Bö­ses Spiel mit Nackt­fo­tos

Wie ei­ne an­ony­me Ra­che­ak­ti­on auf Face­book zwei Frau­en auf die An­kla­ge­bank bringt

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON KLAUS UTZNI

Die so­zia­len Netz­wer­ke im In­ter­net sind ei­ne schö­ne Sa­che. Man kann sich mit Freun­den über harm­lo­se Din­ge aus­tau­schen. Aber man kann auch mit ei­nem Men­schen, dem man we­ni­ger gut ge­sinnt ist, ein bö­ses Spiel trei­ben. Dann ver­steckt man sich am bes­ten hin­ter ei­nem Pseud­onym, ei­nem fal­schen Na­men.

Das kann aber ins Au­ge ge­hen, wie ein skur­ri­ler Fall be­weist, den das Amts­ge­richt, ganz of­fen­sicht­lich zur Er­leich­te­rung al­ler Be­tei­lig­ten, kurz und schmerz­los „be­er­digt“hat, wie in der Ju­ris­ten­spra­che sa­lopp die Ein­stel­lung ei­nes Ver­fah­rens „we­gen ge­rin­ger Schuld“ge­gen Geld­auf­la­ge ge­nannt wird. Zwei Frau­en, nen­nen wir sie Bri­git­te, 35, und Ca­ro­la, 41, sind vor Rich­te­rin Bir­git Gei­ßen­ber­ger zwei­er Straf­tat­be­stän­de an­ge­klagt, die in der Re­gel fast aus­schließ­lich Män­nern zur Last ge­legt wer­den: „Ver­brei­tung von Por­no­gra­phie“und „Ver­let­zung des höchst­per­sön­li­chen Le­bens­be­rei­ches durch Bild­auf­nah­men“.

„Op­fer“ei­nes ku­rio­sen Ring­tau­sches ero­ti­scher Fo­tos ist ein Mann, den wir als Jens be­zeich­nen. Jens hat­te vor ei­ni­ger Zeit ei­ne Af­fä­re mit Ca­ro­la, im Herbst 2016 dann aber mit de­ren Be­kann­ten Bri­git­te, was ers­te­rer of­fen­bar nicht passt. Ca­ro­la sinnt auf „Ra­che“. Jetzt wirds kom­pli­ziert: Ca­ro­la schickt auf Face­book un­ter Pseud­onym ei­ne Freund­schafts­an­fra­ge an Jens.

Bei­ge­fügt sind Fo­tos ei­ner nack­ten Frau. Jens, der nicht weiß, wer hin­ter der An­fra­ge steckt, beißt an. Er ant­wor­tet post­wen­dend der ver­meint­lich Un­be­kann­ten und fügt zwei Fo­tos bei, die ihn selbst in höchst er­reg­tem Zu­stand zei­gen. Das Bild­ma­te­ri­al ih­res Ex-Freun­des, für die Jus­tiz schlicht­weg Por­no­gra­phie, lei­tet Ca­ro­la nun an die neue Flam­me von Jens wei­ter, na­tür­lich wie­der un­ter Pseud­onym. Bri­git­te, die wohl eben­falls an­nimmt, die Fo­tos von ei­ner ihr frem­den Frau zu­ge­schickt be­kom­men zu ha­ben, tut et­was, wo­mit Ca­ro­la nicht ge­rech­net hat.

Sie schickt die Bil­der – aus wel­chem Mo­tiv auch im­mer, ist letzt­lich nicht ge­klärt – nichts ah­nend an ih­re Be­kann­te Ca­ro­la un­ter de­ren ech­tem Face­boo­kac­count zu­rück. Wo­mit sie spä­ter frei­lich auch selbst ins Vi­sier der Jus­tiz ge­rät. Das bö­se Spiel wird ruch­bar, Jens geht zur Po­li­zei. Ehe die Kri­po auf die Da­tei­en zu­grei­fen kann, ha­ben al­le Be­tei­lig­ten die Fo­tos ge­löscht. Und Face­book wei­gert sich, der Po­li­zei Hand­lan­ger­diens­te zu leis­ten.

Im Pro­zess nun schwei­gen die bei­den Frau­en. Ih­re An­wäl­te Joa­chim Schwar­zenau und Udo Reiss­ner si­gna­li­sie­ren dem Ge­richt, man kön­ne sich ei­ne Ein­stel­lung des Ver­fah­rens ge­gen Geld­auf­la­ge vor­stel­len. Ver­letz­te Ei­tel­kei­ten, so ein An­walt, sei­en wohl der Hin­ter­grund für die­se Drei­ecks­ge­schich­te der et­was an­de­ren Art.

Die Staats­an­walt­schaft und Rich­te­rin Gei­ßen­ber­ger fol­gen die­sem Vor­schlag, so­dass Jens, der als Zeu­ge be­reit­steht, auch nicht aus­sa­gen muss. Bei­de Frau­en müs­sen je 600 Eu­ro Geld­auf­la­ge an den „Ar­beits­kreis Frau­en­haus“in Augs­burg zah­len.

Ei­ne Adres­se, die das Ge­richt mit Be­dacht ge­wählt hat. Bir­git Gei­ßen­ber­ger: „Da­mit sie bei­de dar­an den­ken, dass es Frau­en gibt, die ganz an­de­re Pro­ble­me ha­ben.“

Fo­to: Andrea War­ne­cke, dpa

Ei­ne Ra­che­ak­ti­on via Face­book führ­te zwei Frau­en vor Ge­richt.

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