Ris­kan­te Nach­bar­schafts­hil­fe

Ver­si­che­rung Beim Um­zug hel­fen, Blu­men gie­ßen: Wer Tür an Tür wohnt, hilft sich oft ge­gen­sei­tig. Die Ge­le­gen­heits­diens­te soll­ten nur ab­ge­si­chert sein. Denn geht et­was ka­putt oder schief, droht Är­ger

Schwabmuenchner Allgemeine - - Geld & Leben -

Ber­lin In der Re­gel läuft al­les glatt. Die Fa­mi­lie von ne­ben­an kommt aus den Fe­ri­en zu­rück und freut sich, dass die Nach­barn die Pflan­zen im Haus und im Gar­ten bes­tens ver­sorgt ha­ben. Aber manch­mal kommt es an­ders. Dann ist die Nach­ba­rin et­wa beim Blu­men­gie­ßen mit dem El­len­bo­gen ge­gen ei­ne kost­ba­re Va­se ge­sto­ßen, die am Bo­den in un­zäh­li­ge Stü­cke fiel. Über die Scher­ben krie­gen sich die Nach­barn in die Haa­re – und mit­un­ter lan­det der Streit vor Ge­richt. Dann geht es um die Fra­ge: Wer haf­tet für den Scha­den?

„Das Bür­ger­li­che Ge­setz­buch ist hier ein­deu­tig“, er­klärt Kath­rin Jarosch vom Ge­samt­ver­band der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft (GDV). Wer ei­nen Scha­den ver­ur­sacht, muss da­für auch ge­ra­de­ste­hen.

Bei Ge­fäl­lig­keits­diens­ten set­zen Ge­rich­te aber nicht sel­ten ei­nen „still­schwei­gen­den Haf­tungs­aus­schluss“vor­aus. Hel­fer müs­sen al­so meist nicht für von ih­nen ver­ur­sach­te Schä­den auf­kom­men – es sei denn, sie ha­ben grob fahr­läs­sig ge­han­delt.

An­ders sieht es aus, wenn der Hel­fer ei­ne pri­va­te Haft­pflicht­ver­si- che­rung hat und leicht fahr­läs­sig han­del­te – in ei­nem sol­chen Fall steht sei­ne Ver­si­che­rung oft in der Pflicht, den Scha­den zu zah­len. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den (Az.: VI 467/15). Die Ver­si­che­rung des Hel­fers muss so­wohl für leicht als auch grob fahr­läs­sig her­bei­ge­führ­te Schä­den zah­len.

„Grund­sätz­lich soll­te je­der ei­ne pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung ha­ben“, rät Clau­dia Frenz vom Bund der Ver­si­cher­ten in Hen­stedt-Ulz­burg. Sie re­gu­liert Scha­den­er­satz­an­sprü­che – und wehrt auch un­be­rech­tig­te An­sprü­che ab.

Ob die Haft­pflicht­ver­si­che­rung aber auch für Schä­den bei Ge­fäl­lig­keits­diens­ten auf­kommt, hängt im­mer von den je­wei­li­gen Ta­rif­be­din­gun­gen der Ge­sell­schaf­ten ab, er­läu­tert Elke Wei­den­bach von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len in Düsseldorf. Ver­si­che­rungs­neh­mer soll­ten sich da­her ih­ren Ver­trag ge­nau an­schau­en und ge­ge­be­nen­falls mit dem Ver­si­che­rer über den ge­wünsch­ten Schutz spre­chen. Vier ty­pi­sche Fäl­le:

● Ba­by­sit­ter „Wenn das Kind je­den Tag ge­gen Geld be­treut wird, dann ist das kei­ne Ge­fäl­lig­keit mehr“, sagt Wei­den­bach. In ei­nem sol­chen Fall be­nö­ti­ge der Hel­fer ei­ne Be­rufs­haft­pflicht. Über­nimmt aber et­wa ei­ne Freun­din der Mut­ter ge­le­gent­lich die Be­treu­ung, wenn Not am Mann ist, ist das ei­ne Ge­fäl­lig­keit. Sie fällt un­ter den Schutz der pri­va­ten Haft­pflicht­ver­si­che­rung. „Ju­gend­li­che Ba­by­sit­ter sind meist über ih­re El­tern in der Fa­mi­li­en­haft­pflicht­ver­si­che­rung ab­ge­si­chert“, so Jarosch.

● Um­zugs­hel­fer Wer dem Kol­le­gen beim Um­zug hilft und da­bei ver­se­hent­lich ei­ne Kiste mit ed­lem Por­zel­lan fal­len lässt, kann dar­auf set­zen, dass die pri­va­te Haft­pflicht­ver­si­che­rung den Scha­den re­gu­liert. Dar­auf weist Frenz hin. Nach ei­nem Ur­teil des Amts­ge­richts Plet­ten­berg (Az: 1 C 345/05) muss ein Hel­fer bei ei­nem Ge­fäl­lig­keits­dienst auch kei­nen Scha­den­er­satz leis­ten, wenn ein ge­park­ter Pkw durch Re­galbret­ter, die vom Hel­fer ab­ge­stellt wur­den, Scha­den ge­nom­men hat.

● Hund hü­ten Wer ei­nen frem­den Hund be­auf­sich­tigt und zum Bei­spiel mit ihm Gas­si geht, soll­te dar­auf ach­ten, dass der Hun­de­be­sit­zer ei­ne Tier­hal­ter-Haft­pflicht­ver­si­che­rung hat. „Sie haf­tet für Schä­den, die der Hund an­rich­tet – und zwar un­ab­hän­gig da­von, wer die Schuld da­für trägt“, er­läu­tert Frenz. In ei­ni­gen Bun­des­län­dern ist ei­ne sol­che Po­li­ce für sämt­li­che oder be­stimm­te Ras­sen, et­wa Kampf­hun­de, vor­ge­schrie­ben.

● Hand­wer­ker­hil­fe Es ist Sa­che des pri­va­ten Bau­herrn, sei­ne Hel­fer wie Ver­wand­te, Freun­de, Nach­barn oder Kol­le­gen ab­zu­si­chern. Nö­tig ist ei­ne ge­setz­li­che Un­fall­ver­si­che­rung. Wird sie nicht ab­ge­schlos­sen, droht dem Bau­herrn ei­ne Geld­stra­fe. Wird et­wa dem On­kel beim Haus­bau ge­hol­fen, be­steht bei ei­ner auf ei­nen Tag be­schränk­ten Ge­fäl­lig­keits­leis­tung kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht. Im Zwei­fels­fall soll­ten sich Bau­herrn bei der Bau­be­rufs­ge­nos­sen­schaft er­kun­di­gen.

Al­le Be­tei­lig­ten soll­ten von vorn­her­ein Art und Um­fang der Tä­tig­keit des Hel­fers fest­le­gen – und auch ih­re je­wei­li­gen Er­war­tun­gen klä­ren. „Um si­cher Streit zu ver­mei­den, soll­te sich der Hel­fer vor Be­ginn sei­ner Tä­tig­keit von jeg­li­cher Haf­tung frei­stel­len las­sen“, emp­fiehlt Jarosch. Da­zu ge­nügt ein form­lo­ses Schrei­ben. Dar­in kann es zum Bei­spiel hei­ßen: „XY haf­tet beim Blu­men­gie­ßen in Mül­lers Ab­we­sen­heit nur bei Vor­satz und gro­ber Fahr­läs­sig­keit.“

Fo­to: eu­thy­mia, Fo­to­lia

Schnell ist es pas­siert. Bes­ser man ist gut ver­si­chert, wenn bei dem Ge­fäl­lig­keits­dienst für Freun­de und Nach­barn et­was zu Bruch geht.

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