ter 38-jäh­ri­ger Fuß­gän­ger von ei­nem 28-jäh­ri­gen Au­to­fah­rer, der sich an ei­nem il­le­ga­len Au­to­ren­nen be­tei­ligt hat­te und mit min­des­tens 90 St­un­den­ki­lo­me­tern durch die Stadt ge­rast war, über­fah­ren wor­den.

Bis­lang gal­ten der­ar­ti­ge Ren­nen le­dig­lich als „ver­bo­te­ne Form über­mä­ßi­ger Stra­ßen­nut­zung“, die als Ord­nungs­wid­rig­keit ein­ge­stuft wur­de. In der Re­gel gab es ein Buß­geld von 400 Eu­ro, ei­nen Mo­nat Fahr­ver­bot und zwei Punk­te in Flens­burg, Ver­an­stal­ter muss­ten 500 Eu­ro be­zah­len.

Bei To­des­fäl­len hat­ten Ge­rich­te bis­lang sehr un­ter­schied­lich ent­schie­den. Das Köl­ner Land­ge­richt ver­ur­teil­te im April 2015 zwei Ra­ser we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung zu Haft­stra­fen, die we­gen güns­ti­ger So­zi­al­pro­gno­sen aber zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wur­den. Da­ge­gen ver­ur­teil­te das Ber­li­ner Land­ge­richt im Fe­bru­ar die­ses Jah­res zwei Ra­ser im Al­ter von 25 und 28 Jah­ren we­gen Mor­des zu ei­ner le­bens­läng­li­chen Haft­stra­fe. Sie hät­ten zwar nie­man­den vor­Dort sätz­lich tö­ten wol­len, aber mög­li­che töd­li­che Fol­gen bil­li­gend in Kauf ge­nom­men. Das Ur­teil ist al­ler­dings noch nicht rechts­kräf­tig.

Durch die jetzt be­schlos­se­ne Ge­set­zes­än­de­rung wird die Teil­nah­me an ei­nem il­le­ga­len Au­to­ren­nen in je­dem Fall als ein Ver­bre­chen ein­ge­stuft, was deut­lich här­te­re Stra­fen zur Fol­ge hat. Al­ler­dings dürf­te als Fol­ge der Ver­schär­fung nach An­sicht von Ex­per­ten ei­ne Ver­ur­tei­lung we­gen Mor­des nicht mehr in­fra­ge kom­men, wei­ter­hin je­doch we­gen Tot­schlags.

Fo­to: Fe­de­ri­co Gam­ba­ri­ni, dpa

An die­ser Stel­le in Mön­chen­glad­bach kam Mit­te Ju­ni ein Fuß­gän­ger ums Le­ben. Er war vor ein Au­to ge­ra­ten, das sich mit ei­nem an­de­ren Fahr­zeug ein il­le­ga­les Ren­nen ge­lie­fert hat­te.

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