Ver­lo­ren am Ho­ri­zont

Aus­stel­lung Die Augs­bur­ger Künst­ler Wolf Noack und Claus Schee­le an un­ge­wohn­tem Ort

Schwabmuenchner Allgemeine - - Feuilleton Regional - (go) VON GÜN­TER OTT Lauf­zeit bis zum 28. Ju­li; ge­öff­net Mon­tag bis Frei­tag von 8 bis 19 Uhr.

Die Kunst hat das Zeug, ei­nen im­mer wie­der zu über­ra­schen, zu­mal wenn sie sich an ei­nem un­ver­mu­te­ten Ort fin­det. „Kunst im Bun­des­pa­tent­ge­richt“nennt sich ei­ne Aus­stel­lungs­rei­he. Die­se Fol­ge hat mitt­ler­wei­le das hal­be Hun­dert über­schrit­ten! Die 53. Schau in der Cin­cin­na­ti­stra­ße 64, lei­der sehr pe­ri­phe­risch am Süd­rand Mün­chens ge­le­gen, be­strei­ten Wolf Noack und Claus Schee­le. Die fast gleich al­ten Künst­ler, 1942 ge­bo­ren der ei­ne, 1943 der an­de­re, sind fes­te Grö­ßen in der Augs­bur­ger Sze­ne.

Noack, aus Wi­en stam­mend, ist seit 1999 frei­schaf­fend. Im ers­ten Stock hän­gen vor­wie­gend Acryl­Ar­bei­ten auf Lein­wand von 2009 bis 2016, in de­nen ei­ne ma­le­risch pul­sie­ren­de Flä­che (mit Kratz­spu­ren) bis an die Rän­der der statt­li­chen For­ma­te drängt. Auf­fal­lend die ge­dämpf­te, ein schmut­zi­ges Braun nicht scheu­en­de, ja in nächt­li­che sin­ken­de Pa­let­te. Das Gro­ße, Er­ha­be­ne nimmt An­lei­hen bei ro­man­ti­schen Unend­lich­keits­vor­stel­lun­gen. Und wie es sich für ei­ne nicht auf bil­li­ge Stim­mung re­du­zier­te Ro­man­tik ge­hört, spielt das Ab­grün­di­ge, nicht Fass­ba­re mit.

Was vie­le sich un­ent­wegt aus­ma­len, et­wa ei­nen Son­nen­un­ter­gang, wird bei Noack zum eher bei­läu­fi­gen Mo­tiv, das sei­ne fei­nen Licht­tö­ne in die Tie­fe sen­det. Wie der Ma­ler das Gro­ße und das Klei­ne zu­sam­men­bringt, wirkt fast schon ko­kett. Der win­zi­ge „Ad­ler am Ho­ri­zont“will erst ent­deckt sein, der wei­ße Rei­her blinkt wie ein Fremd­zi­tat aus dem Grün-Dschun­gel. Noacks in kräf­ti­gen Farb­wo­gen flie­ßen­der Zy­klus zu den Sym­pho­ni­en Gus­tav Mah­lers (2007) ist im zwei­ten Stock plat­ziert – ne­ben Farb­stu­di­en, in die das Rot ein­schießt und die doch hin­ter ei­nem sub­ti­len Öl-Pas­tell wie „Schwe­re See“zu­rück­ste­hen. Man sieht im Üb­ri­gen Noacks Wert­schät­zung für Cy Twom­bly.

Wie­der­ho­lung ist ei­ne ge­lieb­te Gat­tin, de­ren man nie mü­de wird.“Das Zitat Sö­ren Lir­ke­gaards fällt ei­nem beim Be­trach­ten der Skulp­tu­ren Claus Schee­les ein. Wo­bei Wie­der­ho­lung zu­mal in den Ple­Düs­ter­nis xi­glas-Ar­bei­ten der 1970er Jah­re im­mer auch Wan­del, Dre­hung, Auf­fä­che­rung, Spie­ge­lung meint. Die sich fort­zeu­gen­de, den Blick von ei­nem (Bau-)Ele­ment zum an­de­ren füh­ren­de Form sucht die ar„Die chi­tek­to­ni­sche Nä­he, wie sie sich gleich­zei­tig selbst ge­nügt (u. a. in den Blau-Schat­tie­run­gen).

Man­che Ar­beit mu­tet et­was ge­drech­selt an („Sphä­roid“), an­de­res über­lappt sich mit De­sign. In den nach 2000 ent­stan­de­nen Ob­jek­ten be­vor­zugt Schee­le den Fe­der­stahl, teils mit Alu­mi­ni­um und (ver­ni­ckel­tem) Mes­sing. Vier Ar­bei­ten hei­ßen „Al­ter­sag­gres­siv“, aber die­se Art von „An­griff“lässt man sich gern ge­fal­len, da sie in der nach oben wie nach un­ten ge­rich­te­ten Form stets ihr fi­li­gra­nes Aus­se­hen wah­ren. Das hat bei al­lem In­ein­an­der von Bün­de­lung und Streu­ung ei­nen schö­nen Zug ins „Ve­ge­ta­ti­ve“und „Krei­seln­de“, um zwei Ti­tel an­zu­füh­ren.

In Skulp­tu­ren von 1995 bis 1999 setzt der Künst­ler den aus der An­ti­ke ge­läu­fi­gen Wa­gen­len­ker auf den So­ckel: Es kos­tet sicht­lich Kraft, die „Fä­den“in der Hand zu hal­ten.

Fo­to: Pe­ter Bu­lach

Ma­ler Wolf Noack und Bild­hau­er Claus Schee­le stel­len ge­mein­sam im Bun­des­pa­tent ge­richt Mün­chen aus.

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